„Man will am liebsten im Boden versinken und sich verstecken“ – Tom Pidcock erlebt einen Tag zum Vergessen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 10 Juli 2026 um 14:00
Tom Pidcock
Als die Tour de France auf der sechsten Etappe in den Pyrenäen ihren ersten großen Höhepunkt erreichte, sorgte Tadej Pogacar am Col du Tourmalet mit einer frühen Attacke für die Vorentscheidung des Tages. Während der Slowene ins Gelbe Trikot fuhr, bekam Tom Pidcock die entscheidende Aktion gar nicht mehr mit – der Brite war zu diesem Zeitpunkt bereits abgehängt.
Für den Kapitän von Q36.5 Pro Cycling war die Königsetappe eine herbe Enttäuschung. Pidcock räumte nach dem Rennen offen ein, dass ihm auf den langen Anstiegen derzeit die nötige Form fehlt, um im Gesamtklassement eine Rolle zu spielen. Für den weiteren Verlauf der Tour bleibt er dennoch optimistisch.

Pidcock verabschiedet sich aus dem Kampf um die Gesamtwertung

Als 15. der Etappe erreichte Pidcock das Ziel in Gavarnie-Gedre mit 8:18 Minuten Rückstand auf Pogacar. Gleichzeitig büßte er auf den Großteil der Top Ten fast fünf Minuten ein – seine Hoffnungen auf eine Spitzenplatzierung im Gesamtklassement dürften damit beendet sein.
Tom Pidcock bei der Tour de France.
Tom Pidcock musste am Col du Tourmalet früh abreißen lassen und sieht seine Chancen im Gesamtklassement der Tour de France nach der sechsten Etappe schwinden.
Nach der Etappe bedankte sich der Brite ausdrücklich bei seinem Teamkollegen Chris Harper, der ihn in den Bergen unterstützte, das Tempo dosierte und ihn versorgte. Gleichzeitig schilderte Pidcock schonungslos, wie schwierig die Situation am Tourmalet für ihn gewesen sei – auch mit Blick darauf, dass danach noch fast 40 Kilometer bis ins Ziel warteten.
„Sehr hart. Ich bin sehr dankbar, dass Chris [Harper] da war und auf mich aufgepasst hat“, sagte Pidcock. „Gleichzeitig willst du dich in solchen Momenten einfach eingraben und verstecken.“

Pidcock blickt trotz Rückschlag nach vorne

Trotz der Enttäuschung glaubt Pidcock, im weiteren Verlauf der Rundfahrt noch Akzente setzen zu können – auch wenn diese nicht mehr im Kampf um das Gesamtklassement liegen werden.
„Aber nein, sehr hart, ich habe es auf den langen Anstiegen einfach nicht. Ich bin so hart gefahren, wie ich konnte, und wir schauen, was im Rest des Rennens noch drin ist.“
Als Pogacar seine entscheidende Attacke setzte, befand sich Pidcock bereits nicht mehr in der Favoritengruppe. Entsprechend musste er auf Nachfrage zugeben, dass er den Angriff des Weltmeisters gar nicht gesehen hatte.
„Ich weiß es nicht, ich habe seine Attacke nicht gesehen, ich war abgehängt.“
Überrascht habe ihn Pogacars Offensive allerdings keineswegs. Pidcock war überzeugt, dass UAE Team Emirates - XRG alles daransetzen würde, das Gelbe Trikot zurückzuerobern und ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz zu senden.
„Ich wusste, dass das heute passieren würde“, sagte Pidcock. „Sie wollten das Trikot an dem Tag behalten, an dem sie es verloren haben, das hat nicht geklappt. Jetzt hat er im Grunde vier Ruhetage, also ja, heute lagen alle Karten auf dem Tisch. Ich habe heute Morgen gesagt: Heute kann Tadej Pogacar die Tour de France gewinnen.“

Lange Anstiege bleiben Pidcocks größte Baustelle

Die Gründe für seine Probleme kennt Pidcock genau. Nach eigener Einschätzung fehlen ihm vor allem auf den langen Anstiegen die nötigen Rennkilometer und die Form. Als Ursache nannte er den schweren Sturz bei der Katalonien-Rundfahrt, bei dem er sich am Knie verletzte, sowie eine Erkrankung Mitte Juni, die ihn zur Aufgabe der Tour de Suisse zwang.
Auch wenn Rang 15 auf der Königsetappe kein schlechtes Resultat ist, deutete der Brite an, dass sich seine Ziele für den weiteren Rennverlauf nun verändern könnten. Ohne den Druck des Gesamtklassements eröffnen sich neue Möglichkeiten für offensive Rennstrategien.
„Ich hoffe, dass ich immer besser werde. Das größte Problem für mich sind die langen Anstiege. Der Sturz in Katalonien und das Verpassen der Bergetappen, dann eine Woche krank und die Schweiz verpasst – das hilft nicht.“
„Unsere Leistung war nicht so schlecht. Das Niveau ist einfach extrem hoch. Wir werden sehen, wie der Rest des Rennens läuft, wir müssen die Stimmung hochhalten. Es ist nicht das Ende der Welt.“
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