„Wenn ich ihm helfen kann ...“ – Jonas Vingegaard macht den Giro d’Italia praktisch perfekt und will Davide Piganzoli unterstützen

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 26 Mai 2026 um 18:30
Jonas Vingegaard Giro de Italia 2026
Jonas Vingegaard beherrscht den Giro d’Italia 2026 weiter mit eiserner Hand. Der Kapitän von Visma - Lease a Bike gewann in Cari seine vierte Etappe dieser Rundfahrt – und erstmals im Maglia Rosa.
Es war womöglich sein bislang wichtigster Sieg bei diesem Giro. Denn Vingegaard baute seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus und setzte seinen Rivalen an einem Alpentag, der wie gemacht für ihn schien, den nächsten schweren Schlag.

Visma - Lease a Bike setzt den Plan perfekt um

Im Gesamtklassement vergrößerte der Däne seinen Vorsprung auf Felix Gall auf vier Minuten. Das Gefühl der Überlegenheit war vollkommen, zumal der Plan von Visma - Lease a Bike von Beginn an klar erkennbar war – und mit beinahe chirurgischer Präzision umgesetzt wurde.
Jonas Vingegaard gewinnt in Cari erstmals im Rosa Trikot und baut seine Führung beim Giro d’Italia weiter aus
Jonas Vingegaard gewinnt in Cari erstmals im Rosa Trikot und baut seine Führung beim Giro d’Italia weiter aus
„Alles lief exakt nach Plan. Wir wollten heute auf den Etappensieg fahren“, erklärte der zweifache Tour-de-France-Sieger gegenüber CyclingPro.net und machte deutlich, dass dieser Tag im Team von Anfang an rot markiert gewesen war.
Vingegaard rückte nach dem Ziel vor allem seine Teamkollegen in den Mittelpunkt. Sie waren entscheidend dafür, das Rennen früh schwer zu machen und die wichtigsten Konkurrenten bereits vor dem Schlussanstieg nach Cari zu isolieren. Die Ausreißer erhielten nie viel Spielraum, sodass Visma - Lease a Bike den vierten Tag mit Bergankunft konsequent nutzen konnte.
„Meine Teamkollegen waren heute unglaublich. Sie haben alles perfekt gemacht. Sie kontrollierten die Gruppe, sorgten dafür, dass es die richtige war, und dass die Jungs vorne keine Helfer hatten.“
Über weite Strecken kontrollierte Visma - Lease a Bike die Etappe nahezu vollständig. Das Team dosierte die Abstände, erhöhte das Tempo nach Belieben und verwandelte den Schlussanstieg in ein Ausscheidungsfahren – bis Vingegaard selbst die entscheidende Attacke setzte.
„Am letzten Berg haben sie ein sehr hohes Tempo angeschlagen und dann musste ich alleine gehen“, sagte der Giro-Leader, auf dessen Angriff seine Rivalen erneut keine Antwort fanden.

Sieg in Rosa als besonderes Ziel

Neben dem Ausbau seiner Gesamtführung gab Vingegaard zu, dass hinter diesem Erfolg auch ein emotionaler Antrieb stand: sein erster Etappensieg im Rosa Trikot.
„Es ging mir nicht so sehr darum, weitere Zeit auf Felix Gall gutzumachen. Ich wollte auch eine Etappe im Rosa Trikot gewinnen“, erklärte er.
Auch der Ort dieses Erfolgs war für ihn nicht beliebig. Der Däne sprach von einer besonderen Verbindung zur Schweizer Region rund um das Etappenziel – einer Gegend, in der er viel trainiert und gelebt hat.
„Und wo könnte ich das besser tun als hier in der Schweiz? Ich habe hier ziemlich viel Zeit verbracht. Mir gefällt diese Gegend sehr. Es ist ein besonderer Ort für mich.“

Dominanz aus dem Kollektiv

Obwohl Vingegaard bereits vier Etappensiege gesammelt hat und den übrigen Favoriten derzeit überlegen scheint, verteilte er das Lob weiter auf die gesamte Struktur von Visma - Lease a Bike.
„Es ist sehr schön, schon vier Etappen zu haben, aber ich muss auch meinen Teamkollegen danken. Es ist nicht so, dass wir das mit einem Bein machen. Wir müssen die Pedale immer noch drücken“, scherzte er.
Der Däne hob besonders den Einsatz seiner Helfer hervor, die sich vollständig dem Schutz seiner Führung verschrieben haben und jeden Bergetag zu einer Prüfung für die Konkurrenz machen. „Sie lassen alles auf der Straße“, fügte er hinzu.

Das Weiße Trikot rückt in den Fokus

Mit einem scheinbar kontrollierten Gesamtklassement und noch fünf ausstehenden Etappen deutete Vingegaard an, dass Visma - Lease a Bike weitere strategische Ziele ins Auge fassen könnte. Im Mittelpunkt steht dabei Davide Piganzoli.
Der Italiener, Vingegaards Teamkollege, kämpft weiter um das Weiße Trikot des besten Jungprofis. Vingegaard machte deutlich, dass er Piganzoli nach dessen enormer Arbeit im bisherigen Rennverlauf gerne unterstützen würde. Der Italiener hat sich selbst im Gesamtklassement nach vorne geschoben und muss etwas mehr als zwei Minuten auf Afonso Eulalio gutmachen.
„Davide hat so viel für mich getan und er ist ein großartiger Kerl. Wenn ich ihm auch nur ein bisschen helfen kann, würde ich das liebend gern tun“, sagte Vingegaard.
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