Das nächste große Duell zwischen Tadej Pogacar und
Jonas Vingegaard bei der
Tour de France 2027 nimmt immer konkretere Formen an. Während der Slowene seine Teilnahme an der kommenden Austragung bereits offiziell bestätigt hat, gilt nun auch ein Start seines dänischen Rivalen als praktisch sicher. Dafür sorgt eine aufschlussreiche Aussage von
Victor Campenaerts, der bei
Visma - Lease a Bike nicht nur zu Vingegaards wichtigsten Helfern, sondern auch zu seinen engsten Vertrauten zählt.
Der Belgier reist mit reichlich Selbstvertrauen aus der abgelaufenen Saison. Erst kürzlich feierte Campenaerts bei der Eneco Tour den ersten Gesamtsieg seiner Profikarriere – nach zwölf Jahren im Peloton. Der 34-Jährige präsentiert sich in der Form seines Lebens, doch an seiner wichtigsten Aufgabe innerhalb der niederländischen Mannschaft ändert das nichts: Er bleibt einer der zentralen Unterstützer von Jonas Vingegaard.
Vingegaard richtet den Blick bereits auf 2027: „Die Saison steht und fällt wirklich mit der Tour de France“
Dass Campenaerts für den zweifachen Tour-de-France-Sieger weit mehr als ein gewöhnlicher Teamkollege ist, zeigt sich auch abseits der Rennen. Der Belgier gehört zu den engsten Vertrauenspersonen des Dänen und steht mit ihm regelmäßig im Austausch. Wie er nun verriet, haben die beiden bereits erstaunlich früh begonnen, über die Planungen für die Saison 2027 zu sprechen.
Jonas Vingegaard und sein enger Vertrauter Victor Campenaerts richten den Blick bereits auf die Tour de France 2027. Der Belgier soll dem dänischen Kapitän von Visma - Lease a Bike auch beim nächsten Duell mit Tadej Pogacar als wichtiger Helfer zur Seite stehen.
„Tatsächlich blickt er schon auf das nächste Jahr voraus. Ende August meldete er sich erstmals bei mir, um Gedanken über die kommende Saison auszutauschen. Ich weiß noch, dass ich sagte: ‚Wow … das ist aber früh!‘“, berichtete Campenaerts gegenüber dem niederländischen Radsportportal
Wielerflits.
„Es ist aber großartig zu sehen, wie motiviert er ist, noch besser abzuschneiden.“ Diese Aussage dürfte insbesondere deshalb aufhorchen lassen, weil nach Vingegaards Sturz bei der Tour de France zwischenzeitlich Zweifel an seiner Motivation aufgekommen waren. Der Unfall hatte eine ohnehin schwierige Rundfahrt zusätzlich überschattet, nachdem der Däne an mehreren Tagen den Eindruck vermittelt hatte, seinem großen Rivalen Tadej Pogacar leistungsmäßig deutlich unterlegen zu sein.
Seit seinem Sturz hat Vingegaard kein weiteres Rennen bestritten. An seinen Ambitionen für die kommende Saison scheint das jedoch nichts geändert zu haben. Campenaerts machte deutlich, worauf sich die sportlichen Planungen des Dänen konzentrieren: „Wir können nicht alles verraten, aber die Saison steht und fällt wirklich mit der Tour de France …“
„Ich habe gemischte Gefühle“ – Campenaerts hadert mit der Tour de France
Auch für Campenaerts selbst war die Saison 2026 von großen sportlichen Erfolgen, aber ebenso von Enttäuschungen geprägt. Gemessen an seinen individuellen Leistungen gehörte das Jahr zu den stärksten seiner bisherigen Karriere. Dennoch fällt seine persönliche Bilanz nicht uneingeschränkt positiv aus, denn insbesondere der Verlauf der Tour de France beschäftigt ihn weiterhin.
„Ich habe gemischte Gefühle. Die Saison begann bei Paris-Nizza sehr gut. Danach fuhr ich mit Jonas den Giro, was ein unglaubliches Erlebnis war. Es war beeindruckend zu sehen, wie dominant wir als Team waren“, blickte der Belgier auf die ersten Monate zurück.
Bei der Frankreich-Rundfahrt lief es anschließend jedoch nicht nach Wunsch. „Bei der Tour de France war ich persönlich aber nicht in bester Verfassung. Und dann kam Jonas’ Sturz … Das war nicht das, was wir uns erhofft hatten“, räumte Campenaerts ein.
Entsprechend fällt sein Gesamturteil trotz der zahlreichen Höhepunkte eher zurückhaltend aus. „Man kann sagen, dass eine Saison bei der Tour de France steht oder fällt. Ich würde ihr eine Sieben von zehn geben, aber ich will immer mehr erreichen …“
Dabei hatte der 34-Jährige durchaus Grund zur Freude. Neben seinem Gesamtsieg bei der Eneco Tour zählt insbesondere das Gelbe Trikot, das er sich am ersten Tag der Tour de France sicherte, zu den herausragenden Momenten seines Rennjahres.
Campenaerts so stark wie nie am Berg – doch bei der Tour fehlte die Konstanz
Dass Campenaerts auch nach mehr als einem Jahrzehnt als Profi weiterhin Fortschritte erzielen kann, stellte er vor allem mit seinen Kletterleistungen unter Beweis. Bereits bei Paris-Nizza beeindruckte er mit seiner Fähigkeit, das Peloton an anspruchsvollen Anstiegen auseinanderzuziehen. Auch die gezielte Vorbereitung auf den Giro d'Italia zeigte Wirkung: In den Bergen präsentierte sich der Belgier stärker als jemals zuvor in seiner Karriere.
„Der Trend aus dem vergangenen Jahr war sehr positiv, und zu Saisonbeginn konnte ich darauf aufbauen. Als Helfer muss man aber auch äußerst zuverlässig und konstant sein. Genau in diesem Bereich hatte ich das Gefühl, etwas nachgelassen zu haben“, erklärte Campenaerts selbstkritisch.
Gerade bei der Tour de France gelang es ihm nicht, sein höchstes Leistungsniveau über die gesamte Rundfahrt hinweg abzurufen. Zwar konnte er seine Aufgaben im Dienst von Vingegaard erfüllen, doch seinen eigenen Ansprüchen wurde er damit nicht vollständig gerecht. „Wenn einem ein wenig Konstanz fehlt – wie bei der Tour –, dann … Es war kein katastrophales Rennen, und ich konnte meine Aufgabe erledigen. Es war aber etwas weniger, als ich mir erhofft hatte“, resümierte der Belgier.