„Man sieht, wie er nach Luft ringt und stark schwitzt“ – Philippe Gilbert äußert ernsthafte Bedenken um Jonas Vingegaard beim Giro d’Italia 2026

Radsport
Mittwoch, 20 Mai 2026 um 13:30
Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaards Griff auf die Giro d’Italia 2026-Erzählung ist plötzlich komplizierter geworden. Der Leader von Team Visma | Lease a Bike steht nach der 10. Etappe weiterhin stark im Gesamtklassement, doch sein Auftritt im Zeitfahren von Viareggio nach Massa lässt Philippe Gilbert rätseln, ob mehr dahintersteckt.
Vingegaard war allgemein favorisiert, Afonso Eulalio im einzigen Einzelzeitfahren das Maglia Rosa abzunehmen. Stattdessen wurde der Däne Etappen-13., drei Minuten hinter Filippo Ganna, und blieb 27 Sekunden vom Rosa Trikot entfernt.
Für die Gesamtwertung war das kein Desaster. Vingegaard nahm Eulalio dennoch 1:57 Minuten ab und vergrößerte seinen Vorsprung auf mehrere Rivalen. Doch Ex-Weltmeister und vierfacher Ardennen-Monumentsieger Gilbert argumentierte bei Eurosport France, dass die Art des Auftritts beunruhigender sei als die reinen Zeitabstände.
„Vingegaard? Das ist eine Enttäuschung, auch wenn es weder im Gesamtklassement noch hinsichtlich eines möglichen Gesamtsiegs Grund zur Panik gibt“, sagte Gilbert.

Gilbert warnt: Schwäche am Berg wäre weitaus kostspieliger

Gilbert ging es nicht darum, dass Vingegaard das Giro-Zeitfahren verloren hat. Er warnte, dass ein ähnlicher Aussetzer in den Bergen deutlich gravierendere Folgen hätte. „So einen Tag kann er sich in den Bergen nicht leisten“, mahnte er. „Wenn er auf einem 10- oder 15-Kilometer-Anstieg eine solche Schwäche hat, wird das in Minuten gemessen.“
Darin liegt der Kern. Die 10. Etappe war ein flaches, kraftbetontes Zeitfahren, das Vingegaard selbst nicht als seine Spezialität bezeichnete. Doch im Giro stehen noch entscheidende Bergetappen an, auf denen ein echter körperlicher Einbruch schwerer zu kaschieren und für seine Gesamtambitionen deutlich gefährlicher wäre.
Vingegaard bleibt Favorit, doch die Gewissheit um ihn ist kleiner geworden. Er hat bei diesem Giro bereits beide Bergankünfte gewonnen, dennoch fragen sich mehrere Analysten, ob er wirklich so dominant wirkt wie erwartet.
Jonas Vingegaard im Einsatz beim Einzelzeitfahren der 10. Etappe des Giro d’Italia 2026
Jonas Vingegaard im Einsatz beim Einzelzeitfahren der 10. Etappe des Giro d’Italia 2026

„So wie er heute gefahren ist, ist das nicht normal“

Frankreichs Ikone und mehrfacher Tour-de-France-Etappensieger Jacky Durand wies ebenfalls die These zurück, Vingegaard habe nur dosiert. „War das Management? Das glaube ich nicht“, sagte Durand. „Im letzten Kilometer habe ich Vingegaard beobachtet. Wenn das Dosierung ist, zieht er eine ziemlich große Grimasse.“
Gilbert ging weiter und deutete an, die optischen Signale passten nicht zu einem Fahrer, der lediglich innerhalb seiner Limits fährt. „Es ist sein schlechtestes Zeitfahren, seit er zu dem Vingegaard wurde, der die Tour gewonnen hat“, sagte Gilbert. „Wir hoffen, dass er nicht krank wird. Es ist die Rede von einem Virus bei diesem Giro.“
Er verwies anschließend auf Vingegaards Körpersprache auf dem Rad als Warnzeichen. „Jedenfalls ist die Art, wie er heute gefahren ist, nicht normal“, ergänzte Gilbert. „Seine Kopfhaltung ist niedrig, man sieht, dass ihm die Atmung schwerfällt, das sind untrügliche Zeichen. Man sah, dass er keinen guten Tag hatte. Er hat stark geschwitzt.“
Diese Aussagen verschärfen den Ton in der Nachetappen-Debatte. Andere ordneten Vingegaards Auftritt als Produkt des Kurses ein, der lange, flache Verlauf begünstigte größere, kraftvollere Fahrer. Gilbert schloss das nicht völlig aus, doch seine Sorge galt vor allem dem Wie des Zeitverlusts.

Streckenthema oder Warnsignal?

Vingegaards eigene Erklärung nach der Etappe war schlicht. Er bezeichnete das Zeitfahren als „furchtbar“ und sagte, ein langes, flaches Zeitfahren sei nicht seine Spezialität. Dieses Argument hat Gewicht. Der Kurs kam Fahrern mit höherer absoluter Leistung entgegen, und Gannas Siegfahrt war eine Klasse für sich.
Doch Gilbert und Durand sehen klar eine Frage, die erst in den kommenden Tagen beantwortet wird. War das lediglich ein ungünstiger Kurs für Vingegaard, oder ein Hinweis darauf, dass er bei diesem Giro nicht in Topform ist?
Der Vergleich mit seinem bisherigen Zeitfahr-Niveau befeuert die Debatte. Selbst auf flachem Terrain hat Vingegaard in Grand Tours stärkere Auftritte gegen die Uhr gezeigt. Seine 10.-Etappe entsprach nicht den Erwartungen an einen Fahrer seiner Klasse.

Der Giro bleibt in Reichweite

Vorerst ist das Gesamtklassement günstig. Eulalio trägt weiterhin Rosa, aber nur mit 27 Sekunden Vorsprung. Thymen Arensman rückte nach Rang zwei im Zeitfahren auf Gesamtrang drei vor, bleibt jedoch 1:30 Minuten hinter Vingegaard.
Die Straße vor ihm liegt Vingegaard deutlich mehr als das Zeitfahren nach Massa. Wenn er in den Bergen reagiert, könnte die 10. Etappe rasch als seltsamer, aber verkraftbarer Ausreißer durchgehen.
Zeigt er dieselben Anzeichen, sobald der Giro wieder klettert, gewinnt Gilberts Warnung an Gewicht. Ein schwieriges Zeitfahren hat den Favoriten nicht verändert. Es hat jedoch die Fragen um ihn verändert.
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