Kritik nach Vingegaards Giro-Sieg: „Es wirkt einfach nicht gut“

Radsport
durch Nic Gayer
Samstag, 16 Mai 2026 um 13:30
plugge vingegaard
Jonas Vingegaard hat auf der 7. Etappe des Giro d’Italia seinen ersten Sieg bei der Corsa Rosa gefeiert. Der Däne gewann am Blockhaus nach einem starken Auftritt, auch wenn sein Erfolg nicht so dominant ausfiel, wie es viele erwartet hatten. Felix Gall kam dem Kapitän von Visma - Lease a Bike im Finale noch erstaunlich nahe.
Nach dem Rennen sorgten jedoch nicht nur Vingegaards Leistung und seine Tempostrategie für Diskussionen. Auch ein Telefonat direkt nach der Zieldurchfahrt wurde zum Thema. Kaum hatte Vingegaard als Erster die Linie am Blockhaus überquert, griff er zum Handy – mutmaßlich, um seine Frau Trine anzurufen.

Zonneveld über Vingegaards Telefonat: „Mach das einfach nicht“

Für den niederländischen Experten Thijs Zonneveld war das Timing unglücklich. Im Podcast In de Waaier kritisierte er die Szene deutlich und verwies darauf, dass ein ähnliches Verhalten bei Vingegaard schon früher aufgefallen sei.
Jonas Vingegaard feierte am Blockhaus seinen ersten Giro-Etappensieg, doch nach dem Ziel sorgte sein Verhalten für Diskussionen
Jonas Vingegaard feierte am Blockhaus seinen ersten Giro-Etappensieg, doch nach dem Ziel sorgte sein Verhalten für Diskussionen
„Warum? Mach das einfach nicht fünfzehn Sekunden nach der Ankunft. Das ist so eine Art Tick. Es wirkt einfach nicht gut“, argumentierte Zonneveld. „Es ist irgendwie lahm, aber wir haben dieses Interview mit Trine vor der letztjährigen Tour de France gelesen“, sagte er und spielte damit auf Aussagen an, wonach Visma - Lease a Bike dem Dänen oft zu viel abverlange und man ihm bei seinen großen Zielen volle Führung und vollen Fokus geben solle.
„Da gibt es Teamkollegen, die einen High-Five geben wollen, aber er ist am Telefon. Jedem das Seine, aber ich werde damit einfach nicht warm“, so Zonneveld weiter.
Sportlich lieferte Vingegaard auf der ersten Bergankunft der Rundfahrt dennoch ab. „Es war nüchtern abgewickelt. Auftrag für ihn erfüllt. Ich denke, sie hätten sich gern etwas mehr Vorsprung auf Gall gewünscht, aber mit den restlichen Abständen sind sie sehr zufrieden.“
Der Abstand auf Gall betrug im Ziel nur 13 Sekunden. Auf die übrigen Konkurrenten machte Vingegaard dagegen fast eine Minute gut – darunter Giulio Pellizzari, der dem Dänen zunächst folgen konnte, weiter oben am Berg jedoch einbrach.

Gall kommt nah heran – doch Visma bleibt gelassen

Zonneveld glaubt dennoch nicht, dass sich Visma - Lease a Bike wegen des starken Auftritts von Gall größere Sorgen machen muss. Der Österreicher vom Decathlon CMA CGM Team war zwar der einzige Fahrer, der Vingegaard am Blockhaus ernsthaft nahekam, gilt aber im weiteren Verlauf als angreifbar.
„Nur Gall war wirklich stark. Er hat sich großartig eingeteilt und gegen Ende sogar zu Vingegaard aufgeschlossen. Gall wird im Zeitfahren drei Minuten verlieren, und er ist auch in anderen Bereichen angreifbar. Darüber sind sie nicht allzu besorgt.“
Auch Ex-Profi Tom Danielson ordnete Vingegaards Leistung differenziert ein. Auf X schrieb er: „Ich würde mich nicht zu sehr darüber wundern, dass Gall so nah an Jonas dran war. Visma ist die erste Bergetappe extrem aggressiv gefahren mit einem untertrainierten Jonas.“
Danielson vermutet, dass Vingegaards Form in den entscheidenden Intensitätsbereichen noch nicht vollständig geschärft ist. „Ich glaube nicht, dass seine Schwellen- und VO2-Bereiche super scharf definiert sind, und wahrscheinlich hat das brutale Visma-Klettertempo mehr Glykogen aus seinen Beinen gezogen als erwartet.“
Der Amerikaner sieht vor allem die Tempowechsel des Dänen als möglichen Faktor. Besonders die Attacken gegen Giulio Pellizzari könnten Vingegaard früh näher an seine Grenze gebracht haben, was sich später bemerkbar machte. Hinzu kam der starke Wind, der am Blockhaus eine zusätzliche Variable für die Klassementfahrer darstellte.
„Sie haben Jonas’ Leistung gezeigt, und er sprang im Finale zwischen 330 W und 400 W. Gall hingegen fuhr den Anstieg perfekt nach seinen Bereichen, mit hoher Kadenz, und kam am Ende nah heran“, analysierte Danielson.
Trotzdem erwartet der frühere Profi, dass Vingegaard im weiteren Verlauf des Giro d’Italia noch zulegen wird. „Ich denke, Jonas wird sich in diese Schärfe hineinrennen und die Abstände zu den anderen im weiteren Verlauf vergrößern.“
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