Nach der sechsten Etappe der
Tour de France rückten bei Red Bull - BORA - hansgrohe nicht nur die sportlichen Ergebnisse in den Fokus. Vor allem die deutliche Kritik von
Remco Evenepoel an Teamkollege
Florian Lipowitz sorgte für Gesprächsstoff und nährte Spekulationen über mögliche Spannungen innerhalb der Mannschaft.
Evenepoel und Lipowitz waren als Co-Kapitäne in die Frankreich-Rundfahrt gestartet. Bereits in den vergangenen Tagen hatten zurückhaltende Aussagen beider Fahrer angedeutet, dass die Zusammenarbeit in bestimmten Rennsituationen nicht immer reibungslos verläuft.
Evenepoel kritisiert fehlende Unterstützung im Finale
Nach der Etappe machte Evenepoel seinem Ärger öffentlich Luft. Der Belgier erklärte, er habe Lipowitz darum gebeten, ihn im Sprint um Platz drei hinter Tadej Pogačar und Jonas Vingegaard anzufahren. Da diese Unterstützung ausblieb, erinnerte er an seine eigene Helferrolle für den Deutschen bei der Katalonien-Rundfahrt im Frühjahr.
Remco Evenepoel äußerte nach der sechsten Tour-Etappe deutliche Kritik an Teamkollege Florian Lipowitz, die Teamchef Ralph Denk später herunterspielte.
„Ich habe um einen Anfahrer gebeten und ihn nicht bekommen“, sagte Evenepoel nach der Etappe.
„Ich denke, mein Ärger war berechtigt. Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich dreißig Kilometer von vorne gefahren, jetzt bitte ich ihn, einen Kilometer von vorne zu fahren, und das passiert nicht. Das hat mich schon wütend gemacht. Das müssen wir heute Abend in Ruhe besprechen.“
Ralph Denk gibt Entwarnung
Teamchef
Ralph Denk bezog anschließend Stellung zu den Aussagen seines Fahrers. Nach seinen Angaben hätten Evenepoel und Lipowitz das Gespräch gesucht und die Angelegenheit unmittelbar ausgeräumt. Für Denk waren die Aussagen vor allem eine Folge der Emotionen nach einer kräftezehrenden Bergetappe.
„Es gab ein bisschen Uneinigkeit und eine Sprachbarriere, aber es ist auch im Eifer des Gefechts passiert“, sagte Denk im
Inside Red Bull - BORA - hansgrohe Podcast.„Das war nach mehr als 180 Kilometern einer Bergetappe. Es war keine große Sache. Ich habe sie danach gesehen, sie hatten darüber gesprochen. Beim Abendessen saßen sie zusammen und haben gelacht. Das Thema wird viel größer gemacht, als es war.“
Denk hält an der eingeschlagenen Strategie fest
Auch nach der Machtdemonstration von Tadej Pogačar, der sich mit seinem Sieg das Gelbe Trikot zurückholte und einen deutlichen Vorsprung im Gesamtklassement herausfuhr, sieht Denk keinen Anlass, die sportliche Ausrichtung seines Teams zu verändern.
„Wir gehen es genauso an wie vor der heutigen Etappe. Es ändert sich nichts. Im Moment gibt es keinerlei Grund, vom Plan abzuweichen.“
Denk verwies darauf, dass das Resultat der Etappe die Kräfteverhältnisse im Feld realistisch widerspiegele.
„Das Ergebnis war sehr ehrlich. Pogačar war der Beste, Vingegaard der Zweitbeste und dann kam die Gruppe mit Remco und Florian. Für uns ist das ein gutes Resultat. Wir sind froh, zwei Fahrer dort vorne zu haben. Zwischen Platz zwei und neun liegen nur rund zwei Minuten.“
Denk sieht Podium weiter in Reichweite
Der Teamchef traut sowohl Evenepoel als auch Lipowitz weiterhin zu, im Kampf um die Podestplätze eine entscheidende Rolle zu spielen. Aus seiner Sicht ist der Rückstand auf Jonas Vingegaard keineswegs uneinholbar.
„Ganz allgemein und nach dem, was wir heute gesehen haben, sehe ich Jonas Vingegaard aktuell nicht deutlich stärker als Florian Lipowitz oder Paul Seixas. Wenn an der Spitze nichts Außergewöhnliches passiert, werden Platz zwei und drei zwischen sieben Fahrern entschieden. Es ist noch nichts entschieden.“