Paul Seixas ist ein Fahrer mit vielen Qualitäten auf dem Rad, doch manche Facetten des Profiradsports lernt man nur mit Erfahrung und Zeit. Mit 19 Jahren ist er noch nie als Elitefahrer eine Mannschaftszeitfahrt gefahren. Die heutige bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes wird seine erste sein und ein
entscheidender Test vor der
Tour de France.
Seixas’ erste MZF als Profi
Die MZF ist ein hochspezifischer Einsatz. Abstimmung zwischen den Fahrern, enge Abstände, Länge und Intensität der Führungen an der Spitze der Gruppe... Viele Variablen spielen hier eine Rolle, die es im Straßenrennen oder im Einzelzeitfahren so nicht gibt. Und Seixas muss sie im WorldTour-Peloton erst noch lernen.
„Darum sind wir ziemlich gespannt, was das bringen wird. Das ist etwas, das man nur im Rennen lernen kann“, sagte
Luke Rowe im Gespräch mit
Het Nieuwsblad. „Man kann üben, trainieren und so viel wie möglich abfahren, sogar auf gesperrten Strecken, es ist nie mit einem echten Rennen vergleichbar. Allein schon wegen der Geschwindigkeit. Im modernen Radsport musst du vom Start weg mit der Grenze flirten, an der dir die Beine explodieren. Du musst ständig spüren, dass in jeder Sekunde etwas schiefgehen kann.“
Zudem führt die heutige, 23 Kilometer lange Strecke in der ersten Hälfte über zwei kurze Anstiege. Das macht den Einsatz deutlich härter und die Krafteinteilung komplexer. Bei der Tour de France wird es ähnlich sein, die Organisatoren meiden klassische Flachkurse. „Das kannst du im Training nicht imitieren. Dort bekommst du vielleicht das Gefühl, dass die Mannschaftszeitfahrt gut läuft. Wenn du dieses Gefühl im Rennen hast, heißt das schlicht, dass es nicht schnell genug ist.“
„Es darf nicht reibungslos wirken. Und wenn du dich bei der Streckenbesichtigung oder im Training vertust, hat das keine Folgen. Im Rennen zahlst du per Definition bar: Entweder du stürzt, oder du verlierst viel Zeit. Dieses Gefühl, dieses Bewusstsein, muss sich Paul aneignen.“
Decathlon bereit für eine MZF auf hohem Niveau
Das französische Team macht keinen Hehl daraus, dass heute vor allem Erfahrung und Abstimmung zählen und ein Sieg wohl nicht realistisch ist. Nach dem Ausstieg von Matthew Riccitello auf der ersten Etappe ist die Mannschaft zu sechst unterwegs. Seixas wird dennoch von starken Zeitfahrern wie Stefan Bissegger und Daan Hoole unterstützt, um das Team in eine gute Ausgangslage zu bringen.
Da Seixas sich in der Disziplin ebenfalls stark entwickelt, ist es gut möglich, dass er einigen Rivalen sogar Zeit abnimmt. „Körperlich ist das überhaupt kein Problem. Und taktisch haben wir im Winter sehr viel an dieser Disziplin gearbeitet, auch auf gesperrten Kursen. Das werden wir vor der Tour ebenfalls weiter tun.“
Rowe ist gespannt auf das Ergebnis, denn auch bei der Tour könnte ein starkes Ergebnis in Barcelona das Team ins Gelbe Trikot bringen. „Mannschaftszeitfahren hat man nicht oft. Das wird die perfekte Generalprobe.“