„Ich habe die Kontrolle verloren und lag am Boden“ – Wout Van Aert startet seine Tour-de-France-Vorbereitung lädiert, bandagiert und noch nicht in Bestform

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 07 Juni 2026 um 18:45
Wout van Aert
Wout Van Aert hat bei seiner Rückkehr ins Renngeschehen nach dem Triumph bei Paris-Roubaix einen schwierigen Auftakt erlebt. Der Belgier machte nach der ersten Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes jedoch deutlich, dass seine aktuelle Form exakt dem entspreche, was er in dieser Phase der Saison erwartet hatte.
Rund zwei Monate nach dem zweiten Monument-Sieg seiner Karriere kehrte der Profi von Visma - Lease a Bike ins Peloton zurück. Dabei trat er mit sichtbaren Folgen eines Trainingssturzes an: Der rechte Arm war bandagiert, das rechte Knie abgedeckt. Zudem fehlte ihm auf den steilen Anstiegen noch die gewünschte Kletterform. Auf der anspruchsvollen Auftaktetappe von Vizille nach Saint-Ismier mit mehr als 3.000 Höhenmetern musste Van Aert an der Côte de Quaix-en-Chartreuse schließlich abreißen lassen.

Van Aert sieht keinen Grund zur Sorge

Zuvor hatte der Belgier noch versucht, seinen Teamkollegen Matteo Jorgenson bestmöglich zu unterstützen. Als das Tempo weiter anzog, entschied er sich jedoch, sein eigenes Rennen zu fahren und keine unnötigen Risiken einzugehen.
Wout van Aert kämpfte sich bei seinem Comeback in der Tour Auvergne-Rhône-Alpes über die Berge und richtet den Fokus weiterhin auf die Tour de France
Wout van Aert kämpfte sich bei seinem Comeback in der Tour Auvergne-Rhône-Alpes über die Berge und richtet den Fokus weiterhin auf die Tour de France
„Hatte ich Schmerzen? Ja, in den Beinen“, sagte Van Aert nach der Etappe gegenüber HLN.
Der 30-Jährige erklärte, dass seine Hauptaufgabe darin bestanden habe, Jorgenson möglichst lange zu unterstützen und ihn in eine gute Position zu bringen.
„Ich hatte kein großartiges Gefühl“, gab Van Aert offen zu. „Ich habe versucht, dem Team ein wenig zu helfen, unter anderem Matteo zu positionieren, und dann habe ich nichts erzwungen. Ich hatte auf ein etwas besseres Gefühl gehofft, aber das bereitet mir keine Sorgen.“
Genau dieser letzte Satz beschreibt die Ausgangslage des Belgiers. Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes dient ihm in erster Linie dazu, nach seiner Rennpause wieder Wettkampfhärte aufzubauen. Van Aert befindet sich noch mitten im Formaufbau für die Tour de France und reist nicht mit dem Anspruch an, bereits seine Bestform erreicht zu haben.
In den kommenden Tagen könnten sich zudem bessere Gelegenheiten ergeben. Während die erste Etappe klar den Kletterern entgegenkam, bieten insbesondere die vierte und fünfte Etappe ein Profil, das besser zu den Qualitäten des Allrounders passt.
„Das ist immer eines der härtesten Rennen, mit vielen Chancen für die Kletterer. Im Sprint oder aus einer Gruppe heraus kann ich meine Chance haben“, sagte Van Aert.

Trainingssturz sorgt für sichtbare Blessuren

Schon am Start waren die Spuren des Trainingsunfalls nicht zu übersehen. Der Belgier hatte Anfang der Woche bei einer Ausfahrt auf dem Zeitfahrrad Bekanntschaft mit dem Asphalt gemacht.
„Das lässt sich schwer verbergen“, sagte Van Aert mit einem Lachen. „Ich bin am Montag mit dem Zeitfahrrad gestürzt. Es war mein Fehler. Ein kurzer Konzentrationsfehler, ich habe die Kontrolle über den Lenker verloren und lag am Boden.“
Trotz der sichtbaren Abschürfungen und Verbände spielte Van Aert die Folgen des Sturzes herunter. Die Verletzungen seien nicht schwerwiegend genug gewesen, um seine Rennplanung zu verändern.
„Es ist nicht so schlimm, sonst wäre ich nicht gestartet.“
Das übergeordnete Ziel bleibt ohnehin unverändert: die Tour de France. Visma - Lease a Bike nutzt die Tour Auvergne-Rhône-Alpes als wichtigen Teil der Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt, und Van Aert machte deutlich, dass vor allem das Mannschaftszeitfahren zu den ersten großen Zielen der Woche gehört.
„Zu Beginn peilen wir das Mannschaftszeitfahren an“, erklärte er.

Nach Roubaix richtet sich der Blick bereits auf den Juli

Die Rückkehr des Belgiers erfolgt nur wenige Wochen nach einem der bedeutendsten Erfolge seiner Karriere. Mit seinem Sieg bei Paris-Roubaix hatte Van Aert nicht nur sein zweites Monument gewonnen, sondern auch eines der letzten großen Ziele seiner Frühjahrskampagne erreicht.
Als endgültigen Schlusspunkt betrachtet er diesen Erfolg allerdings nicht.
„Das ist natürlich erst der Anfang. Nachdem ich Mailand-Sanremo gewonnen hatte, habe ich ja auch nicht aufgehört zu siegen“, sagte Van Aert.
Den Triumph in Roubaix beschrieb er als eine Mischung aus Befreiung und Bestätigung. Der Sieg habe ihm enorme Erleichterung verschafft, gleichzeitig sei ihm bewusst gewesen, dass schon bald die nächste Herausforderung warten würde.
„Es war eine riesige Erleichterung, und ich konnte es intensiv genießen, aber am Ende muss man wieder anfangen zu trainieren und nach vorn schauen.“
Sein erster Renntag nach der Pause verlief zwar deutlich härter als erhofft. An seinem langfristigen Plan ändert das jedoch nichts. Van Aert machte nach der Etappe unmissverständlich klar, dass weder seine Form noch die Folgen des Trainingssturzes Anlass zur Sorge geben. Vielmehr betrachtet er den Auftakt als einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Tour de France.
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