Tadej Pogacars
Sturz auf der Samstagsetappe der Vuelta a España 2026 war ein entscheidender Moment dieses Rennens, doch die Folgen könnten auch für die kommenden Saisons von großer Bedeutung sein.
Der Slowene blieb von den Verletzungen nicht verschont: Schlüsselbeinbruch, Wirbelverletzungen und eine Gehirnerschütterung. Nach aktuellem Stand sind keine karrierebedrohlichen Schäden zu erwarten, dennoch könnte der Rückschlag Pogacars weitere Laufbahn prägen.
Bobbie Traksel analysiert die üblichen Auswirkungen einzelner Verletzungen anhand von Daten von ProCyclingStats:
„Es heißt: Fahrer mit gebrochenem Schlüsselbein verzeichnen im Schnitt einen Qualitätsverlust von 4 Prozent. Außerdem: Fahrer mit einer Gehirnerschütterung verlieren im Schnitt 17 Prozent ihrer Qualität“, sagt Traksel im
Kop Over Kop Podcast.
„Und: Fahrer mit einem Wirbelbruch verlieren 23 Prozent ihrer Qualität“, fährt der Niederländer fort. „Der Punkt ist: Nach so einem Sturz holen sie 23 Prozent weniger Punkte. Das ist natürlich wahnsinnig und sehr viel.“
Tadej Pogacar nach seinem Sturz auf Etappe 8
Pogacar blieb bisher von schweren Verletzungen verschont
Traksel betont zudem, dass dies praktisch die erste ernsthafte Verletzung des Slowenen ist. Bislang blieb er von vielen Stolpersteinen verschont, einschließlich des berüchtigten Itzulia-Sturzes 2024. Pogacar blieb nicht völlig ohne Blessuren, doch als ernsthafte Verletzung ist nur der Handgelenksbruch von 2023 verzeichnet, der ihn im Ergebnis wohl den Tour-de-France-Titel jenes Jahres kostete.
Der Niederländer vermutet, dieser Rückschlag könnte Pogacar „auf menschliches Niveau“ zurückholen, auch wenn das mit bevorstehender Operation und Wochen der Genesung schwer vorherzusagen ist.
„Dass Pogacar jetzt so schwer gestürzt ist, während die anderen das schon hinter sich hatten, könnte eine kleine Erklärung dafür sein, warum er so unglaublich stark war. Es könnte aber auch etwas über die mittlere oder lange Frist aussagen, darüber, wie Pogacar in den kommenden Jahren fahren wird.“
Traksel sorgt sich weniger um das Schlüsselbein, eine „klassische Radfahrer-Verletzung“. „Aber die Wirbel und die Gehirnerschütterung … das hängt davon ab, wie schlimm es ist. Wie wird es für ihn ausgehen? Wir wissen es nicht. Eine seiner Stärken ist, dass er schnell regeneriert, deshalb dürfen wir diesbezüglich hoffen“, erläutert der Kommentator.
Bedeutet das das Ende von Pogacars Dominanz?
Im Kontext von Pogacars Großtaten wird der Vergleich mit Eddy Merckx oft gezogen. Auch die Karriere des Belgiers wurde von zwei Vorfällen geprägt. 1969 erlitt er bei einem Derny-Rennen auf der Bahn einen Wirbelbruch. Danach, so heißt es, verlor Merckx einiges an Glanz – auch wenn er noch fünf sehr erfolgreiche Saisons fuhr. Der andere Einschnitt war der berüchtigte Vorfall mit Fans bei der Tour de France 1975, der Merckx mental zugesetzt haben soll.
Für eine Prognose zu Pogacars Genesung ist es wohl zu früh, doch Traksel sieht hierin einen möglichen Wendepunkt in der Karriere des Slowenen. „Es hängt sehr davon ab, was die Verletzung mit Pogacars Niveau macht. War dies der Tag, an dem Pogacar nachlässt? Das könnte durchaus sein. Wir sprechen jetzt alle darüber, dass es möglicherweise passiert, also gibt es dafür keine Wahrheit. Aber es könnte sein, dass man in ein paar Jahren über diesen Tag spricht.“