Die kolportierten Trainingswerte von
Remco Evenepoel sorgen vor der Tour de France für reichlich Gesprächsstoff. Demnach soll der Belgier bei einem jüngsten Höhentrainingslager eine
FTP von 425 Watt erreicht haben. Die Zahlen unterstreichen die herausragende Form des Red Bull - BORA - hansgrohe-Kapitäns, doch nicht alle glauben, dass sie sich automatisch in Grand-Tour-Erfolg übersetzen. Ex-Profi
Michael Boogerd zählt zu den Skeptikern, die Zweifel haben, ob Evenepoel in den Hochgebirgen konstant mit den besten Rundfahrtspezialisten mithalten kann.
Beeindruckende Zahlen entfachen Debatte
Der gemeldete FTP-Wert sorgte für breite Aufmerksamkeit. Radsportjournalist und Datenanalyst Benji Naesen bezeichnete 425 Watt als außergewöhnlich hoch. „425 Watt ist ein besonders hoher Wert“,
sagte Naesen. „Er zeigt, dass die beste Version von Remco absolut um einen Podiumsplatz bei der Tour mitfahren kann.“
Zugleich mahnte Naesen, Trainingsdaten nicht überzubewerten. „Bei Zahlen ist immer Vorsicht geboten“, erklärte er. „Hitze, Ermüdung, Taktik und kleine körperliche Probleme spielen alle eine Rolle.“
Der frühere niederländische Profi und heutige TV-Analyst Michael Boogerd teilt diese Vorsicht – zieht in seiner Bewertung des Belgiers jedoch deutlich kritischere Schlüsse. Boogerd argumentierte, Evenepoel habe ihn trotz seiner Erfolge als Grand-Tour-Anwärter noch nicht vollends überzeugt.
„Evenepoel ist vor zwei Jahren eine sehr gute Tour gefahren, aber in all seinen anderen Grand Tours fand ich ihn nie besonders beeindruckend“, sagte Boogerd. „Auch nicht bei der Vuelta, die er gewonnen hat [2022].“
Remco Evenepoel at the 2026 Liêge-Bastogne-Liège
Zweifel an den ganz großen Anstiegen
Boogerd sieht den entscheidenden Unterschied, wenn die stärksten Kletterer das Tempo am Berg anziehen. „Ich sehe in ihm eher einen Eintagesfahrer“, sagte er.
„Wenn
Tadej Pogacar und
Jonas Vingegaard am Berg richtig hart fahren, kommt er auch zu kurz. Das ist keine Schande, aber eine Feststellung.“
Mit der nahenden Tour de France erhält Evenepoel bald die Gelegenheit, auf der Straße zu antworten. Er will die beiden aktuell besten Rundfahrer herausfordern und zeigen, dass seine beeindruckenden Trainingswerte sich in Resultate im Hochgebirge ummünzen lassen.