Die
Flandern-Rundfahrt 2026 bot ein eindrucksvolles Duell zwischen Mathieu van der Poel und
Tadej Pogacar, wobei
der Slowene seinen dritten Sieg bei De Ronde feierte. Ein Schlagabtausch zwischen diesen beiden Stars war erwartet worden, doch die Art und Weise des Finales und die Ereignisse, die zum Ausgang führten, hinterließen bei
Chris Horner einen bitteren Beigeschmack.
Horner seziert die Fehler der Favoriten bei De Ronde 2026
Der Schlüsselpunkt des Rennens war der Molenberg, mehr als 100 Kilometer vor dem Ziel. Schon in der Anfahrt zog UAE-Profi Nils Politt das Feld in einer kurzen Windstaffel brutal in die Länge. Das hatte zwei Folgen: Zum einen entlarvte es die Unaufmerksamkeit mancher Favoriten wie Wout van Aert und Mads Pedersen, die nur knapp in die erste Gruppe sprangen. Zum anderen zeigte es, dass Pogacars Gegner aus früheren Ausgaben nichts gelernt hatten.
Schließlich setzte sich eine 16-köpfige Gruppe vom Peloton ab. Pogacar hatte mit Florian Vermeersch noch einen Helfer dabei, ein ideales Szenario, in dem er nicht jede Attacke selbst parieren musste. Falls überhaupt Attacken gekommen wären.
Tatsächlich rotierten alle Teams in dieser Gruppe zusammen mit dem Topfavoriten. So holte man nicht nur die frühe Ausreißergruppe ein, sondern erreichte den zweiten Anstieg des Oude Kwaremont weitgehend geschlossen.
Am Fuß des Kwaremont lancierte Pogacar sofort eine Attacke – laut Horner die perfekte Gelegenheit, den Slowenen Körner verbrennen zu lassen, während dahinter organisiert gejagt wird. Nur: Das passierte nicht.
Einer schien den Moment zu lesen: der alleinige Lidl-Trek-Kapitän Mads Pedersen. „Er nahm raus und ließ den Slowenen fahren“, betont Horner in seiner
YouTube-Analyse. „Das ist mit 58 Kilometern Rest die klügste Option – Pogacar solo ziehen lassen.“
Die kurze Hoffnung verpuffte jedoch rasch: „Aber wisst ihr was? Wout van Aert setzt nach und schließt zu Pogacars Hinterrad auf. Das ist ein kapitaler Fehler.“
Wout Van Aert am Hinterrad von Tadej Pogacar am Oude Kwaremont
Darum fährt man nicht mit Pogacar durch
Der Belgier wirkt wie seine Version von 2022, fast bequem am Hinterrad des Slowenen … und wo ist Van der Poel? Der Niederländer pennt den Auftakt des Anstiegs und muss nun viel investieren, um zur Spitze zu springen, während er an abgehängten Fahrern, darunter Pedersen, vorbeifliegt. Van der Poel und Evenepoel kämpfen sich zum Weltmeister zurück und hängen gerade so dran, während Van Aerts Traum nur wenige Meter unter dem Kamm des Anstiegs platzt.
Doch damit nicht genug: Der steile Paterberg wartet schon. Und Evenepoel bringt die beiden Rivalen bis an den Fuß, nur um nach 100 Metern am Anstieg abzureißen. Damit steht der dreifache Sieger Van der Poel allein Pogacar gegenüber. Nimmt er nun die Beine hoch? Nein. Und das ist sein letzter Fehler, denn Pogacar kennt keine Gnade, distanziert Van der Poel über die finale Kwaremont-Paterberg-Kombination und gewinnt souverän.
„Jetzt zerlegt er alle und erinnert euch an die erste Grundregel, wenn ihr die Flandern-Rundfahrt fahrt: ‚Zieht Tadej Pogacar nicht herum‘, während er solo oben drüber fährt“, starrt Horner fassungslos auf den Bildschirm.
„Ihr seid alle Hohlköpfe. Eure Sportlichen Leiter sollte man feuern. Euch sollte man zurück in den Amateurbereich schicken, denn ihr habt keinerlei Ahnung, wie man ein Radrennen fährt“, schimpft der Vuelta-a-España-Sieger von 2013 über die Sonntags-Taktik.
Mathieu van der Poel, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel auf dem Podium der Flandern-Rundfahrt 2026
„Tadej Pogacar, du bist außergewöhnlich. Chapeau“, applaudiert Horner dem Slowenen und richtet den Blick auf die Hölle des Nordens: „Pogacar will natürlich nach Paris–Roubaix mit Siegchancen fahren, um 2026 alle fünf Monumente zu gewinnen. Und wenn alle weiter so fahren wie bei der Flandern-Rundfahrt, kann man ihm die Trophäe gleich jetzt geben, denn alles, was ich heute gesehen habe, war reine Hohlkopferei von allen.“