Etappe 9 des Giro d’Italia 2026 könnte einen ersten großen Wendepunkt
im Kampf um das Gesamtklassement markieren. Mit Bergankunft am Corno alle Scale und der Chance auf Etappensieg samt Maglia Rosa ging
Jonas Vingegaard mit einer vorsichtigen Botschaft ins Rennen und vermied jeden Eindruck absoluter Kontrolle über das Geschehen.
Selbst in gelöster Runde, inklusive Fragen zu seinem auffälligen Schnurrbart, den er sich wachsen lässt, blieb der Däne ruhig. „Ich bin wohl einfach ein bisschen zu faul zum Rasieren“,
scherzte er gegenüber Cycling Pro Net. Er räumte ein, dass er ihn vermutlich bald abrasiert, doch das Detail lockerte die Stimmung, bevor der Blick auf die sportliche Analyse eines Schlüsseltages wechselte.
Vingegaard zählt zu den Topfavoriten der Etappe mit einer Bergankunft, deren letzte 3 Kilometer im Schnitt 10 Prozent aufweisen. Dennoch verweigerte der Däne die Rolle des alleinigen Protagonisten und betonte, dass der Ausgang von vielen kollektiven Faktoren abhängt.
„Ich glaube nicht, dass wir hier das einzige Team sind“, sagte er auf die Frage, ob seine Mannschaft den Tag diktieren werde – ob man also eine Flucht ziehen lässt oder den Sieg unter den Klassementsfahrern ausfährt. „Es gibt viele andere Teams, also entscheiden nicht nur wir.“
Das Bergtrikot und das Energiemanagement
Ein weiteres Thema vor dem Start war das blaue Bergtrikot, das derzeit Vingegaard selbst trägt. Mit dem Zeitfahren in Sicht könnte es ihn Kraft kosten; Sorge klang bei ihm jedoch nicht durch.
„Es ist schön für mich, das blaue Trikot zu haben, schön, ein Trikot zum Fahren zu tragen. Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich ein Führungstrikot anziehen kann.“
Den Schlussanstieg zum Corno alle Scale kennt Vingegaard nach eigenen Worten kaum über Profil und Roadbook hinaus. „Ich habe ihn vorher nicht gesehen“, räumte er ein. Trotzdem erwartet er ein forderndes Finale: „Es sieht nach einem sehr schweren Schlussanstieg aus.“
Jonas Vingegaard am Blockhaus
Offenes Rennen, der Giro kehrt in die Berge zurück
Trotz seiner starken Eindrücke und des Gefühls, er könne zur dominierenden Kraft werden, wies Vingegaard jede Vorstellung endgültiger Überlegenheit zurück. „Ich glaube, ich bin in sehr guter Form“, sagte er auf die Frage, ob er stärker sei als beim letztjährigen Giro. Den Status als absolute Topform wollte er jedoch nicht ausrufen. „Wir werden später sehen, ob ich bei meinem Besten bin oder nicht.“
Deutlicher wurde er in der Bewertung des Klassements. „Ich finde, es ist immer noch ein ziemlich offenes Rennen“, betonte er. Der Däne erinnerte außerdem daran, dass er die Gesamtwertung noch nicht anführt und die Abstände gering sind. „Ich habe noch keinen sehr großen Vorsprung auf die anderen Klassementfahrer“, schloss er.