Felix Gall startete in die
Vuelta a Espana 2026 als der „Mann, den es zu schlagen gilt“ im Kampf um Rang zwei. Und schon früh nahm er diese Rolle an, als er in Etappe 4 sogar versuchte, Tadej Pogacar unter Druck zu setzen – auch wenn es nicht aufging. Doch danach tat sich der Österreicher schwer, selbst den Erwartungen an den Vize gerecht zu werden. Inzwischen liegt er
gesamt Dritter – und das sogar in Pogacars Abwesenheit.
Es ist schwer zu greifen, woran es liegt. Galls Decathlon CMA CGM-Teamkollegen wirken in Topform, allen voran Landsmann Gregor Mühlberger, doch der Kapitän liefert keine Auftritte auf Rottrikot-Niveau. Stattdessen verlor er sogar am Alto de Aitana Zeit – keine gute Nachricht mit Blick auf das 32-Kilometer-Zeitfahren in Etappe 18.
„Das ist sehr seltsam“, sagt Sporza-Analyst José De Cauwer zu Galls Unvermögen, mit Enric Mas, Oscar Onley und Primoz Roglic mitzuhalten. „Er hat es ein paar Mal [attackiert], wenn Pogacar dabei ist: mit großer Überzeugung losgegangen. Wenn du es als Teamkapitän nicht zu Ende bringen kannst, dann musst du wirklich zweimal nachdenken.“
Zeit für einen Planwechsel
Es ist kein Geheimnis, dass Gall nicht zu den explosivsten Fahrern im Peloton gehört. Das wäre auf einer sehr steilen Rampe kein Problem, wo er mit hohem Tempo die Konkurrenz vom Hinterrad bohren kann. Auf einem gleichmäßigeren Anstieg wie dem Alto de Aitana (21,9 km à 5,9 %) aber lief seine frühe Attacke der Absicht zuwider, weil alle Rivalen – noch relativ frisch – problemlos mitgehen konnten.
„Vielleicht sollten sie es anders versuchen. Er hat drei- oder viermal eine Lektion bekommen. Am Ende kam er etwas zurück, aber nein“, meint der belgische Analyst.
Mühlberger besser einsetzen
Laut De Cauwer gibt es im Bergzug von Decathlon weiterhin kleine taktische Unsauberkeiten. Teilweise liegt es daran, dass Matthew Riccitello nicht die Rolle spielen kann, die sich das Team erhofft. Doch auch der superstarke Gregor Mühlberger wird nicht voll ausgeschöpft.
Statt vier, fünf Kilometer vor dem Ziel zu attackieren, sollte Gall sein Glück näher an der Ziellinie versuchen. „Jetzt greift er vier oder fünf Kilometer vor dem Ziel an. Künftig würde ich länger warten und alles am Ende investieren.“ Etappen 12 und 14 werden gute Gelegenheiten, um zu sehen, ob das österreichische Duo seine Lehren gezogen hat.