
Die dritte Woche des Giro d'Italia 2025 ist in vollem Gange, und inmitten der hochdramatischen Kämpfe um die Gesamtwertung und der Schlagzeilen machenden Etappensiege hat sich ein Team still und leise (und etwas unerwartet) als einer der Stars der Show herauskristallisiert: INEOS Grenadiers.
Ja, Sie haben richtig gelesen.
Das Team, das einst für seine methodische, metronomische Kontrolle der Grand Tours bekannt war, die Ära der "marginalen Gewinne" von Froome, Thomas und Wiggins, ist zurück im Rampenlicht, aber in einer ganz anderen Form. Im Jahr 2025 hat INEOS sich selbst neu erfunden und das Tabellenrennen gegen das Chaos eingetauscht. Von Josh Tarlings Sieg auf der 2. Etappe bis hin zu Egan Bernals unerbittlichen Angriffen in den Bergen - dieses Team fährt mit Freiheit, Spaß und einer neu entdeckten Unberechenbarkeit.
Cycling News konnte einen Blick hinter die Kulissen werfen und mit zwei Fahrern darüber sprechen, wie INEOS beim Giro tickt. Für Joshua Tarling und Ben Turner, die beide ihr Giro-Debüt geben, war es eine transformative Erfahrung, die von Freundschaft getragen wird.
Leider hat Cycling News vor dem Start der 16. Etappe, die gerade stattfindet, mit Tarling gesprochen. Wenn Sie unseren Live-Blog verfolgen, werden Sie wissen, dass Tarling einen schweren Sturz erlitten hat und das Rennen aufgeben musste.
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Dennoch hat er diesem Rennen seinen Stempel aufgedrückt. Wir wollen mehr darüber erfahren, was er und Turner bei dieser Grand Tour mit INEOS erlebt haben.
"Wir fahren immer die gleiche Art von Rennen, und in den letzten Jahren haben wir immer die schweren Rennen zusammen bestritten, wie Paris-Nizza, und letztes Jahr haben wir einen Großteil der Tour-Vorbereitung zusammen gemacht", erklärt Tarling. "Und wir machen bei diesen Rennen immer einen ähnlichen Job, also hat es irgendwie Klick gemacht."
"Wir stehen uns wohl sehr nahe, oder?" fügt Turner hinzu. "Und wie Josh sagt, verbringen wir so viel Zeit bei den Rennen zusammen - um ehrlich zu sein, kann ich mich dieses Jahr nicht an den letzten Tag erinnern, an dem ich dich nicht gesehen habe. Sogar zu Hause waren wir den ganzen Tag zusammen. Es ist also super schön, es ist viel besser so, als wenn wir uns nur anschweigen oder nicht miteinander reden."
Ihre Chemie abseits des Rads hat sich direkt auf die Effektivität auf dem Rad übertragen. Einen vertrauten Teamkollegen um sich zu haben, macht lange Tage im Sattel, besonders bei einer Grand Tour, unendlich viel erträglicher.
"Es ist viel einfacher, weil man nicht alleine ist", sagt Tarling. "Letztes Jahr bei der Vuelta kannte ich natürlich jeden, aber das ist jetzt anders. Vor allem in dieser Woche, wenn man müde wird, ist es einfach schön, seine Freunde um sich zu haben."
"In der Vorbereitung hilft das auch, denn wenn man alleine fährt, hat man nicht wirklich eine Referenz oder Unterstützung oder so etwas, also ist es schön, es mit jemand anderem durchzugehen und dann zum Rennen zu kommen und den gleichen Job zu machen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Das heißt aber nicht, dass die Ratschläge immer befolgt werden: "Ich habe versucht, ihm Tipps zu geben, aber ich glaube nicht, dass er zugehört hat", lacht Turner.
"Du hast gesagt, ich soll schlafen", mischt sich Tarling ein.
"Ich habe ihm gesagt, er solle schlafen, ja, und viel essen und einfach jeden Tag so viel wie möglich sparen, und dann sehe ich, dass er das nicht tut, also hört er offensichtlich nicht zu. Aber offensichtlich ist er ein viel besserer Reiter als ich, also kann ich ihm nicht wirklich viel beibringen."
Doch was sie aufgebaut haben, ist Vertrauen, das in einem Sport, in dem Entscheidungen in Sekundenschnelle über Rennen und Karrieren entscheiden können, entscheidend ist.
"Wenn man so viel Zeit mit jemandem verbringt... wir haben jetzt schon einige Rennen zusammen bestritten, vor allem in diesem Jahr, weiß man, was der andere kann und was nicht, was er tun wird und was nicht", erklärt Turner. "Also hat man einfach Vertrauen in den anderen und man hat Vertrauen in die andere Person, und dann kann man wirklich sagen 'Okay, ich bin müde, kannst du das machen, und wir werden wechseln', und wir werden es versuchen und wir werden immer das Maximum tun, das wir können."
Aber sie überleben den Giro nicht nur, sie sind auch ein echter Renner.
"Als wir neulich auf der Abfahrt waren und so weiter, kam uns das sehr entgegen", sagt Tarling. "Denn man könnte uns für die letzte Woche aufsparen, aber dann würde man nur so viel aus uns herausholen, während es bei solchen Sachen, bei denen wir nicht so viele Leute einsetzen müssen, perfekt für uns funktioniert. Ich werde gehen oder Ben wird zwei Minuten voll machen, und dann gehen wir aus dem Weg und tippen init, bekommen ein bisschen Ruhe, aber zu wissen, wir haben das Rennen ziemlich schnell explodiert."

Tarling gewann das Zeitfahren der 2.
Diese disruptive Energie war der Schlüssel zu INEOS' neuem Ansatz. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich dem Peloton unterordnen musste. Jetzt geht es darum, die Unvorhersehbarkeit zu umarmen.
"Das ist es, worum es wirklich geht: das Beste aus allem zu machen, alles auszuprobieren, jede Option innerhalb des Rennens auszuloten und am Ende eines Rennens nichts zu bereuen", sagt Turner. "Vielleicht denkst du manchmal: 'Oh, das hätten wir nicht tun sollen'. Wir versuchen vielleicht, zu viel zu machen, aber an einem bestimmten Punkt kann man es auch andersherum sehen und denken, wenn wir das tun und es funktioniert, dann ist das positiv."
Das Herzstück dieser Veränderung ist Egan Bernal, der der lebhafteste Fahrer des Teams in den Bergen war.
"Das ist wirklich gut, weil Egan das Rennen sehr forciert, was sehr aufregend ist", sagt Tarling. "Und Thymen ist offensichtlich in Fahrt. Es ist also aufregend, es fühlt sich an, als wären wir richtig im Rennen, und es ist immer schön, das Gefühl zu haben, dass man mit ihnen auch eine Rolle spielen kann."

Bernal ist beim Giro d'Italia 2025 zum Leben erwacht.
Und die Moral im Lager? Unverkennbar positiv: "Ich denke, im Rennen haben wir alle eine ähnliche Stimmung, wir wollen Rennen fahren, aber auch abseits des Rades ist es schön. Alle sind in einem ähnlichen Alter, es ist ein nettes Umfeld, auf dem Küchenwagen plaudern alle, und es funktioniert einfach."
Sowohl Tarling als auch Turner gelten als künftige Classics-Schwergewichte und haben den Rhythmus und die Kameradschaft des GrandTour-Lebens zu schätzen gelernt.
"Hier ist es viel besser", lacht Tarling. "Flandern und der Slot sind schrecklich, man muss bis zur Linie fahren, während man hier, wenn man gestürzt ist, sagen kann: 'Nun, ich habe ja noch morgen'."
Turner stimmt dem zu. "Um ehrlich zu sein, war es einfach eine sehr nette Gruppe und ich habe alles genossen. Ich habe einfach das Beste aus jedem Tag auf dem Motorrad gemacht und es wirklich genossen, mit dem Motorrad zu fahren. Und um fair zu sein, als Josh gewonnen hat, habe ich in Albanien im Auto geschrien, das ist auch ganz nett, das muss ich zugeben.
Natürlich gab es auch beängstigende Momente. "Ich bin müde", sagt Tarling. "Außerdem war Bens gestriger Unfall wohl der schrecklichste Moment.
"Ja, du hast mich gerade daran erinnert, dass das tatsächlich ein bisschen weh tut", fügt Turner hinzu. "Ja, das werden wir tun."
Und wenn der Giro schließlich endet? Eine wohlverdiente Ruhepause... gemeinsam, natürlich. "Nicht viel, chillen, den Hund sehen", sagt Tarling, während Turner sich mehr auf das Essen konzentriert: "Wir werden grillen, nicht wahr?"

Franco PerezRedakteur
Franco Perez ist seit 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de und arbeitet von Deutschland aus. Er berichtet über den professionellen Radsport mit Schwerpunkt auf der WorldTour, den großen Klassikern und den Grand Tours – darunter die Tour de France, der Giro d’Italia und La Vuelta a España – sowie über den internationalen Cyclocross-Kalender. Seine Arbeit umfasst Vorberichte und Rennberichte, in denen er Renndynamik, Taktik und Entwicklungen im Peloton klar und nachvollziehbar einordnet.
Neben eigenen Beiträgen unterstützt Franco die Redaktion vor allem redaktionell: Er überarbeitet Texte, strukturiert Inhalte und achtet auf Konsistenz und Qualität, damit Berichte präzise, verständlich und sachlich belastbar bleiben. In seiner redaktionellen Arbeit legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








