„Ich hätte nie gedacht, dass ich hier sitzen würde“: Sjoerd Bax fährt das Zeitfahren seines Lebensr

Radsport
Mittwoch, 20 Mai 2026 um 10:00
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Bei einer Grand Tour kann viel passieren, und das gilt doppelt für die erste Etappe nach einem Ruhetag. Manche kommen mit Schwung zurück, andere verlieren den Rhythmus beim Wechsel von Vollgas-Etappen zu Kaffeefahrt – und wieder zurück. Für den 30-jährigen Sjoerd Bax ist eine Grand Tour Neuland, doch nach seiner Leistung im Zeitfahren der 10. Etappe zählt er klar zur ersten Gruppe.

Bax überrascht im Giro-Zeitfahren mit Top-5 und starkem Statement

Wer die Startliste des diesjährigen Giro d’Italia nicht gründlich studiert hat, konnte den Namen des Niederländers leicht übersehen. Genau deshalb verspürte Bax am Dienstag im Zeitfahren den Drang, ein Zeichen zu setzen – mit 47 Minuten und 57 Sekunden. Das reichte für sein erstes Top-5-Ergebnis bei einer Grand Tour.
„Ich bin ziemlich zufrieden. Ich bin auch froh, dass es vorbei ist, denn es ist sehr viel Leiden“, begann der Niederländer seinen Bericht bei CyclingProNet mit einem breiten Lächeln nach dem Rennen.
Der Pinarello Q36.5-Fahrer überraschte zahlreiche dekorierte Kollegen im Peloton mit einer Zeit, die ihn rund eine Stunde in den Hot Seat brachte, ehe der zweifache Weltmeister Filippo Ganna noch einmal zwei Minuten schneller fuhr. „Ich wusste nicht, dass ich da eine Weile sitzen würde, das war eine nette Erfahrung.“

Eine komplette Überraschung

Doch wie sich am Ende zeigte, war Ganna heute in einer eigenen Liga. Bax’ Zeit reichte dennoch für Rang vier, nur vier Sekunden am Tagespodium vorbei.
Als Ganna ins Ziel kam, waren noch hundert Fahrer auf der Strecke, Bax rechnete sich wenig aus: „Ich weiß nicht, wo ich am Ende lande. Ich hoffe noch auf die Top Ten, aber das wird eng. Wenn ich sehe, dass ich vor Walscheid liege, der sehr stark ist, ist das ein gutes Zeichen.“ Ein gutes Gespür: Nach Rennende waren nur Thymen Arensman und Rémi Cavagna stärker als Bax.
Filippo Ganna gewinnt das Zeitfahren der 10. Etappe
Filippo Ganna gewann das Zeitfahren der 10. Etappe

Woher kommt Bax?

Es wäre grob, Bax’ Auftritt als „aus dem Nichts“ zu bezeichnen. Der frühere Fahrer von WorldTour-Teams wie Alpecin-Deceuninck und UAE Team Emirates hatte jedoch stärkere Phasen als in den vergangenen Saisons. Seine Zeitfahr-Qualitäten hat der Niederländer aber bewiesen – unter anderem mit einem Top-10-Ergebnis bei der Heim-EM 2023 in Emmen.
Was war also der Schlüssel zum Erfolg? „Ich versuche immer, mehr nach Gefühl zu pacen. Mit Watt weißt du nie so genau. Es ist außerdem meine erste Grand Tour, und nach neun Tagen Rennen ist alles anders. Ich bin ziemlich hart losgefahren und hatte auf dem Rückweg eine Art Rückenwind. Dann kommst du mit der Atmung in einen Rhythmus“, erinnerte Bax daran, dass ihn seine früheren Arbeitgeber nie für eine dreiwöchige Rundfahrt nominiert hatten.
Dann wartete noch ein letzter Anstieg. „Beim letzten Zwischenpunkt ging es etwas bergauf, das war sozusagen mein Zielstrich. Danach ging es nur noch darum, aero zu bleiben, das war’s. Im Kopf arbeitest du dich von Punkt zu Punkt vor“, so Bax weiter. „Irgendwann sind es noch 20 Kilometer und du denkst: Das ist immer noch verdammt weit.“
„Aber kurz darauf sind es nur noch 10 Kilometer. Du zählst die Kilometer runter, sozusagen. Wenn du langsamer startest, holst du das nicht mehr auf. Dann ist es besser, all in zu gehen“, schloss der Niederländer seinen erfolgreichen Schlachtplan.
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