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Giro d'Italia 2027 sorgt mit drei Formel-1- und Motorrad-Rennstrecken für Aufsehen – neue Sicherheitsstrategie soll Stürze verhindern

Radsport
durch Nic Gayer
Giro d’Italia-Trophäe bei der Teampräsentation 2026
Der Giro d'Italia 2027 wartet mit einer ungewöhnlichen Neuerung auf: Gleich drei Etappen führen über berühmte Motorsport-Rennstrecken. Zweimal wird das Peloton seine Etappe auf einer permanenten Rennstrecke beenden, während ein Einzelzeitfahren am legendären Autodromo Nazionale Monza beginnt. Dahinter steckt eine gezielte Sicherheitsinitiative der Veranstalter, die auf die zunehmenden Bedenken von Fahrern und Teams hinsichtlich der Gefahren im professionellen Straßenradsport reagieren wollen.
Bereits die vierte Etappe endet auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli in Misano Adriatico in der italienischen Region Emilia-Romagna. Eine Woche später steht mit dem Mugello Circuit in Scarperia in der Toskana ein weiterer spektakulärer Zielort auf dem Programm: Dort wird die elfte Etappe entschieden. Der dritte Abstecher in die Welt des Motorsports folgt auf der 15. Etappe, wenn das Einzelzeitfahren am Autodromo Nazionale Monza in der Lombardei gestartet wird.

„Auf einer Rennstrecke ist das Risiko geringer“ – neuer Giro-Chef setzt auf breite Straßen

Dass beim Giro 2027 gleich drei Motorsportanlagen in die Streckenführung eingebunden werden, ist kein Zufall. Luca Guercilena, der frühere Teammanager von LIDL-Trek, hat erst kürzlich die Führung von RCS Sport übernommen und setzt mit dieser Entscheidung einen seiner ersten wichtigen Akzente in seiner neuen Funktion. Bei der Präsentation der Giro-Strecke erklärte er, dass die Initiative unmittelbar auf Gespräche mit Profis und Mannschaften zurückgehe, die sich seit Längerem sicherere Bedingungen bei Zieleinfahrten wünschen.
Luca Guercilena beim Gran Piemonte 2026.
Luca Guercilena, ehemaliger Teammanager von LIDL-Trek und neuer Chef von RCS Sport, setzt beim Giro d'Italia 2027 auf Motorsport-Rennstrecken. Zwei Etappen enden in Misano und Mugello, ein Einzelzeitfahren beginnt in Monza. Die Initiative soll für sicherere Rennbedingungen sorgen.
„Die Initiative geht auf Gespräche mit Fahrern und Teams zurück, die sich sicherere Zieleinfahrten gewünscht haben. Auf einer Rennstrecke ist das Risiko geringer, denn die Straßen sind deutlich breiter“, erläuterte Guercilena die Überlegungen hinter der ungewöhnlichen Streckenplanung.

Motorsportstrecken als sichere Trainingsorte für Kinder und Nachwuchsteams

Mit der Einbindung der Rennstrecken verfolgt der neue RCS-Sport-Chef allerdings nicht nur das Ziel, die Sicherheit während der Italien-Rundfahrt zu erhöhen. Vielmehr möchte Guercilena damit eine grundsätzliche Diskussion darüber anstoßen, wie sich der Radsport auch außerhalb des Profibereichs sicherer gestalten lässt. Besonders der Breitensport soll langfristig von entsprechenden Initiativen profitieren.
Aus seiner Sicht könnten Motorsportanlagen eine wichtige Rolle bei der Nachwuchsförderung übernehmen. Abseits des öffentlichen Straßenverkehrs hätten junge Radsportler dort die Möglichkeit, ihre fahrerischen Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen zu verbessern, ohne den alltäglichen Gefahren des Verkehrs ausgesetzt zu sein.
„Diese Entscheidung ist Teil einer breiteren Überlegung dazu, wie wir sichere Trainingsorte schaffen können, an denen auch Kinder fahren können. Wir müssen solche Möglichkeiten für den Radsport fördern. Dabei denken wir beispielsweise an das Training von Nachwuchsteams. So können Familien beruhigt sein, weil ihre Kinder in einer sicheren Umgebung fahren“, erklärte Guercilena.

Tour de France 2023 als Warnung: Breitere Straßen verhindern nicht automatisch Stürze

Allerdings ist die Idee, ein Radrennen auf einer Motorsportstrecke enden zu lassen, keineswegs neu. Bereits bei der Tour de France 2023 führte die vierte Etappe auf den Circuit Paul Armagnac in Nogaro im Südwesten Frankreichs. Damals setzte sich Jasper Philipsen im Massensprint durch. Das Finale blieb jedoch nicht nur wegen des sportlichen Ausgangs in Erinnerung, sondern auch aufgrund mehrerer Stürze.
Die Ereignisse von Nogaro verdeutlichten, dass besonders breite Fahrbahnen allein noch keine Garantie für ein sicheres Rennen darstellen. Einige Fahrer kritisierten damals, dass die großzügigen Platzverhältnisse mehreren Gruppen ermöglichten, gleichzeitig von unterschiedlichen Seiten an die Spitze des Feldes vorzustoßen. Dadurch wurde der ohnehin intensive Positionskampf vor dem Sprint zusätzlich verschärft.
Die beiden Rennstrecken-Zieleinfahrten beim Giro d'Italia 2027 werden deshalb auch zu einem wichtigen Praxistest für die Sicherheitsstrategie der Veranstalter. Sie könnten zeigen, ob sich Motorsportanlagen tatsächlich als sicherere Alternative für Massensprints eignen. Welche Erfahrungen Fahrer und Teams dabei sammeln, dürfte nicht zuletzt Einfluss darauf haben, ob künftig weitere bestehende Rennstrecken in die Planung großer Radsportveranstaltungen einbezogen werden.
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