Vor gerade einmal drei Jahren trat die Mannschaft noch als Trek-Segafredo an, war in den USA registriert und gehörte im WorldTour-Peloton zu den respektierten, aber keineswegs dominierenden Teams. 2023 stieg die deutsche Supermarktkette Lidl als Titelsponsor ein und sorgte für einen erheblichen Budgetschub. Im Oktober 2025 folgte der nächste Schritt: Lidl übernahm die Mehrheit am Team, zur Saison 2026 wechselte die Lizenz von den USA nach Deutschland. Zur Saisonvorbereitung versammelte sich die Mannschaft in der Lidl-Konzernzentrale in Bad Wimpfen – mit einer eindeutigen Botschaft: Hier entsteht ein völlig neues Projekt.
Seit dem Einstieg von Lidl hat sich die sportliche Entwicklung deutlich beschleunigt. Jonathan Milan zählt mittlerweile zu den schnellsten Sprintern des Pelotons, Mads Pedersen ist bei den Klassikern beinahe permanent in den entscheidenden Finals und auf den Podien vertreten.
Mattias Skjelmose gewann bereits 2023 die Tour de Suisse und feierte 2025 beim Amstel Gold Race den größten Erfolg seiner Karriere, als er Pogacar und Evenepoel im Sprint bezwang.
Neue Führung, mehr Geld und immer größere Ambitionen
Auch Giulio Ciccone hat seinen Anteil an der Entwicklung. Der Italiener gewann 2023 das Bergtrikot der Tour de France und holte 2019 sowie 2026 die Bergwertung des Giro d'Italia. Fahrer wie Toms Skujins und Quinn Simmons liefern ebenfalls konstant Ergebnisse. Seit Lidls Einstieg ist die Mannschaft Jahr für Jahr sowohl in der Breite als auch in der Qualität gewachsen.
Mads Pedersen gehört zu den wichtigsten Säulen des ambitionierten LIDL-Trek-Projekts und ist bei den Klassikern regelmäßig im Kampf um Siege und Podiumsplätze vertreten.
Parallel dazu wurde die Führungsstruktur grundlegend verändert. Luca Guercilena, der das Team viele Jahre lang führte, ist nicht mehr da. Andy Schleck übernahm als CEO, während Grischa Niermann nach seiner Zeit bei Visma - Lease a Bike in einer Schlüsselrolle zum Projekt stieß. Neue Führung, zusätzliche finanzielle Möglichkeiten – und ein Transfermarkt, auf dem
LIDL-Trek äußerst offensiv agiert.
Ein wegweisender Winter – und es ist erst Anfang Oktober
Das Transferfenster für 2027 hat bei LIDL-Trek schon jetzt mehr Bewegung ausgelöst als bei manch anderer Mannschaft während einer kompletten Offseason. Dabei bleiben noch mehrere Monate. Sieben Neuzugänge sind bislang bestätigt.
Der prominenteste darunter ist
Felix Gall. Der 28-jährige österreichische Kletterer blickt auf die bislang beste Saison seiner Karriere zurück: Beim Giro d'Italia wurde er hinter Jonas Vingegaard Zweiter, bei der Vuelta a Espana belegte er Rang drei. Damit gehört Gall zu den wenigen Fahrern der modernen Ära, denen innerhalb eines Jahres Podiumsplätze bei zwei Grand Tours gelungen sind.
Sein Ziel für 2026 war ursprünglich deutlich bescheidener: Gall wollte erstmals überhaupt bei einer Grand Tour auf dem Podium stehen. Am Ende schaffte er es gleich zweimal. „Gewinnen wäre vielleicht der nächste logische Schritt“, sagte er nach der Vuelta. Gleichzeitig betonte der Österreicher, dass dieser Schritt keineswegs garantiert sei, und verwies darauf, dass Enric Mas vier Podiumsplätze benötigte, ehe er die Vuelta insgesamt gewann.
Bei LIDL-Trek trifft Gall auf eine Mannschaft, die mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose bereits über etablierte Optionen für die Gesamtwertung großer Rundfahrten verfügt. Entsprechend stellt sich die Frage, wie die verschiedenen Ambitionen miteinander vereinbart werden können. Der 24-jährige Ayuso, der zu Beginn der Saison 2026 von UAE zum Team wechselte, ist klar als langfristiges Zentrum des Tour-de-France-Projekts vorgesehen.
Skjelmose, 26 Jahre alt, hat dagegen eine sekundäre Position innerhalb der Hierarchie akzeptiert. In den Hintergrund ist er deshalb keineswegs verschwunden. Beide bestritten 2026 die Tour de France – und Skjelmose beendete die Rundfahrt in der Gesamtwertung sogar vor Ayuso. Genau darin zeigt sich die schwierige Balance, die LIDL-Trek künftig managen muss.
Alle drei bewegen sich auf leicht unterschiedlichen Leistungsniveaus und fühlen sich teilweise in unterschiedlichem Terrain besonders wohl. Das verschafft der sportlichen Leitung zugleich enorme Flexibilität. Würden Ayuso und Gall gemeinsam bei einem Giro oder einer Vuelta ohne Pogacar oder Vingegaard antreten, wären beide ernsthafte Co-Favoriten. LIDL-Trek kann deshalb von Rennen zu Rennen entscheiden, welcher Fahrer die Führungsrolle erhält.
Die Causa Skjelmose
Skjelmoses Zukunft ist dabei eines der kompliziertesten Themen dieses Winters. Sein ursprünglicher Vertrag wäre Ende 2026 ausgelaufen, und bereits nach Ayusos Verpflichtung in der vergangenen Saison entstanden Spannungen. Skjelmose erklärte öffentlich, vorab nicht über den Transfer informiert worden zu sein. Zudem hätte er bei der Tour de France gerne selbst die Kapitänsrolle übernommen.
Schließlich verlängerte der Däne seinen Vertrag bis 2028, womit die Unsicherheit zunächst beendet schien. „Ich konnte mich nirgendwo anders sehen“, sagte Skjelmose damals.
Doch am Ruhetag der Vuelta Ende August kamen erneut Berichte auf, wonach Skjelmose mit seiner Situation bei LIDL-Trek unzufrieden sei und andere Optionen prüfe. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: Ayuso ist als Tour-Kapitän eingeplant, Gall kommt als weitere Option für Giro und Vuelta hinzu, und die ohnehin stark besetzte Klassementabteilung lässt Skjelmose immer weniger Raum für eindeutige Führungsrollen bei Grand Tours.
In dieser Saison wurde er Sechster bei der Tour de France und zeigte auch in den Ardennen-Rennen starke Leistungen. Das entspricht seinem hohen Leistungsniveau, sind allerdings keine Resultate, die automatisch einen uneingeschränkten Kapitänsstatus garantieren. Sein Vertrag läuft noch bis 2028, weshalb eine Trennung eine Einigung beider Seiten voraussetzen würde. Dass es dazu kommt, erscheint zunehmend wahrscheinlich.
Jordan Jegat: Eine unscheinbare Verpflichtung mit großem Potenzial
Unter den sieben bestätigten Neuzugängen für 2027 hat Jordan Jegat bislang deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten als Gall oder Jordi Meeus. Dennoch könnte der 27-jährige Franzose einer der interessantesten Transfers sein. Vor 2026 hatte Jegat noch kein Profirennen gewonnen und war bislang auf ProTeam-Niveau für TotalEnergies unterwegs.
2025 überraschte er allerdings mit Platz zehn bei der Tour de France. In diesem Jahr bestätigte er diesen Leistungssprung zunächst mit seinem ersten Profisieg beim Classic Grand Besancon Doubs im April und anschließend mit einem weiteren zehnten Gesamtrang bei der Tour de France. Damit zählt Jegat zu den wenigen Fahrern des modernen Pelotons, die als Mitglied eines Nicht-WorldTour-Teams zwei Jahre hintereinander die Top Ten der Tour erreicht haben.
Bei LIDL-Trek steigt Jegat erstmals in einen WorldTour-Kader auf und erhält einen Dreijahresvertrag. Seine Rolle dürfte vor allem darin bestehen, die Kapitäne bei der Tour und anderen großen Rundfahrten als hochwertiger Kletterhelfer zu unterstützen. Bei kleineren Rennen könnten sich zugleich eigene Führungsmöglichkeiten ergeben, sofern es die interne Hierarchie zulässt.
Das Team ist überzeugt, dass Jegats Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. „Wir glauben, dass wir bei LIDL-Trek noch mehr aus ihm herausholen können“, erklärte Andy Schleck in der offiziellen Mitteilung.
Jordi Meeus und die Sprint-Frage
Jordi Meeus ist ein weiterer prominenter Neuzugang. Der Belgier kommt von Red Bull - BORA - hansgrohe und unterschreibt einen Zweijahresvertrag. Meeus hat bereits Etappen bei der Tour de France gewonnen und gehört zu den schnelleren Sprintern im Peloton.
Die Schwierigkeit liegt allerdings auf der Hand: Mit Jonathan Milan verfügt LIDL-Trek bereits über einen noch schnelleren Sprinter. Milan gehört zu den zwei oder drei besten reinen Sprintern der Welt, hat mehrere Grand-Tour-Etappen gewonnen und steht bis 2029 unter Vertrag.
Meeus selbst hat seine Erwartungen an die neue Aufgabe klar formuliert. „Meine Ambitionen sind, mit dem Team viele Rennen zu gewinnen“, sagte er. Was zunächst unkompliziert klingt, verlangt in der Praxis eine genaue Abstimmung des Rennkalenders. Meeus muss ausreichend eigene Chancen erhalten, wenn Milan nicht am Start steht.
Treten beide bei demselben Rennen an, dürfte Meeus eher die Rolle des Anfahrers als die des Hauptsprinters übernehmen. Diese Einordnung akzeptierte er bei seiner Vertragsunterschrift, was darauf schließen lässt, dass er mit dieser Rollenverteilung einverstanden ist.
Dennoch dürfte ein aufgeteilter Rennkalender entscheidend sein, damit Meeus motiviert bleibt und seine eigenen Qualitäten ausspielen kann. Mit 28 Jahren befindet sich der Belgier weiterhin in seinen besten Jahren – und entsprechend will er selbst Rennen gewinnen, statt ausschließlich als Anfahrer Ergebnisse für andere vorzubereiten.
Mehr Tiefe durch Arrieta, Zimmermann und Muhlberger
Die drei weiteren bestätigten Zugänge besitzen weniger Strahlkraft, erhöhen in ihrer Gesamtheit aber die Tiefe des Kaders erheblich. Igor Arrieta ist ein 23-jähriger spanischer Kletterer, der drei Saisons bei UAE Team Emirates-XRG verbrachte und 2026 eine dramatische Giro-d'Italia-Etappe in Potenza gewann. Zuvor belegte er bereits Rang acht bei der Baskenland-Rundfahrt und Platz drei bei der AlUla Tour.
Arrieta ist der Sohn des ehemaligen Profis Jose Luis Arrieta und bringt ein vielseitiges Profil mit. Er kann aus Ausreißergruppen heraus Siege holen, seine Kapitäne im Hochgebirge unterstützen und bei kleineren Rundfahrten potenziell selbst um die Gesamtwertung fahren. Mit gerade einmal 23 Jahren und einem Dreijahresvertrag besitzt er zudem genügend Zeit für seine weitere Entwicklung.
Georg Zimmermann kommt als deutscher Puncheur von Lotto-Intermarche. Der Sieger von Eschborn-Frankfurt bringt sowohl für hügelige Klassiker als auch für anspruchsvolle Etappen große Vielseitigkeit mit. Seine Erfahrung und seine Fähigkeiten in Ausreißergruppen sowie explosiven Finals machen ihn zu einer weiteren wertvollen Option.
Gregor Muhlberger wechselt gemeinsam mit Felix Gall zum Team. Der Österreicher war bei Decathlon in dieser Saison bei beiden Grand-Tour-Einsätzen Galls rechte Hand und ist in erster Linie als Domestik vorgesehen. Gleichzeitig gewann Muhlberger in diesem Jahr die Österreich-Rundfahrt und bewies damit, dass er bei entsprechender Gelegenheit auch eigene Resultate einfahren kann.
Seine wichtigste Aufgabe bei LIDL-Trek dürfte dennoch dieselbe bleiben wie zuvor bei Decathlon: Gall so durch die Rennen zu begleiten, dass dieser in den entscheidenden Momenten bestmöglich positioniert und vorbereitet ist.
Wer für den neuen Kader Platz macht
Den zahlreichen Zugängen stehen mehrere Abgänge gegenüber. Bauke Mollema beendet nach 19 Profijahren seine Karriere. Elf davon verbrachte der Niederländer in verschiedenen Konstellationen bei Trek. Seine Palmares umfasst unter anderem den Sieg bei Il Lombardia 2019, zwei Etappenerfolge bei der Tour de France sowie Rang drei bei der Vuelta 2011, auf den er später nach der Disqualifikation von Juan Jose Cobo aufrückte.
Auch Max Walscheid beendet seine Karriere – nach lediglich einer Saison im Trikot von LIDL-Trek. Der Deutsche verbrachte den Großteil seiner Laufbahn als Sprinter und Zeitfahrer bei verschiedenen Mannschaften und kam in diesem Jahr von Jayco-AlUla, bereits mit dem Wissen, dass es seine letzte Saison als Profi sein würde.
Der 24-jährige Tim Torn Teutenberg wechselt zu Soudal Quick-Step, während Andrea Bagioli einen Zweijahresvertrag bei XDS Astana unterschrieben hat.
Drei weitere Fahrer besitzen aktuell keinen Vertrag über 2026 hinaus: Tao Geoghegan Hart, Sam Oomen und Soren Kragh Andersen. Geoghegan Hart soll Berichten zufolge zu EF Education-EasyPost wechseln. Für den Briten wäre es ein Neustart, nachdem seine Zeit bei LIDL-Trek stark von den Folgen seines schweren Giro-Sturzes 2023 geprägt war.
Auch Oomen steht vor einem Abschied, sein zukünftiges Team ist allerdings noch nicht bekannt. Kragh Andersens Status wird im jüngsten Transfer-Tracker weiterhin als offen geführt. Alle drei möglichen Abgänge kommen nicht überraschend und würden den sportlichen Kern der Mannschaft nicht entscheidend schwächen.
Der Ganna-Hammer: Kommt der nächste Superstar?
Am 3. Oktober berichtete La-Gazzetta-dello-Sport-Journalist Ciro Scognamiglio, dass
Filippo Ganna mit LIDL-Trek Gespräche führt. Der Italiener könnte Netcompany INEOS ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages verlassen und bereits 2027 zum deutschen Team wechseln. Ein solcher Transfer wäre aus mehreren Gründen bemerkenswert.
Filippo Ganna könnte 2027 zum nächsten prominenten Neuzugang von LIDL-Trek werden. Der italienische Zeitfahr- und Klassiker-Spezialist soll mit dem deutschen Team in Gesprächen stehen.
Ganna ist 30 Jahre alt und fährt seit acht Saisons für INEOS. In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem Fahrer mit zwei herausragenden Spezialgebieten: Gegen die Uhr gilt er hinter Remco Evenepoel als zweitbester Zeitfahrer der Welt, gleichzeitig ist er zu einem echten Klassiker-Spezialisten gereift, der sowohl auf Kopfsteinpflaster als auch in schweren Eintagesrennen gewinnen kann.
Ganna ist zweifacher Weltmeister im Zeitfahren und wurde vergangene Woche bei der Radsport-WM in Montreal erneut Zweiter hinter Evenepoel. In dieser Saison gewann er zudem Dwars door Vlaanderen auf spektakuläre Weise, als er Wout Van Aert trotz zweier Radwechsel im selben Rennen auf den letzten 100 Metern noch einholte und überholte.
Darüber hinaus stehen bereits zehn Grand-Tour-Etappensiege in seiner Palmares. Besonders beim Giro d'Italia machte Ganna die Zeitfahren zu seiner Spezialität und holte in allen vier Ausgaben, an denen er bislang teilgenommen hat, Etappensiege.
Bei LIDL-Trek könnte Ganna neben Jonathan Milan zu einem zweiten italienischen Kapitän werden. Allein für die Zeitfahrabteilung wäre seine Verpflichtung ein gewaltiger Schritt. Mit Milan verfügt die Mannschaft bereits über einen Fahrer, der auch gegen die Uhr außergewöhnlich schnell ist. Ganna würde zusätzlich eine Schlüsselwaffe für Split-Etappen sowie Auftakt- und Abschlusszeitfahren großer Rundfahrten darstellen.
Seine Qualitäten in den Klassikern würden LIDL-Trek im Frühjahr zudem eine weitere Siegoption neben Mads Pedersen verschaffen.
Doch aktuell gibt es ein entscheidendes Hindernis: Der Kader ist voll. Mit 30 bestätigten Fahrern für 2027 hat LIDL-Trek das UCI-Maximum erreicht. Eine Verpflichtung Gannas würde deshalb voraussetzen, dass ein Fahrer mit laufendem Vertrag das Team verlässt.
Ein Abschied Ciccones würde einen solchen Platz schaffen, ein möglicher Abgang Skjelmoses ebenfalls. Damit Gannas Transfer überhaupt möglich wird, müsste jedoch zunächst mindestens eine dieser Personalien tatsächlich Realität werden.
Ciccone vor dem Abschied? Acht Jahre könnten überraschend enden
Damit rückt Giulio Ciccone in den Mittelpunkt einer weiteren spektakulären Personalie. Der 31-jährige Italiener unterschrieb erst im vergangenen Winter einen verbesserten Vertrag bei LIDL-Trek bis 2029. Nun könnte es dennoch zur Trennung kommen.
Berichten zufolge steht Pinarello-Q36.5 kurz davor, mit Ciccone einen Dreijahresvertrag bis 2029 zu vereinbaren. Einen erst kürzlich verlängerten Vertrag wieder aufzulösen, wäre ein außergewöhnlicher Schritt. Angesichts der aktuellen Kadersituation von LIDL-Trek erscheint ein solcher Wechsel allerdings aus Sicht beider Seiten nachvollziehbar.
Ciccone wechselte 2019 zum damaligen Trek-Segafredo und entwickelte sich zu einem der wichtigsten und beliebtesten Fahrer der Mannschaft. Seine Palmares ist beeindruckend: Drei Etappensiege beim Giro d'Italia stehen zu Buche – 2016 noch für Bardiani sowie 2019 und 2022 für Trek. Hinzu kommen die Bergwertung des Giro 2019 und 2026, das Gepunktete Trikot der Tour de France 2023, der Sieg bei der Clasica de San Sebastian 2025 sowie zahlreiche starke Resultate in Eintagesrennen für Puncheure und auf Bergetappen.
Bei Pinarello-Q36.5 würde Ciccone an der Seite von Tom Pidcock fahren. Für die Ardennen-Klassiker und die Bergetappen der Grand Tours wäre das eine hochinteressante Kombination.
Für LIDL-Trek wiederum würde Ciccones Abschied einen dringend benötigten Kaderplatz schaffen und damit einen möglichen Ganna-Transfer rechnerisch ermöglichen. Gleichzeitig sorgen Fahrer wie Arrieta, Zimmermann und Jegat dafür, dass die Mannschaft in der Breite inzwischen weniger stark von Ciccone abhängig ist als noch in früheren Jahren.
Was der große Umbau für LIDL-Trek bedeutet
Die Saison 2026 ist noch nicht einmal beendet. Il Lombardia, das letzte Monument des Jahres, steht erst in zwei Wochen auf dem Programm. Trotzdem unterscheidet sich der LIDL-Trek-Kader für 2027 bereits erheblich von der aktuellen Mannschaft: acht bestätigte Neuzugänge, fünf bestätigte Abgänge und mehrere weitere Personalien, die noch geklärt werden müssen.
Sollten sich die kolportierten Transfers – allen voran die mögliche Verpflichtung von Ganna – tatsächlich verwirklichen, könnte LIDL-Trek mit einer der am stärksten zusammengestellten Mannschaften in der Geschichte der WorldTour in die Saison 2027 gehen.
Mit Jonathan Milan hätte das Team einen der schnellsten Sprinter der Gegenwart. Mads Pedersen gehört zu den vielseitigsten Klassiker- und Halbklassiker-Fahrern des Pelotons. Ein Filippo Ganna würde zusätzlich enorme Qualität für Zeitfahren und Klassiker mitbringen.
Auch im Hochgebirge wäre die Auswahl enorm. Ayuso, Gall, Skjelmose – sofern er bleibt –, Jegat, Arrieta und Gee-West würden LIDL-Trek für nahezu jedes Rennen mehr Optionen für die Gesamtwertung geben als den meisten Konkurrenten.
Eine Einschränkung bleibt allerdings bestehen: Keiner der Klassementfahrer befindet sich aktuell auf dem Niveau von Pogacar oder Vingegaard. Ayuso und Gall wären starke Kandidaten auf den Gesamtsieg bei jeder Grand Tour, bei der der Slowene und der Däne fehlen. Treten beide jedoch in Bestform an, bleibt der Abstand zur absoluten Spitze bestehen.
Unabhängig von allen Transfers besitzt LIDL-Trek außerdem schon jetzt zahlreiche Fahrer, deren Qualität angesichts der spektakulären Neuzugänge nicht übersehen werden sollte. Thibau Nys, Quinn Simmons, Toms Skujins, Jakob Soderqvist und Mathias Vacek gehören dazu. Hinzu kommt Youngster Hector Alvarez, der aus dem Development-Team aufrückt.
Addiert man diese bereits vorhandene Qualität zu den bestätigten Neuzugängen und den weiteren Transfers, an denen im Hintergrund gearbeitet wird, erscheint eine Schlussfolgerung keineswegs übertrieben: LIDL-Trek könnte 2027 mit dem breitesten und vollständigsten Kader der gesamten WorldTour antreten.
Damit werden allerdings auch die Erwartungen enorm steigen. Angesichts dessen, was bei LIDL-Trek gerade entsteht, wäre genau das nur folgerichtig.