Remco Evenepoel verspürt wenig Interesse daran, sein enttäuschendes Straßenrennen bei der Radsport-WM noch einmal ausführlich aufzuarbeiten. Stattdessen richtet der Belgier seinen Blick bereits auf die nächste große Chance in Ljubljana. Mit einem klaren Ziel ist er nach Slowenien gereist: Evenepoel will das Straßenrennen der
Europameisterschaft gewinnen und damit seine Sammlung an Meistertrikots vervollständigen.
Am vergangenen Wochenende erwischte Evenepoel in Montreal einen für seine Verhältnisse ungewöhnlich schweren Tag. Nach drei Trainingstagen in Belgien liegt sein Fokus inzwischen jedoch vollständig auf dem Rennen am Sonntag. Da
Tadej Pogacar erneut nicht am Start steht, gehört Evenepoel einmal mehr zu den Topfavoriten auf den Titel.
„Der Drang, es zu schaffen, ist definitiv da“
„Das ist auf jeden Fall eine große Motivation für mich“,
sagte Evenepoel mit Blick auf das noch fehlende Meistertrikot. „Der Drang, es zu schaffen, ist definitiv da. Das war eigentlich schon letztes Jahr so, aber damals hat es nicht geklappt.“
Remco Evenepoel will sein enttäuschendes Straßenrennen bei der Radsport-WM abhaken und in Ljubljana das noch fehlende Meistertrikot seiner Sammlung gewinnen.
Die Tage nach der Radsport-WM verbrachte Evenepoel in Belgien, wo er mehrere Trainingseinheiten absolvierte. Anschließend reiste er einen Tag später als ursprünglich geplant nach Slowenien. Die Umstellung fiel ihm am Dienstag zunächst noch schwer, doch bereits am folgenden Tag fühlte er sich wieder in seinem gewohnten Rhythmus.
„Hoffentlich reicht das für Sonntag. Bei der Radsport-WM hatte ich offensichtlich keinen guten Tag, daher konnte ich daraus nicht viel mitnehmen“, erklärte er.
Gleichzeitig räumte Evenepoel erneut mit den Spekulationen über eine mögliche Erkrankung innerhalb des belgischen Teams auf. Nach dem Rennen in Montreal waren Gerüchte über ein Virus in der Mannschaft aufgekommen, doch sowohl das Team als auch der Verband hatten diese Behauptungen wiederholt zurückgewiesen.
Auch Evenepoel reagierte auf entsprechende Nachfragen unmissverständlich. „Nein, nein ... Fangt gar nicht erst an, okay?“, sagte er mit einem Lächeln. Später beseitigte er während der Pressekonferenz auch die letzten Zweifel: „Ich bin nicht krank.“
Eine klare Erklärung dafür, weshalb seine Leistung in Montreal so deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, hat der Belgier allerdings ebenfalls nicht. „Bis zu diesem Straßenrennen lief eigentlich alles gut, am Ende war es einfach gefühlt ein schlechter Tag.“
Taktischer Kampf erwartet – Ciccone als eine der größten Gefahren
Der Kurs der Europameisterschaft könnte für einen völlig anderen Rennverlauf sorgen als die lange und äußerst selektive Strecke der Radsport-WM in Montreal. Evenepoel rechnet damit, dass bereits die frühe Phase des Rennens eine wichtige Rolle spielen könnte.
„Ich hoffe, wir können schnell eine Selektion herbeiführen, damit die Gruppe kleiner wird. Der Kurs lädt auch zu frühem Racing ein“, erklärte der Belgier.
Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Evenepoel selbst schon aus großer Entfernung zum Angriff übergehen will. Der wichtigste Anstieg endet mehr als zehn Kilometer vor dem Ziel und eröffnet damit zahlreiche taktische Möglichkeiten für das Finale.
„Es ist eine ziemlich taktische Runde. Es muss nicht zwingend am Anstieg passieren. Das kann eine heikle Situation erzeugen, daher wird eine gute taktische Vorbereitung wichtig sein.“
Mehrere Fahrer könnten die belgischen Pläne dabei erheblich erschweren. Besonders Giulio Ciccone hat Evenepoel nach dessen starken Leistungen der vergangenen Wochen auf der Rechnung.
„Er ist richtig gut in Form und wird sicher um den Sieg fahren“, sagte Evenepoel über den Italiener.
Auch Mads Pedersen und die Equipe de France zählt der Belgier zu den Mannschaften und Fahrern, die das Rennen entscheidend prägen könnten. Eine weitere große Gefahr sieht Evenepoel in Primoz Roglic, der vor heimischem Publikum besonders motiviert sein dürfte.
„Er war in Montreal gut und wird für das Heimpublikum wohl besonders motiviert sein.“