„Evenepoel ist ein sehr guter Klassikerfahrer, aber kein Fahrer für dreiwöchige Rundfahrten“ – Tour-de-France-Sieger warnt den Belgier

Radsport
Samstag, 04 Juli 2026 um 11:34
Remco Evenepoel
Remco Evenepoel hat vor der Tour de France 2026 einen Ratschlag erhalten, der ihm wohl gefallen dürfte. Als Kapitän von Red Bull - BORA Hansgrohe peilt der Belgier Sieg oder Podium bei der Grande Boucle an.
Nach Ansicht des letzten belgischen Toursiegers Lucien Van Impe wäre Evenepoel jedoch besser beraten, das grüne statt das gelbe Trikot ins Visier zu nehmen. Die scharfe Einschätzung fußt auf der Analyse, dass er nicht für einen Gesamtklassment-Angriff bei der Tour gebaut sei.
2024 lieferte Evenepoel seine bislang stärkste Kletterleistung und wurde Gesamtdritter. Trotz eigener Bestwerte fehlte ihm in den Hochalpen jedoch deutlich der Anschluss an Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard.
Er gewann zwar die Vuelta a España 2022, doch Legende Van Impe glaubt nicht, dass er ein Fahrer für dreiwöchige Rundfahrten ist – vor allem nicht für die Tour de France. Das werde zum Problem, wenn er weiterhin den Juli zum Hauptziel mache.
Van Impe sagte Het Nieuwsblad: „Wissen Sie, was Evenepoels Problem ist? Er ist ein sehr guter Klassikerfahrer, aber kein Grand-Tour-Fahrer. Und ein guter Klassikerfahrer kann an einem perfekten Tag eben auch mal die Vuelta a España gewinnen.“

Tour de France: minimale Fehlertoleranz

Als Hauptgrund für das Scheitern von Klassikerstars auf Grand-Tour-Niveau nennt er die minimale Fehlertoleranz: „Das gab es schon: Freddy Maertens, Laurent Jalabert, Sean Kelly. Aber die Tour ist eine ganz andere Geschichte. Sie ist so schwer, so hart, und man muss jeden einzelnen Tag top sein. Beim kleinsten Aussetzer verliert man Minuten. Deine Erholungsfähigkeit muss bei 100 Prozent liegen.“
„Wenn sie darunter liegt, gewinnst du nie“, so Van Impe. „Sind es 98 Prozent? Dann kannst du bestenfalls Zweiter werden. 95 Prozent? Dann vielleicht Dritter. Genau da hat Evenepoel Defizite. Wenn du es nicht hast, dann hast du es nicht.“
Trotz der klaren Worte betont Van Impe, dass er Evenepoel keineswegs für einen schlechten Fahrer hält, er solle nur seinen Fokus anpassen. Den Kampf um ein Tour-Podium vergleicht er damit, sich „kaputtzufahren“.
Er schloss: „Nur weil ich meine Meinung sage, heißt das nicht, dass er kein guter Fahrer ist. Aber es wäre besser, auf Etappen und das Grüne Trikot zu gehen. Sich wieder kaputtzufahren, um am Ende bestenfalls Dritter zu werden: Das würde ich nicht tun.“
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