Es wurde suggeriert,
Tadej Pogacar habe sich vom lächelnden Dominator der vergangenen Tage zu einer frustrierteren, unzufriedeneren Figur gewandelt – ausgelöst durch einen entscheidenden Moment am Donnerstag, als einer der Klassementfahrer auf seine sonst rennentscheidende Bergattacke eine Antwort fand.
Die 6. Etappe am Donnerstag schien einem vertrauten Drehbuch zu folgen, als der Kapitän von UAE Team Emirates am El Bartolo das Tempo verschärfte, die Klassementkonkurrenten nach und nach distanzierte und solo ging.
Dabei sammelte der Slowene die Ausreißer ein und schien auf den steilen, unrhythmischen Rampen einem Solosieg entgegenzufahren, während sich
die GC-Fahrer in Einer- und Zweiergruppen auflösten. Dann trat
Enric Mas auf den Plan.
Der Movistar-Kapitän schien den Rest der Klassementfahrer abzuschütteln und sich als Zweiter hinter Pogacar einzunisten, bis die Kameras zeigten, dass er die Lücke zu Pogacar schloss. Er stellte ihn dramatisch auf der Kuppe des Anstiegs und fuhr 20 Kilometer später mit ihm zusammen ins Ziel.
Nach dem Zieleinlauf stand Pogacar dennoch ganz oben auf dem Podium, sein Sprint war stärker als der von Mas. Doch der Moment setzte ein Ausrufezeichen – eine der seltenen Situationen, in denen Pogacar nach einem Solo wieder eingeholt wurde. Als am Freitag auf Etappe 7 erneut Feuer ins Rennen kam, wirkte seine Körpersprache etwas anders.
„Ich weiß es nicht. Aber ich habe keinen fröhlichen Pogacar gesehen“, sagte
Sporza-Analyst und Kommentator José De Cauwer.
Tadej Pogacar in action on Stage 7 of the 2026 Vuelta a Espana
Pogacar wollte in Ruhe gelassen werden
„Lag es an der Geschichte von gestern? Es wirkte ein wenig wie ein ‚Tag im Büro‘, als ob er dachte: Es ist Freitagabend, lasst mich in Ruhe.“
Pogacar und die Klassementfahrer sprinteten nicht um den Etappensieg, doch es gab Zeitabstände aus der Gruppe, als Pogacar attackierte. De Cauwer glaubt allerdings, der Slowene solle seine Vorstöße gut abwägen, wenn das Rennen ins Wochenende geht.
„Vielleicht denkt er auch an sein Team. Sie werden nicht unter Druck geraten, weil der Rest gegeneinander fährt. Das sehen wir schon länger. Er muss nur mitrollen, folgen und nochmal eine Attacke setzen.“
Enric Mas zu Pogacars Attacke
Pogacar nahm Mas auf der 7. Etappe 16 Sekunden ab. Rückblickend meinte Mas, Pogacar habe Frust vom Vortag mitgenommen, was ihn zu einer Attacke verleitete, obwohl vorne kein Etappensieg winkte.
„Ich denke, er hat sich in bestimmten Rennmomenten etwas geärgert, und deshalb hat er attackiert“, sagte Mas nach dem Ziel zu Teledeporte.
„Vielleicht lag es zum Teil am gestrigen Tag“, antwortete Mas auf die Frage, warum Pogacar trotz seiner dominanten Gesamtführung erneut Druck machte.