„Ich bin nach dem Zieleinlauf völlig ausgerastet“ – Fuglsang erinnert sich an Van der Poels legendären Amstel-Gold-Race-Sieg 2019

Radsport
durch Nic Gayer
Samstag, 01 August 2026 um 8:00
julianalaphilippe jakobfuglsang
Die Amstel Gold Race 2019 lieferte eines der epischsten Finals unserer Generation. Alles deutete auf ein Duell der Favoriten Julian Alaphilippe und Jakob Fuglsang hin, die in den Schlusskilometern eine deutliche Lücke herausgefahren hatten. Dann tauchte Mathieu van der Poel scheinbar aus dem Nichts auf und stahl allen die Show.
Fuglsang fuhr vierzig Kilometer lang an der Spitze, gemeinsam mit Alaphilippe. Das Duo wirkte den Gegnern klar überlegen, erlaubte sich taktische Spielchen – ein Bumerang mit Wucht.
Der Däne startete damals für Astana, im Begleitwagen saß Teamchef Alexandre Vinokourov. Der Amstel-Sieger von 2003 funkte seinem Kapitän klare Anweisungen durch:
„Über Funk hieß es: ‚Jetzt darfst du vorne nicht mehr für ihn arbeiten. Sonst wirst du nur Zweiter!‘ Beim ersten Mal habe ich nichts gemacht. Ich bin einfach weitergefahren“, erzählt Fuglsang als Kommentator für DR. Beim zweiten Mal folgte er jedoch der Order: Er stellte die Führungsarbeit mit dem normalerweise schnelleren Alaphilippe ein.
Zu diesem Zeitpunkt schien das nachvollziehbar. Der Vorsprung auf Verfolger Michal Kwiatkowski galt als komfortabel – Vinokourov wurde 40 Sekunden bei drei Kilometern Rest gemeldet. Das stimmte nicht, und die von Mathieu van der Poel angeführte Gruppe, nicht weit hinter dem Polen, wurde zum entscheidenden Faktor.
Van der Poel hatte acht Fahrer im Schlepptau, die keine Ablösung fahren wollten, schloss die Lücke dennoch im Alleingang. Und schlug am Ende alle im Sprint. Eine Machtdemonstration. Möglich wurde sie vor allem durch die taktischen Spielchen zwischen Fuglsang und Alaphilippe.

Hätte den Sprint gewinnen können

Im Rückblick bedauert Fuglsang, nicht an die eigene Stärke geglaubt zu haben. Er traut sich zu, Alaphilippe Mann gegen Mann Paroli geboten zu haben. „Ich hätte da wohl einfach weiterfahren sollen, dann hätte ich einen echten Sprint anziehen können“, sagt Fuglsang heute. „Ich frage mich, ob ich ihn (Alaphilippe) an dem Tag hätte schlagen können, denn ich glaube, ich war im Vorteil.“
Dass der Däne als Dritter ins Ziel kam, nur hinter Van der Poel und Simon Clarke, aber vor Alaphilippe, unterstreicht das. Fuglsang war anschließend außer sich. „Ich bin nach dem Ziel in der Amstel komplett ausgerastet. Meine Frau Loulou hat versucht, mich zu beruhigen und sagte: ‚Ach, ist schon gut. Es ist, wie es ist.‘ Sie hatte schon im Gefühl, dass es drei–zwei–eins wird.“
Gemeint war der Rest der Ardennen-Trilogie. Sie behielt recht: Wenige Tage nach der Amstel Gold Race musste Fuglsang Alaphilippe an der Mur de Huy beim La Flèche Wallonne den Vortritt lassen.
Eine Woche nach dem Amstel-Debakel nahm Fuglsang bei Lüttich–Bastogne–Lüttich Revanche, mit einem Soloritt über 13 Kilometer zum Sieg.
Fuglsang war 2019 in Topform. Es folgten der Gesamtsieg beim Critérium du Dauphiné und sein einziger Grand-Tour-Etappensieg bei der Vuelta a España.
La Doyenne blieb nicht Fuglsangs einziger Monument-Sieg. Ein Jahr später kehrte er nach der Covid-Pause in ähnlicher Verfassung zurück und gewann Il Lombardia – seither nur noch von Tadej Pogacar gewonnen –, dazu Top 5 bei den Weltmeisterschaften und Gesamtrang sechs beim Giro d’Italia.
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