„Man merkt, er ist nervös“ – Stehen Jonas Vingegaards Fahrtechnik-Probleme seinen Tour-de-France-Zielen im Weg?

Radsport
Montag, 20 Juli 2026 um 13:32
Jonas Vingegaard
Jonas Vingegaard ist ein herausragender Kletterer und Grand-Tour-Spezialist, aber nicht so komplett wie Tadej Pogacar. Vor allem auf Abfahrten und in technischen Passagen wirkt der Däne angespannt und fehleranfällig – ein Faktor, der zu seinem Einbruch bei der Tour de France beigetragen haben könnte.

Vingegaard tut sich auf Abfahrten und in hektischen Phasen schwer

In der 15. Etappe mit mehreren technischen Abfahrten traten Vingegaards Probleme im Downhill-Fahrverhalten deutlich zutage, eine Schwäche, die in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen hat.
„Man sah dort sehr deutlich, dass Vingegaard den Anschluss an seine Teamkollegen vor ihm verlor, dass er etwas zurückfiel“, sagte Thijs Zonneveld im Podcast In de Waaier. „Das sahen wir auch gestern: Wir standen an der Abfahrt, alle fuhren kompakt – außer Vingegaard. Als Fahrer erkennt man das Muster: Man merkt, er ist nervös.“
Das ist nachvollziehbar bei einem Profi, der in Abfahrten bereits schwere Stürze und Verletzungen erlitten hat. In dieser Saison sprach er die Gefahren im Peloton auf Flachetappen und in Sprintankünften offen an und agierte entsprechend vorsichtig, um Stürze zu vermeiden.
Die 10. Etappe nach Le Lioran zeigte das besonders klar. „Vingegaard eröffnete in der Gruppe mit Seixas, Ayuso, Lipowitz und Skjelmose als Erster die Abfahrt Richtung Ziel. Heraus kam er als Letzter. Andere Fahrer merkten: ‚Oh nein, du fährst zu langsam, ich will vorbei.‘“
Jonas Vingegaard bei der Tour de France 2026
Jonas Vingegaard bei der Tour de France 2026

Schwächerer Abfahrer als früher

Früher war das kein Thema, inzwischen wird der Däne abseits der Anstiege gezielt attackiert. „Über mehrere Jahre betrachtet war Vingegaard zunächst der bessere Abfahrer. Wir hatten eine Tour, in der Pogacar Vingegaard auf der Abfahrt nach Hautacam abhängen wollte. Das klappte nicht; Pogacar stürzte, Vingegaard wartete, der Handschlag… Sie kennen die Geschichte.“
„Sogar nach dem Sturz im Baskenland – wo man denkt, er wäre auf der Abfahrt nervös – attackierte Pogacar in Italien, und Vingegaard klebte ihm am Hinterrad. Da fragte man sich wirklich: ‚Wie blendest du die Angst aus?‘“
Nach so vielen heiklen Momenten und in einem immer riskanteren Peloton steht Vingegaard vor einem Hindernis auf dem Weg zu großen Siegen. Der Sturz am Sonntag könnte ebenfalls aus Schwierigkeiten beim Radhandling in einer sehr technischen Rennphase resultiert haben.
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