„Es wird noch eine Weile dauern, bis es einsinkt“ – Afonso Eulálio über Durchbruch beim Giro d’Italia und mögliches Duell mit Pogacar im Juni

Radsport
Dienstag, 02 Juni 2026 um 14:00
Afonso Eulalio
Afonso Eulálio kehrte am Montag mit einem dezenten Lächeln nach Portugal zurück – im Bewusstsein, soeben eines der größten Resultate des portugiesischen Radsports der letzten Jahre abgeliefert zu haben. Der Bahrain - Victorious-Profi landete am Flughafen Francisco Sá Carneiro in Porto, einen Tag nachdem er den Giro d’Italia in einem beeindruckenden sechsten Gesamtrang beendet und zudem das Weiße Trikot der Nachwuchswertung gewonnen hatte.
Trotz der Dimension seiner Leistung als improvisierter Kapitän bei seiner Grand-Tour-Premiere wirkte der 24-Jährige ruhig – und noch dabei, all das, was er auf italienischem Asphalt erlebt hat, einzuordnen.
„Ich fühle mich gut. Vor allem will ich den Moment jetzt genießen, ein wenig ausruhen, das ist alles. Ich glaube, es wird noch etwas dauern, bis es einsickert. Ich weiß, dass ich etwas Gutes geschafft habe, aber es braucht wohl noch Zeit, bis es richtig ankommt“, bekannte der junge Fahrer aus Figueira da Foz im Gespräch mit dem Jornal de Noticias.

Chance nach Rückschlägen im Team

Die Leistung von Afonso Eulálio gewann zusätzlich an Gewicht durch den Kontext. Der Portugiese übernahm bei Bahrain - Victorious unerwartet Verantwortung, nachdem die Mannschaft früh im Rennen mit Santiago Buitrago eine zentrale Gesamtklassement-Stütze verloren hatte.
Ohne den anfänglichen Druck, um die Spitzenplätze zu kämpfen, rückte der Portugiese durch eine Flucht mit Igor Arrieta von UAE Team Emirates - XRG auf der 5. Etappe nach vorne und steigerte sich von Tag zu Tag. In den Bergen fuhr er konstant, zeigte starke Erholungsfähigkeit und taktische Reife gegen einige der besten Kletterer im internationalen Peloton.
„Ich habe immer gut gearbeitet, werde weiter arbeiten, und dann ergeben sich die Dinge von selbst. Wir haben meinen Teamkapitän verloren und nun, so kam meine Chance. Es hat sich so gefügt, und ich habe alles gegeben“, erklärte er.
Das Endergebnis machte den jungen Portugiesen zu einer der großen Entdeckungen dieses Giro d’Italia – in einem Rennen, in dem mehrere als Gesamtanwärter gehandelte Fahrer über die drei Wochen hinweg hinter den Erwartungen blieben.
Afonso Eulálio stürzte auf der 18. Etappe und sorgte bei Team und portugiesischen TV-Zuschauern für einen gehörigen Schreckmoment.
Afonso Eulálio stürzte auf der 18. Etappe und erschreckte damit sogar das Team… und die Portugiesen, die gebannt vor dem Fernseher mitfieberten. 

Klassiker bleiben die erste Wahl

Trotz seiner stabilen Auftritte in den italienischen Hochalpen und der gezeigten Robustheit über drei Wochen sieht sich Afonso Eulálio noch nicht als ausgewiesenen Grand-Tour-Fahrer.
Auf seine Zukunft und eine mögliche Ausrichtung auf Gesamtwertungen bei den wichtigsten Rennen angesprochen, blieb der Portugiese vorsichtig und räumte ein, dass ihn die Klassiker weiterhin besonders reizen.
„Ich weiß es nicht. Die Klassiker mag ich doch deutlich lieber“, sagte er – und ließ zugleich eine schrittweise Entwicklung innerhalb der Bahrain-Struktur offen.
„Natürlich arbeiten wir im Team weiter, vielleicht mit Blick auf einwöchige Rundfahrten, und arbeiten generell weiter. Vor allem geht es darum, dranzubleiben und zu sehen, was in Zukunft möglich ist“, sagte er.

Mehr Verantwortung bei Bahrain - Victorious

Mit Rang sechs beim Giro und dem Weißen Trikot sind die Erwartungen an den Portugiesen im internationalen Peloton deutlich gestiegen. Er selbst erkennt an, dass sich sein interner Status in den kommenden Monaten ändern könnte.
„Ich denke, jetzt wird das Team immer mehr von mir verlangen. Aber wir werden sehen. Vorerst hoffe ich, dass sie mir etwas Ruhe gönnen, und dann bereiten wir die zweite Saisonhälfte vor“, merkte er an.
Nach drei extrem fordernden Wochen in Italien will Eulálio nun erst einmal Kraft tanken, bevor der Kalender für den Rest der Saison festgezurrt wird.

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Tour de Suisse rückt in den Blick

Trotz des klaren Erholungsbedarfs könnte der Fahrer aus Figueira da Foz bald wieder ins Renngeschehen einsteigen. Die Tour de Suisse ist für Juni eine realistische Option, auch wenn es noch keine offizielle Bestätigung gibt.
„Wahrscheinlich in zwei Wochen bei der Tour de Suisse, aber es ist noch nicht sicher. Mal sehen, ob ich pausiere, um die zweite Saisonhälfte besser vorzubereiten, oder ob ich die Schweiz fahre“, schloss er.
Sollte das Team Eulálio in die Schweiz schicken, trifft er dort auf einen weiteren großen Namen des Pelotons: Tadej Pogacar, der bekanntlich die Schweizer Rundfahrt bestreiten wird. Zudem sind weitere Stars wie Primoz Roglic und Tom Pidcock bestätigt.
Unabhängig von der Teamentscheidung ist der Name Afonso Eulálio durch diesen Giro d’Italia nachhaltig aufgewertet. Mit 24 Jahren hat der Portugiese die nächste Stufe erklommen und den Eindruck hinterlassen, dass der portugiesische Radsport einen weiteren Fahrer haben könnte, der Gesamtwertungen auf höchstem Niveau anvisieren kann.
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