Jonas Vingegaard warnt trotz Rosa-Trikot – „In den letzten zwei Tagen wurde immer wieder alles auf den Kopf gestellt“

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 29 Mai 2026 um 13:30
Jonas Vingegaard before stage 19 of the 2026 Giro d'Italia (Credit: Cycling Pro Net)
Jonas Vingegaard trat vor der gefürchteten 19. Etappe des Giro d’Italia bewusst auf die Bremse. Zwar geht der Kapitän von Visma - Lease a Bike mit mehr als vier Minuten Vorsprung ins Rennen, doch von vorzeitigen Siegesgedanken wollte der Däne nichts wissen. Zu oft habe die Rundfahrt in der Vergangenheit gezeigt, wie schnell sich die Dinge noch wenden können.
Dabei scheint Vingegaard seinem ersten Giro-Gesamtsieg so nah wie nie. Dennoch wollte der Gesamtführende vor dem Start der Königsetappe keine Garantien aussprechen. Erst wenn er das Rosa Trikot in Rom trägt, werde er an den Triumph glauben.

Vingegaard setzt auf Kontrolle statt Angriff

Die Zahlen sprechen klar für den Dänen. Mit drei Erfolgen an Bergankünften hat er seinen Vorsprung auf Felix Gall und Thymen Arensman in den vergangenen Tagen deutlich ausgebaut. Doch mit Blick auf die anspruchsvolle 19. Etappe und ihre rund 5000 Höhenmeter auf nur 151 Kilometern blieb Vingegaard vorsichtig.
Jonas Vingegaard geht mit einem komfortablen Vorsprung in die Königsetappe des Giro d’Italia, warnt jedoch vor den Gefahren der letzten Bergetappen
Jonas Vingegaard geht mit einem komfortablen Vorsprung in die Königsetappe des Giro d’Italia, warnt jedoch vor den Gefahren der letzten Bergetappen
Als er im Vorstart-Interview auf die bevorstehenden Herausforderungen angesprochen wurde, reagierte er mit einem Lachen.
„Was passiert? Uns erwartet ein ziemlich harter Tag“, sagte Vingegaard. „Wir haben 5000 Höhenmeter auf 150 Kilometern.“
Auf der Königsetappe der diesjährigen Corsa Rosa warten einige der härtesten Anstiege der Dolomiten auf das Peloton. Besonders der Passo Giau, die Cima Coppi dieser Ausgabe, dürfte trotz seiner Lage mehr als 50 Kilometer vor dem Ziel eine zentrale Rolle im Kampf um das Gesamtklassement spielen.
Anstatt selbst die Offensive zu suchen, stellte Vingegaard jedoch klar, dass für ihn vor allem die Verteidigung seines Vorsprungs im Vordergrund steht.
„Heute ist wahrscheinlich die härteste Etappe des Giro. Wir müssen sicherstellen, dass wir am Ende des Tages weiterhin in Rosa sind. Das ist zumindest unser Ziel.“
Neben der Verteidigung der Gesamtführung verfolgt Visma - Lease a Bike noch ein weiteres Ziel. Vingegaard hofft, seinen Teamkollegen Davide Piganzoli im Kampf um die Nachwuchswertung unterstützen zu können.
„Es wäre sehr schön, Davide [Piganzoli] heute im Weißen Trikot zu sehen. Das würde uns extrem freuen.“

Erinnerung an die Giro-Dramen der vergangenen Jahre

Zum Abschluss seines Interviews richtete Vingegaard den Blick noch einmal auf die Unberechenbarkeit der Italien-Rundfahrt. Der Däne machte deutlich, dass er trotz seines komfortablen Vorsprungs keinerlei Risiko eingehen will.
Seine Worte können durchaus als Verweis auf die Ereignisse des vergangenen Jahres verstanden werden. Damals verlor Isaac Del Toro auf dem Colle delle Finestre überraschend das Rosa Trikot, ehe sein damaliger Teamkollege Simon Yates mit einer spektakulären Attacke im Hochgebirge den Giro noch zu seinen Gunsten drehte.
Für Vingegaard ist genau das der Grund, warum er die Rundfahrt noch längst nicht als entschieden betrachtet.
„Gerade so, wie der Giro in den letzten Jahren verlaufen ist, wurde in den letzten zwei Tagen immer wieder alles auf den Kopf gestellt. Klar werden wir es nicht locker angehen und alles daransetzen, dieses Trikot nach Rom zu bringen.“
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