„Jai scheint der Stärkere zu sein“: Felix Gall sieht Hindley in der Schlusswoche als Hauptkonkurrent um die Podiumsplätze

Radsport
Dienstag, 26 Mai 2026 um 11:15
GirodItalia2026_FelixGall
Im Einklang mit dem Vorab-Plan des Decathlon CMA CGM Teams verbrachte Felix Gall den zweiten Ruhetag dieser Giro-Ausgabe auf dem provisorischen Podium. Der Außenseiter Afonso Eulálio ist in Reichweite, Jonas Vingegaard an der Spitze dagegen weniger. Vor der Schlusswoche darf sich Gall jedoch nicht zu sicher fühlen: Mehrere Rivalen lauern in weniger als einer Minute Abstand auf seinen Podiumsplatz.
Im Gespräch mit Cyclism'Actu am ruhigen Montagnachmittag räumte Gall ein, dass sich die Rennlage im Vergleich zur Vorwoche nicht drastisch verändert habe. Eine große Bergetappe und ein entscheidendes Zeitfahren prägen das aktuelle Klassement:
„Es fühlt sich ähnlich an wie vor dem ersten Ruhetag. Seit dem letzten Ruhetag gab es nur eine echte Bergankunft. Das war eine sehr harte Etappe und ein wichtiger Test, der mir Vertrauen für die dritte Woche gibt“, klingt Gall zuversichtlich.
Auch wenn das 42-Kilometer-Zeitfahren am Dienstag die Gesamtwertung durcheinanderwirbelte, erlaubten die Aosta-Berge den Formstarken, wieder nach oben zu klettern: „Was die Abstände in der Gesamtwertung angeht, würde ich sagen, die Situation bleibt ziemlich ähnlich. Ich habe im Zeitfahren Zeit verloren, aber am Samstag in den Bergen meine Form bestätigt. Insgesamt ist es also recht vergleichbar.“

Blick auf Hindley

Im aktuellen Gesamtklassement liegt Felix Gall auf Rang drei, 2:50 Minuten hinter dem überzeugenden Jonas Vingegaard. In Schlagdistanz ist Ex-Träger des Rosa Trikots Afonso Eulálio, 24 Sekunden voraus. Direkt hinter Gall lauert der konstante Thymen Arensman mit 13 Sekunden Rückstand, während das Red Bull-Duo Jai Hindley und Giulio Pellizzari etwas weiter zurückliegt. Michael Storer, Ben O'Connor und Derek Gee befinden sich alle innerhalb von drei Minuten zum Österreicher und könnten in Schlüsselmomenten eine Rolle spielen.
Doch wen sieht Gall selbst als größte Gefahr für sein Ziel, auf dem Podium zu landen? „Ich würde sagen Jai Hindley. Zusammen mit Pellizzari haben sie zwei sehr starke Fahrer, und es wirkt so, als würde Pellizzari wirklich für ihn fahren. Für mich scheint Jai der Stärkere der beiden zu sein, vor allem in den Bergen“, schätzt Gall.
Jai Hindley und Giulio Pellizzari beim Giro d’Italia 2026
Jai Hindley und Giulio Pellizzari beim Giro d'Italia 2026
Bisher war Gall recht überzeugend der zweitstärkste Kletterer im Rennen hinter Vingegaard. Denkt er überhaupt daran, den Dänen zu entthronen, oder hat die Verteidigung Priorität?
„Das Hauptziel bleibt natürlich das Podium. Das war schon vor dem Start des Giro unsere Ambition, und das hat sich nicht geändert. Es steht noch eine extrem schwere Woche bevor, und die Abstände hinter mir sind nicht groß. Fürs Podium ist noch nichts entschieden, also ist es wirklich nicht die Zeit, unnötige Risiken einzugehen. Und selbst wenn ich etwas gegen Jonas probieren wollte, sehe ich im Moment nicht wirklich, wie ich ihn schlagen oder in Schwierigkeiten bringen könnte.“
Auch im Team Visma um Vingegaard erkennt Gall keine Schwächen. Der starke Davide Piganzoli gehört bergauf oft zu den Besten: „Sie haben in diesem Giro klar die stärkste Mannschaft, und Jonas ist der stärkste Fahrer im Rennen. Zusammen mit Tadej Pogacar ist er wohl der beste Grand-Tour-Spezialist im Peloton. Daher sehe ich nicht wirklich, wie ich ihn schlagen könnte. Ich konzentriere mich vor allem auf mich selbst und den Kampf ums Podium.“
Die Organisatoren kennen in der letzten Woche dieses Giros keine Gnade. Der Wochenauftakt führt in die Schweiz mit einer Bergankunft in Cari. Es folgen zwei unberechenbare Hügeletappen, bevor das Feld in die Berge zurückkehrt, um die brutale „Königsetappe“ 19 zu bestreiten und tags darauf auf dem Piancavallo abzuschließen.
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