„Hat er die Beine für 250 Kilometer und mehr?“ – Chris Horner warnt trotz Evenepoels Machtdemonstration vor falschen Schlüssen
Radsport
Remco Evenepoel hätte seine Woche bei der Radsport-WM kaum überzeugender beginnen können. Der Belgier stürmte in Montreal zu seinem vierten Titel im Einzelzeitfahren in Serie, stoppte die Uhr nach 44:53 Minuten und nahm Filippo Ganna über die 39,2 Kilometer beeindruckende 57 Sekunden ab.
Chris Horner zeigte sich von dieser Vorstellung entsprechend beeindruckt. Der Vuelta-a-Espana-Sieger von 2013 analysierte Evenepoels Fahrt ausführlich auf seinem YouTube-Kanal und fand dabei kaum einen Ansatzpunkt für Kritik.
Horner findet bei Evenepoels Triumph kaum einen Fehler
„Abgesehen davon fuhr er die Kurven so eng wie irgend möglich und trat fantastische Wattwerte“, erklärte Horner, nachdem er einen etwas zu weit gefahrenen U-Turn als wohl einzigen nennenswerten Fehler auf den gesamten 39,2 Kilometern ausgemacht hatte.

Remco Evenepoel gewann in Montreal zum vierten Mal in Folge den WM-Zeitfahrtitel
Evenepoel war derart überlegen, dass ihm vor der Ziellinie sogar noch genügend Zeit blieb, sich aufzurichten und seine charakteristische Siegergeste zu zeigen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,4 km/h raste der Belgier über den Kurs in Montreal. Für Horner stellt das Straßenrennen am Sonntag allerdings eine völlig andere Herausforderung dar. „Wird er die Beine haben, um auf dem Kurs in Montreal 250 Kilometer und mehr zu gehen?“
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GP Montreal lässt offene Fragen zurück
Evenepoels letzte beiden Straßenrennen vor der Radsport-WM zeichneten zwei deutlich unterschiedliche Bilder. Zunächst gewann er den GP Quebec auf überzeugende Art und Weise. Anschließend ging es nach Montreal, wo sich Isaac del Toro und Paul Seixas auf der Schlussrunde absetzen konnten und Evenepoel letztlich nicht über den fünften Platz hinauskam.
„Aussagekräftiger ist für mich natürlich Montreal und das Quebec-Rennen vom Wochenende davor“, erklärte Horner. „Wir wissen sicher, dass Remco in Quebec richtig gut war, und wir wissen, dass er in Montreal eingebrochen ist und am Anstieg nicht so solide war.“
Das Straßenrennen der Elite führt am Sonntag zurück auf dieselben Straßen rund um den Mount Royal – allerdings wartet diesmal ein erheblich längerer Renntag. Insgesamt stehen 273,7 Kilometer, 3.803 Höhenmeter und zwölf Runden auf dem finalen Rundkurs in Montreal auf dem Programm.
Auch Evenepoels überragende Vorstellung im Einzelzeitfahren hat Horners Einschätzung dessen, was acht Tage zuvor beim GP Montreal passiert war, kaum verändert. „Wir alle haben erwartet, dass Remco Evenepoel gestern das Einzelzeitfahren der Männer bei der Radsport-WM gewinnt, was er natürlich getan hat“, sagte Horner. „Das erwarten wir. Es erlaubt uns aber keinen großen Blick durchs Schlüsselloch in die Zukunft, was das für das Straßenrennen bedeuten könnte.“
Um den Unterschied zwischen den beiden Disziplinen zu verdeutlichen, zog Horner Parallelen zu seiner eigenen Karriere. „Zu meiner Zeit wusste ich immer, dass ich in Zeitfahren Zeit verlieren würde – und manchmal habe ich sie gewonnen. Wenn ich in sehr, sehr guter Form war, konnte ich auch im Zeitfahren stark sein“, erinnerte sich der US-Amerikaner. „Für ausgewiesene Zeitfahrspezialisten gilt das Gegenteil. Sie gewinnen die Zeitfahren immer, aber sie müssen in sehr, sehr guter Form sein, um auch das Straßenrennen zu gewinnen.“
Evenepoel hat mittlerweile vier Titel bei der Radsport-WM im Einzelzeitfahren hintereinander gewonnen – nach Glasgow, Zürich und Kigali nun auch in Montreal. Auf der Straße umfasst seine Bilanz im selben Zeitraum unter anderem den WM-Titel von 2022 sowie den zweiten Platz hinter Tadej Pogacar im vergangenen Jahr.
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Kigali mahnt vor dem Straßenrennen zur Vorsicht
Bereits 2025 ging Evenepoel nach einem dominanten Triumph im Einzelzeitfahren mit großen Ambitionen in das Straßenrennen der Radsport-WM. Pogacar attackierte in Kigali mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel, während Evenepoel weiter hinten eine schwierige Phase durchlebte und zunächst den Anschluss an mehrere Verfolger verlor.
„Er hat das Einzelzeitfahren gewonnen, richtig? Aber dann konnte er Tadej Pogacar oder mehrere Fahrer, die Pogacar folgen wollten, nicht halten“, erinnerte Horner. „Wir reden von über 100 Kilometern bis ins Ziel beim Straßenrennen der Männer bei der Radsport-WM in Ruanda.“
Das belgische Team brachte Evenepoel später wieder zurück ins Rennen, woraufhin er sich schließlich zum stärksten Verfolger Pogacars entwickelte. Im Ziel gewann er mit 1:28 Minuten Rückstand auf den Slowenen die Silbermedaille. „Ja, mit Hilfe seiner Teamkollegen kam er später wieder ran. Ja, er zeigte danach eine großartige Verfolgung von Tadej Pogacar“, führte Horner aus. „Aber er kam nicht ohne deutliche Formdelle durch das Straßenrennen der Männer, sondern ist ein wenig explodiert – wie wir es in den vergangenen Jahren schon gesehen haben.“
Pogacar wird in Montreal nach seinem Sturz bei der Vuelta a Espana und dem damit verbundenen vorzeitigen Saisonende fehlen. Evenepoel wiederum geht in das Straßenrennen, nachdem er im Einzelzeitfahren wesentlich bessere Beine gezeigt hat als bei seinem fünften Platz beim GP Montreal.
Horner sieht dennoch keinen Anlass, die Aussichten des Belgiers kleinzureden. „Für das Straßenrennen der Männer in Montreal habe ich ihn als klaren Favoriten“, erklärte er. „Daran zweifle ich überhaupt nicht.“
Seixas und del Toro bringen starke Form mit
Auch Paul Seixas bestätigte im Einzelzeitfahren, wie gut ihm Montreal liegt. Nachdem der 19-Jährige beim GP Montreal hinter del Toro bereits den zweiten Platz belegt hatte, gewann er nun im Kampf gegen die Uhr die Bronzemedaille. Seixas verlor 1:13 Minuten auf Evenepoel und lediglich 15 Sekunden auf Ganna.
„Paul Seixas, der Franzose, zeigt uns damit eindeutig, dass er in guter Form ist, wenn er am Ende nur eine Minute und 13 Sekunden auf Remco Evenepoel verliert“, erklärte Horner.
Jakob Soderqvist befand sich ebenfalls auf Medaillenkurs, stürzte jedoch weniger als drei Kilometer vor dem Ziel. Am Ende blieb ihm hinter Brandon McNulty nur der fünfte Platz.
Auch del Toro schaffte den Sprung in die Top 10, verlor allerdings deutlich mehr Zeit auf Evenepoel als Seixas. „Man sieht: Okay, Isaac del Toro hat viel Zeit verloren, über eine Minute auf Remco Evenepoel, und das ist ein klarer Verlust“, sagte Horner. „Aber Isaac del Toro ist kein Zeitfahrspezialist.“
Del Toro und Seixas kehren am Sonntag auf jenen Rundkurs zurück, auf dem sie das Feld beim GP Montreal erst gut eine Woche zuvor distanziert hatten. Belgien verfügt unterdessen neben Evenepoel über eine weitere große Option: Wout Van Aert steht nach zwei Etappensiegen und dem Gewinn des Grünen Trikots bei der Vuelta a Espana am Start. Tiesj Benoot, Maxim Van Gils, Thibau Nys, Quinten Hermans, Alec Segaert und Gianni Vermeersch komplettieren eine hochkarätig besetzte belgische Achterauswahl.
„Team Belgien muss die Taktik richtig ausspielen“, betonte Horner. „Beobachtet, ob Wout Van Aert und Remco Evenepoel gut zusammenspielen – wovon ich ausgehe –, aber ist einer bereit, ein wenig früher zu gehen als der andere?“
Evenepoel hat Montreal bereits ein Regenbogentrikot abgerungen. Am Sonntag kehrt er nun an den Mount Royal zurück – gemeinsam mit den beiden Fahrern, die ihn beim GP Montreal geschlagen haben, mit Wout Van Aert an seiner Seite und weiteren 273,7 Kilometern zwischen der Startlinie und einem möglichen zweiten Titel im Straßenrennen der Radsport-WM.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








