„Manchmal sagt Tadej etwas, bevor er es richtig durchdenkt“: Matej Mohoric relativiert Pogacars Andeutungen, die Tour de France künftig auszulassen
Radsport
Nach einer durchwachsenen Frühjahrsklassiker-Kampagne hat Matej Mohoric auf Teneriffa, Spanien, einen Trainingsblock absolviert, um sich auf einen vollen Sommer mit der Tour Auvergne-Rhône-Alpes (ehemals Critérium du Dauphiné) und der Tour de France vorzubereiten. Bei einer Verkehrssicherheitsveranstaltung in Slowenien sprach der Bahrain Victorious-Profi offen über verschiedene Themen, darunter seine unkonventionellen Trainingsmethoden und seine Einschätzung zu Tadej Pogacar.
Vorbereitung auf Teneriffa und die Wahl des Dauphiné
Mohoric entschied sich, die Sommervorbereitung auf Teneriffa gemeinsam mit Teamkollegen zu bestreiten. Er erklärte, die Insel biete ideale Bedingungen, um die physischen Anforderungen der Tour de France zu simulieren.
„Die Hitze ist konstant und der Körper kann sich gut daran anpassen“, sagte Mohoric. „Ich denke, wir haben einen sehr hochwertigen und fordernden Vorbereitungsblock absolviert. Das ist notwendig, um den Körper auf die Belastungen vorzubereiten, die ihn einen Monat später erwarten. Jetzt freue ich mich schon auf das Critérium du Dauphiné, wo ich mich mit den Rivalen messen und sehen kann, auf welchem Niveau ich stehe und was ich vor dem Start der Tour im Juli noch verbessern muss.“
Weiterlesen
Gefragt, warum er das Dauphiné als letzte Formüberprüfung statt der Tour de Suisse oder der Tour of Slovenia wählte, verwies Mohoric auf die terminlichen Vorteile des französischen Rennens für Erholung und Feinschliff.
„Das Dauphiné steht etwas früher im Kalender als die Tour de Suisse. Die Schweiz endet erst gut eine Woche vor dem Start der Tour, womit praktisch keine Zeit für qualitativ hochwertiges Training dazwischen bleibt. Nach dem Dauphiné bleibt jedoch noch eine Woche für die finalen Vorbereitungen“, erklärte er. „Gemeinsam mit dem Team haben wir daher entschieden, dass ich die Klassikersaison nach den Ardennen-Klassikern beende. Darauf folgte etwas Ruhe und dann vier Wochen Vorbereitung auf den Sommer. Ich denke, alles lief nach Plan, und ich hoffe, dass die Ergebnisse dieser Arbeit im Juli sichtbar sein werden.“
Ziele für die Tour de France
Bahrain Victorious startet mit mehreren Zielen in die Tour de France und balanciert Ansprüche im Gesamtklassement mit offensivem Fahren aus Ausreißergruppen.
„Einerseits werden wir mit Antonio Tiberi oder Lenny Martinez auf das Gesamtklassement spielen, andererseits liegt ein großer Fokus auf Etappensiegen. Wir haben viele starke Einzelstarter, und fast jeder von uns kann auf ein gutes Resultat hoffen, wenn der Rennverlauf es zulässt“, merkte Mohoric an.
Weiterlesen
Der Slowene fügte hinzu, dass das Verhalten der dominierenden Teams im Peloton bestimmen werde, wie viele Chancen es für Ausreißer gibt. „Viel wird davon abhängen, wie die stärksten Teams das Rennen kontrollieren. Wenn sie alle Etappen holen und jede Gruppe kontrollieren wollen, wird es für den Rest deutlich schwieriger“, sagte er.
„Auf der Strecke gibt es einige interessante Etappen, die mir liegen könnten, aber alles hängt vom Rennverlauf ab. Vor allem davon, wie die stärksten Teams fahren und wie viel Energie sie investieren, um das Feld zu kontrollieren. Wenn es jeden Tag Vollgas geht, ist es für Fahrer, die nicht zur absoluten Weltspitze gehören, deutlich schwieriger, eine Gelegenheit zu bekommen.“

Matej Mohoric vor Paris-Roubaix 2026
Absage an Höhentrainingslager
Mohoric bleibt im modernen Peloton eine seltene Ausnahme, da er traditionelle Höhencamps mit Übernachtungen in großer Höhe ablehnt – eine Präferenz, für die er hart gekämpft hat.
„Die Höhe hat mir nie besonders gelegen. In den frühen Jahren meiner Karriere waren Höhentrainings Pflicht. Das letzte Mal war ich 2020 in Andorra in so einem Camp, und dann habe ich mir erkämpft, dass ich das nicht mehr machen muss. Genau danach kamen die größten Erfolge meiner Karriere, also habe ich keine besondere Lust zu experimentieren und zur Höhe zurückzukehren“, räumte Mohoric ein.
„In diesem Jahr habe ich den Großteil der Vorbereitung dennoch gemeinsam mit dem Team absolviert, nur eben auf etwas niedrigerer Höhe. So konnten wir zusammen trainieren, uns vergleichen und gegenseitig pushen. Der Teamgeist ist auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind überzeugt, dass wir alles Notwendige getan haben. Der physische Teil der Vorbereitung liegt hinter uns, jetzt gilt es, das in den Wettkampf zu übertragen. Im Radsport entscheiden nicht nur die Beine, sondern auch viele andere Faktoren.“
Zudem lobte er den starken Auftritt des Teams beim jüngsten Giro d’Italia, bei dem Fahrer wie Afonso Eulalio die Erwartungen übertrafen. „Das ist sehr wichtig. Am Ende spielt auch das Glück eine Rolle. Zunächst schien es, als hätten wir ziemlich viel Pech, doch dann stellte sich heraus, dass das Ergebnis sogar besser war, als wir es uns ausgemalt hatten“, sagte Mohoric.
„Ich hoffe, dass das Glück auch bei der Tour auf unserer Seite sein wird. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun. Zusammenhalten und alles geben ist am Ende das Wichtigste. Alles andere liegt nicht mehr vollständig in unseren Händen. Beim Giro wirkte es fast märchenhaft. Wir hoffen, dass auch die Tour erfolgreich verläuft und wir die Ziele erreichen, die wir uns realistisch gesetzt haben.“
Weiterlesen
Nachwuchsförderung und Einschätzung zu Tadej Pogacar
Mit Blick auf heimische Rennen wie die Tour of Slovenia zeigte sich Mohoric optimistisch hinsichtlich seines jüngeren Landsmanns Jakob Omrzel. „Ich denke, er hat die richtige Entscheidung getroffen. Ich selbst hatte nicht das Umfeld, das Jakob heute hat. Er ist von Menschen umgeben, die ihn gut führen und ihn vor zu viel Druck schützen.“
„Ich möchte keine zusätzlichen Erwartungen auf ihn laden. Ich bin überzeugt, dass er mit seinem Talent, seinem Wissen und seiner Arbeit viele schöne Dinge erreichen wird. Wir waren zusammen auf Teneriffa, und ich kann sagen, dass er ein sehr ruhiger und angenehmer Typ ist. Man sieht, dass er aus einem organisierten Umfeld kommt und die Dinge im Kopf gut sortiert hat. Das ist ein großer Vorteil“, erklärte Mohoric.
Abschließend ging Mohoric auf jüngste Medienaussagen von Tadej Pogacar ein, wonach dieser sich künftig stärker auf Monumente konzentrieren oder die Tour de France womöglich auslassen wolle.
„Es ist die Frage, wie viel Wahrheit in manchen seiner Aussagen steckt. Manchmal sagt Tadej etwas, bevor er es gut durchdacht hat. Die Tour de France ist das größte Rennen der Welt, und ich glaube, dass er dort noch lange zurückkehren wird. Wenn er sich eines Tages anders entscheidet, ist das sein gutes Recht. Er hat mehrfach bewiesen, dass er der beste Radfahrer der Welt ist und sich bei der Wahl seiner Ziele deutlich mehr Freiheit leisten kann als die meisten anderen“, schloss Mohoric.
Auf die Frage, ob der neu vorgestellte Kurs der European Championships dem Titelverteidiger Pogacar liege, widersprach Mohoric der These, eine moderne Streckenführung könne seinem Landsmann realistisch schaden.
„Ich denke, Tadej ist mit großem Abstand der beste Radfahrer der Welt. Es ist sehr schwierig, eine Strecke zu zeichnen, die ihm nicht liegt. Ehrlich gesagt: Selbst wenn wir den Schlüsselanstieg nur einmal fahren würden, wäre er immer noch einer der wenigen, die ihn so schnell fahren können wie er. Deshalb ist es schwer, von einer Strecke zu sprechen, die ihm nicht auf den Leib geschneidert ist.“
Weiterlesen

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
Klatscht 0Besucher 0
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









