Der tragische Tod des jungen britischen Radprofis Finlay Tarling bei der Volta a Portugal 2026 hat die Radsportwelt tief erschüttert und eine erneute Debatte über die Sicherheit bei professionellen Radrennen ausgelöst. Auch
Paul Seixas, der in der Vergangenheit selbst gegen Tarling gefahren war, zeigt sich von dem Unglück schwer getroffen. Der 20-jährige Franzose spricht offen über die Gefahren im Peloton, mögliche organisatorische Versäumnisse und die Verantwortung der Rennveranstalter.
Tarling kam während der achten Etappe der Portugal-Rundfahrt ums Leben, nachdem er frontal von einem Fahrzeug erfasst worden war. Der Vorfall wurde auf ein Versagen der Sicherheitsmaßnahmen zurückgeführt. Besonders alarmierend ist, dass unerlaubte Fahrzeuge auch bei anderen großen Rennen immer wieder auf die Strecke gelangen – teilweise sogar vor laufenden Fernsehkameras. Für die Fahrer bedeutet das ein zusätzliches Risiko, das über die ohnehin bestehenden Gefahren des Rennsports hinausgeht.
„Er ist nicht der Einzige“ – Seixas spricht über den Tod seines früheren Konkurrenten
Im Gespräch mit der Sendung „
Clique“ fand Seixas deutliche Worte für die Situation im professionellen Radsport. Der junge Franzose machte klar, wie sehr ihn der Tod seines früheren Konkurrenten beschäftigt.
Paul Seixas fordert nach dem tragischen Tod von Finlay Tarling strengere Sicherheitsvorgaben im Radsport. Der 20-jährige Franzose spricht zugleich offen über die Risiken schneller Abfahrten und die Angst bei Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h.
„Ehrlich gesagt ist das schrecklich. Und das Problem ist: Er ist nicht der Einzige“, erklärte Seixas.
In den vergangenen Jahren musste der Radsport mehrfach den Tod junger Fahrer beklagen. Dass sich solche Tragödien wiederholen, belastet Seixas besonders. Schließlich kannte er Tarling nicht nur aus den Nachrichten, sondern hatte selbst mit ihm an Rennen teilgenommen.
„Außerdem bin ich mit ihm Rennen gefahren, und das nimmt mich sehr mit. Schon damals hat mich das stark getroffen. Denn das Schreckliche ist, dass wir uns sagen müssen: ‚Schon wieder ist in diesem Jahr ein Radfahrer bei einem Rennen ums Leben gekommen.‘“
Obwohl Seixas erst seit knapp zwei Jahren im professionellen Radsport aktiv ist, gehört die Auseinandersetzung mit lebensgefährlichen Situationen bereits zu seinem Alltag. Der Fahrer des Decathlon CMA CGM Teams sieht dabei nicht ausschließlich die Athleten in der Verantwortung. Vielmehr fordert er, die organisatorischen Sicherheitsstandards kritisch zu überprüfen.
„Ich glaube, das hat alle Fahrer sehr getroffen. Man erkennt, dass es manchmal tatsächlich organisatorische Probleme gibt. Die Veranstalter geben ihr Bestes – das wollen wir ihnen nicht absprechen –, aber manchmal müsste es strengere Vorgaben geben.“
Protest bei der Lombardei-Rundfahrt: Fahrer setzen ein Zeichen für mehr Sicherheit
Wie ernst die Profis die Situation nehmen, zeigte sich auch während der italienischen Herbstklassiker, an denen Seixas teilnahm. Bei der Lombardei-Rundfahrt protestierten die Fahrer zu Rennbeginn fünf Minuten lang, um auf die Sicherheitsprobleme und die Folgen des tödlichen Unfalls aufmerksam zu machen.
Für Seixas geht es dabei um weit mehr als um die sportlichen Bedingungen während eines Rennens. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die durch solche Tragödien ihr Leben verlieren, und die Angehörigen, die mit den Folgen zurückbleiben.
„Bei der Lombardei-Rundfahrt haben wir zu Rennbeginn fünf Minuten lang protestiert. Was passiert ist, ist äußerst ernst. Es trifft die Familien. Dass so etwas bei einem Rennen geschieht, ist sehr schwerwiegend. Eine professionelle Organisation, Fahrer, die ihr Leben verlieren – das ist erschreckend.“
Die Aussagen verdeutlichen, wie groß die Besorgnis innerhalb des Pelotons inzwischen ist. Trotz professioneller Rennorganisation und umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen können gefährliche Situationen entstehen, auf die die Fahrer selbst kaum Einfluss haben. Seixas sieht deshalb die Notwendigkeit, bestehende Vorgaben zu verschärfen und organisatorische Risiken konsequenter zu begrenzen.
Mit 80 km/h bergab: Selbst Ausnahmetalent Seixas kennt die Angst
Neben den Gefahren durch externe Einflüsse sprach Seixas auch über die Risiken, die unmittelbar mit dem Rennfahren verbunden sind. Der 20-Jährige gilt als außergewöhnlich starker Abfahrer und ist dafür bekannt, technisch anspruchsvolle Streckenabschnitte mit hoher Geschwindigkeit zu bewältigen. Besonders bei der Itzulia Basque Country stellte er seine Fähigkeiten auf schwierigen Abfahrten mehrfach unter Beweis.
Doch auch ein Fahrer mit seinem technischen Können ist nicht frei von Angst. Auf die Frage, wie er mit riskanten Situationen umgeht, erklärte Seixas: „Sagen wir einfach, dass man manchmal etwas angespannt ist. Dann sagt man sich aber, dass es schließlich nicht um Leben und Tod geht.“
Gerade bei hohen Geschwindigkeiten im dichten Fahrerfeld bleibt das Bewusstsein für mögliche Stürze ständig präsent. „Wenn man im Peloton eine leichte Abfahrt hinunterfährt und mit 80 km/h unterwegs ist, bekommt man manchmal schon ein wenig Angst“, räumte der Franzose ein.
Entscheidend sei für ihn, die Gefahr zwar wahrzunehmen, sich davon aber nicht vollständig beherrschen zu lassen. „Man denkt: ‚Das könnte böse enden.‘ Aber man darf sich nicht darin verbeißen – das ist der Trick.“
Bislang ist es Seixas gelungen, seine technischen Fähigkeiten und seine Risikobereitschaft erfolgreich miteinander zu verbinden. Dennoch weiß er, dass seine eigene Sicherheit nicht allein von seinen Entscheidungen abhängt. Gerade bei schnellen Abfahrten im Peloton spielt auch das Verhalten der anderen Fahrer eine entscheidende Rolle.
„Man weiß, dass sich alle anderen dessen ebenfalls bewusst sind. Deshalb werden auch sie nichts Unüberlegtes tun.“
Seixas' Aussagen zeigen damit zwei Seiten derselben Problematik: Während die Profis die sportlichen Risiken ihres Berufs bewusst eingehen und auf gegenseitige Rücksichtnahme angewiesen sind, erwarten sie von den Veranstaltern, vermeidbare Gefahren konsequent auszuschließen. Der Tod von Finlay Tarling hat diese Forderung nach mehr Sicherheit erneut in den Mittelpunkt gerückt.