Felix Gall hat beim Giro d’Italia 2026 inzwischen eine bemerkenswerte Serie hingelegt: Rang zwei am Blockhaus, Rang zwei am Corno alle Scale, Rang zwei in Pila – und nun auch Rang zwei in Cari. Ohne
Jonas Vingegaard und Visma - Lease a Bike würde der Österreicher womöglich einen Giro für die Ewigkeit fahren.
Doch als das Feld in die Schlusswoche dieser Rundfahrt einbog, musste sich Gall zum vierten Mal mit Platz zwei begnügen. Wieder war Vingegaard zu stark, wieder blieb dem Fahrer des Decathlon CMA CGM Teams nur die Rolle des ersten Verfolgers.
Gall kann Vingegaards Attacke nicht folgen
Die Etappe war kurz und explosiv, brachte aber dennoch 3000 Höhenmeter und wurde von Beginn an mit hohem Tempo gefahren. Gall und seine Mannschaft profitierten lange von der Arbeit von Visma - Lease a Bike, doch der Schlussanstieg nach Cari mit mehr als elf Kilometern und über acht Prozent Durchschnittssteigung ließ kaum taktischen Spielraum.
Felix Gall bleibt beim Giro d’Italia der stärkste Verfolger von Jonas Vingegaard und kämpft um Rang zwei der Gesamtwertung
Visma - Lease a Bike bereitete den Angriff von Jonas Vingegaard meisterhaft vor. Nach einem brutalen Lead-out, den Davide Piganzoli abschloss, attackierte der Däne mehr als sechs Kilometer vor dem Ziel. Wie schon auf den anderen Bergetappen war Gall der Erste, der reagierte – und der Einzige.
Kurz nach der Beschleunigung merkte der Österreicher jedoch, dass er dem Träger des Rosa Trikots nicht folgen konnte. Auch ein längerer Soloritt vor seinen direkten Konkurrenten war an diesem Tag nicht möglich.
„Ich dachte, ich könnte es machen wie auf den letzten harten Etappen, einfach mein eigenes Tempo fahren, aber ja, das war heute nicht möglich“, sagte Gall gegenüber
CyclingPro.net. „Dann sah ich, dass Thymen [Arensman] noch [Egan] Bernal zur Unterstützung hatte, und ich wusste vom flachen Abschnitt. Da dachte ich, es wäre sinnvoller, auf sie zu warten.“
Visma - Lease a Bike bestimmt den Giro, Gall erkennt es an
Gall lag zwischenzeitlich auf Rang zwei der Gesamtwertung, nachdem Afonso Eulalio aus der Gruppe der Klassementfahrer zurückgefallen war. Damit nahm der Kampf um den zweiten Platz noch einmal richtig Fahrt auf. Sein Vorsprung auf Thymen Arensman und Jai Hindley ist zwar gering, doch Gall war nicht in der Pflicht, selbst anzugreifen.
Netcompany INEOS hielt das Tempo bis ins Ziel hoch. Auf den letzten Metern eröffnete Gall den Sprint früh, um den zweiten Platz auf der Etappe zu sichern. Weil er die besten Beine hatte, konnte er seinen Vorsprung auf die Rivalen um einige Sekunden ausbauen.
„Ich bin ziemlich tief gegangen, aber ja, um wieder ein paar Sekunden gutzumachen. Es war eine sehr kurze, sehr intensive Etappe. Mein Team hat wieder einen richtig guten Job gemacht, und es ist auch ein starker Start in die dritte Woche.“
Gall nimmt die 17. Etappe mit 24 Sekunden Vorsprung auf Arensman und 57 Sekunden auf Hindley in Angriff. Die beiden verbleibenden Bergetappen sind extrem schwer, solche Abstände können schnell schrumpfen. Der Österreicher hat nun jedoch den Vorteil, kontrolliert fahren und seinen zweiten Platz verteidigen zu können.
Der Gesamtsieg oder ein Etappenerfolg wirken dagegen unrealistisch, solange Vingegaard in dieser Form vor ihm fährt. „Ich meine, sie [Visma] haben wieder gezeigt, wer hier das Sagen hat, auch als Team. Das ist wirklich beeindruckend und ja, Jonas macht einfach sein Ding“, sagte Gall.