Giro d’Italia 2026, Etappe 17: Vorschau, Profile, Favoriten & Prognosen – Ausreißer-Lotterie auf alpiner Achterbahn-Etappe

Radsport
Dienstag, 26 Mai 2026 um 17:28
GiroDitalia2026_JhonatanNarvaez
Der Giro d’Italia 2026 findet vom 08. bis 31.05. statt. Es ist die erste Grand Tour der Saison, mit 21 Etappen durch viele ikonische Städte Italiens, die mythischen Alpen und zahlreiche tückische Abschnitte – jede kann den Kletterern die Siegchancen rauben. Wir blicken auf Etappe 17, die voraussichtlich um 12:00 startet und gegen 17:05 CET endet.

Streckenprofil Etappe 17: Cassano d'Adda - Andalo

Strecke Giro dItalia 2026: Etappe17
Etappe 17: Cassano d'Adda - Andalo, 201 Kilometer
Eine ungewöhnliche Etappe, prädestiniert für eine erfolgreiche Ausreißergruppe, allerdings mit flachem Auftakt. Der Giro hat erneut ein Teilstück für Ausreißer-Spezialisten, Klassikerfahrer und Puncheure entworfen, in dem aber auch einige Kletterer mitmischen können.
Nach 55 komplett flachen Kilometern folgen zahlreiche kleine Anstiege, obwohl wir uns mitten in den Alpen bewegen. Keine Steigung ist extrem lang oder steil, Unterschiede sind möglich, doch das Rennen wird vor allem auf den Tälern dazwischen geprägt.
Die Klassementfahrer können hier kaum Differenzen herausfahren, ein Sprint ist unrealistisch. In Woche drei wollen viele Kräfte sparen und können das auf dieser welligen, kräftezehrenden Strecke tun. Die Schlussstunden bieten mehrere Wellen und insgesamt einen meist ansteigenden Verlauf.
Dann wartet der Red Bull Kilometer an einem anspruchsvollen Anstieg 15 Kilometer vor dem Ziel, nicht kategorisiert, aber mit Potenzial für Abstände. Insgesamt endet dieser Abschnitt bei 10 Kilometern Restdistanz und misst 8,3 Kilometer mit 3,6 %.
Die Fahrer erreichen Andalo, fahren hinab und klettern erneut hinauf. Ein sehr schneller Anlauf auf die letzten 2 Kilometer, die in einem Zielanstieg münden: 2,3 Kilometer mit 6,8 %.
Im GC-Kampf ist das kein Terrain, um Zeit gutzumachen, doch gute Beine sind nötig, um im Finale keine Sekunden zu verlieren – ein mögliches Signal an Rivalen vor den Schlüsseltagen.
Finale_Etappe17
Finale Etappe 17

Die Favoriten

200 Kilometer auf dem Programm, zwei Schlüsseltage im Hochgebirge voraus und ein Visma-Team ohne jedes Interesse an einer Verfolgung – mit vier Etappensiegen, darunter einer in Rosa, sowie dem sicheren Rosa Trikot auf den Schultern. Das Finale ist hart, aber nicht hart genug für große Differenzen. Entsprechend fehlt es an Teams, die diesen Tag mit vielen kurzen Anstiegen und langen Tälern kontrollieren wollen.
Die Ausreißer werden durchkommen, mit 99 % Wahrscheinlichkeit. Die Klassementfahrer wollen heil durchkommen, vielleicht sehen wir eine Attacke von Afonso Eulálio am letzten Anstieg – seine Explosivität passt, und seine Form stimmt.
Der Etappensieg wird vorne vergeben, daran gibt es keinen Zweifel. Wer von Beginn an attackiert, fährt um den Tagessieg, doch in die Gruppe zu kommen, wird schwer. Wie in Verbania erschwert der komplett flache Auftakt das Selektieren. Ja, einige Teams können Tempo machen und ihre Kletterer am ersten Anstieg in eine Gruppe schicken, aber bis dahin liegt eine ganze Rennstunde. Wahrscheinlich setzen sich zunächst wenige Fahrer ab; deren Teams können anschließend das Feld „tamponieren“ und weitere Attacken unterbinden. So könnte eine gemischte Gruppe entstehen – Rouleurs, Kletterer, Klassiker-Spezialisten… Sogar ein Paul Magnier, der Punkte für den Maglia-ciclamino-Kampf sammeln will.
Entscheidend sind vor allem Form und Momentum – wir sind in Woche drei, die Hierarchien sind klar. Bei den Kletterern sind Namen wie Giulio Ciccone, Einer Rubio, Enric Mas, Jan Hirt, Markel Beloki, Filippo Zana, Gianmarco Garofoli, Igor Arrieta zu nennen. BORA hat Aleksandr Vlasov in der Hinterhand, und Giulio Pellizzari hat nach dem GC-Verlust nun freie Fahrt.
Spannend ist ein mögliches GC-Nebenrennen. Jeder weiß, dass es ein Ausreißertag ist, daher könnten einige Klassementfahrer versuchen, sich in die Gruppe zu schleichen, Minuten gutzumachen und in die Top 10 zu springen – und zugleich auf den Etappensieg zu fahren. Damiano Caruso, David de la Cruz, Gregor Muhlberger und Johannes Kulset sind hier ernsthafte Optionen.
Klassiker-Spezialisten zählen zu den Topfavoriten, etwa Jhonatan Narváez und Jan Christen bei UAE; Diego Ulissi, Alberto Bettiol und Guillermo Thomas Silva bei Astana; zudem Michael Valgren, Matteo Sobrero und Andreas Leknessund.
Auch Rouleurs sind nicht aus dem Spiel. Das Finale ist hart, aber kein reiner Kletterabschluss, und der flache Beginn sowie viele flache Passagen in der zweiten Hälfte begünstigen frühe Attacken mit solidem Vorsprung (die berühmte „fuga de la fuga“). Jasper Stuyven, Lorenzo Milesi oder Magnus Sheffield.

Prognose Giro d’Italia 2026, Etappe 17

⭐⭐⭐Giulio Ciccone, Jhonatan Narváez
⭐⭐ Jan Christen, Andreas Leknessund, Einer Rubio, Guillermo Thomas Silva
⭐ Jonas Vingegaard, Enric Mas, Igor Arrieta, Aleksandr Vlasov, Damiano Caruso, Alberto Bettiol, Diego Ulissi, Michael Valgren, Matteo Sobrero, Jasper Stuyven, Lorenzo Milesi, Magnus Sheffield
Tipp: Jhonatan Narváez
So: Kopfentscheidung: Narváez springt am ersten Anstieg des Tages in die Gruppe und gewinnt anschließend den Sprint einer kleinen Spitzengruppe.
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