„Ich habe daran gezweifelt, ob ich je wieder das höchste Niveau erreichen würde“ – Stefan Küng emotional nach Tudors Doppelerfolg in Polen

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 10 August 2026 um 9:00
Stefan Kung at the 2026 Tour de Pologne team presentation
Das abschließende Einzelzeitfahren der Polen-Rundfahrt 2026 wurde zur großen Bühne für Tudor Pro Cycling. Stefan Küng fuhr auf der Schlussetappe zur Tagesbestzeit, während sein Teamkollege Marco Brenner im Kampf um das Gelbe Trikot sämtliche Rivalen hinter sich ließ und den Gesamtsieg perfekt machte. Damit durfte Tudor am letzten Tag der Rundfahrt gleich doppelt jubeln.
Brenner hatte sich mit konstant starken Leistungen in den entscheidenden drei Tagen zuvor eine hervorragende Ausgangsposition für das Zeitfahren am Sonntag erarbeitet. Der Deutsche lag unmittelbar hinter dem provisorischen Podium und lediglich elf Sekunden hinter Spitzenreiter Cristian Scaroni. Da keiner der drei vor ihm platzierten Fahrer als ausgewiesener Zeitfahrspezialist gilt, waren Brenners Aussichten vor der entscheidenden Schlussetappe vielversprechend.

Brenner krönt seine starke Woche mit dem Gesamtsieg

„Die Polen-Rundfahrt im Gelben Trikot zu beenden und das Rennen zu gewinnen, macht mich unglaublich glücklich“, sagte Brenner mit breitem Lächeln. „Es wird ein paar Tage dauern, bis mir vollständig klar wird, was wir erreicht haben.“
Dabei hatte seine Rundfahrt auf der vierten Etappe beinahe eine entscheidende Wendung genommen. Ein Sturz brachte Brenner aus dem Rhythmus, dennoch kämpfte er sich zurück und belegte an diesem Tag noch den dritten Platz. „Nach dem Sturz war ich unsicher, wie es weitergehen würde, aber ich habe nie aufgegeben. Am folgenden Tag konnte ich zeigen, dass ich einer der stärksten Kletterer war, und da begann ich wirklich zu glauben, dass ein Podium in der Gesamtwertung möglich ist.“
Den endgültigen Schub für sein Selbstvertrauen lieferte Rang zwei auf der fünften Etappe. Spätestens dieses Resultat festigte Brenners Überzeugung, dass in der Gesamtwertung ein absolutes Topresultat möglich war. „Nach der gestrigen Etappe habe ich wirklich an den Sieg geglaubt, weil ich vor dem Zeitfahren in einer sehr guten Position war.“

Küng meldet sich eindrucksvoll zurück

Für Brenner ist der Triumph bei der Polen-Rundfahrt der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere – und zugleich sein erster Sieg auf WorldTour-Niveau. Sein erfahrener Teamkollege Stefan Küng kennt das Gefühl großer Siege bereits bestens. Dennoch dürfte diese Bestätigung für den zweimaligen Europameister im Zeitfahren nach einer schwierigen Zeit womöglich sogar noch wertvoller gewesen sein als für den jungen Deutschen.
Stefan Küng im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft.
Stefan Küng feiert im abschließenden Einzelzeitfahren der Polen-Rundfahrt 2026 seinen ersten Sieg seit über einem Jahr und krönt damit den perfekten Tag für Tudor Pro Cycling.
Verletzungen und Krankheiten hatten Küng lange ausgebremst. Mehr als ein Jahr musste der Schweizer auf seinen nächsten Sieg warten, zuletzt hatte er beim Chrono des Nations 2024 jubeln können. In absoluter Bestform hätte Küng das abschließende Zeitfahren womöglich mit einem noch größeren Vorsprung dominiert. Dennoch könnte dieser Erfolg nun zum Sprungbrett für ein starkes letztes Drittel seiner Saison werden.
„Das ist ein ganz besonderer Sieg. Ich war sehr emotional, als mir klar wurde, dass ich gewinnen würde. Mein letztes internationales Rennen [Omloop Nieuwsblad im Februar, Anm.] endete mit einem Sturz und einem Oberschenkelbruch, und in manchen schweren Momenten der Reha habe ich ehrlich daran gezweifelt, ob ich je wieder das höchste Niveau erreichen würde“, gestand der Schweizer.
„Von ganz unten zurückzukommen und wieder zu gewinnen, ist unglaublich. Ein riesiges Dankeschön an das Team und alle, die mich auf diesem Weg so sehr unterstützt haben, und natürlich an meine Familie, die immer hinter mir stand. Ich bin unglaublich dankbar, wieder auf diesem Niveau zu sein, und mit Marco die Gesamtwertung zu gewinnen, macht es zu einem perfekten Tag für das Team.“
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