„Es sind zwei junge Fahrer mit unterschiedlichem Charakter“: Patxi Vila entschärft die Spannungen zwischen Evenepoel und Lipowitz

Radsport
Samstag, 11 Juli 2026 um 7:00
Florian Lipowitz und Remco Evenepoel gemeinsam bei der Tour de France 2026
Die sechste Etappe der Tour de France lieferte weit mehr als die Machtdemonstration von Tadej Pogacar am Tourmalet. Im Lager von Red Bull-BORA-hansgrohe entstand leichte Spannung, nachdem Remco Evenepoel öffentlich seinen Unmut über Florian Lipowitz geäußert hatte, weil der Deutsche ihn am entscheidenden Punkt des Anstiegs aus seiner Sicht nicht unterstützt habe.
Der belgische Meister machte seinem Ärger direkt im Ziel Luft. Evenepoel erklärte, er habe seinen Teamkollegen in den letzten Kilometern um Unterstützung gebeten, doch Lipowitz’ Reaktion sei nicht wie erhofft ausgefallen. Aussagen, die sofort die Debatte über das Miteinander der beiden großen Trümpfe der deutschen Formation fürs Gesamtklassement anheizten.
Aus der sportlichen Leitung kam jedoch prompt der Versuch, die Wogen zu glätten. Patxi Vila, Performance-Chef bei Red Bull - BORA - hansgrohe, trat im Ziel der siebten Etappe vor die Mikrofone, um zur Ruhe aufzurufen und klarzustellen, dass die Situation weit davon entfernt sei, zu einem internen Problem zu werden.
„Ich glaube, ihr habt alles gesehen, was in den sozialen Netzwerken kursiert, deshalb gibt es nicht viel mehr hinzuzufügen“, sagte der Spanier, sich der Wirkung der Worte von Evenepoel bewusst.

„Probleme löst man, indem man miteinander spricht“

Für Vila ist die Lösung deutlich einfacher, als es von außen vermutet wird. „Das klärt man im Gespräch. Wir sind Menschen, wir sind menschlich, und jeder hat sein Temperament und seinen Charakter“, erklärte er.
Der Navarrese erinnerte daran, dass das Managen unterschiedlicher Persönlichkeiten zum Alltag eines Radsportteams gehört und dass Situationen wie diese in einem so fordernden Rennen wie der Tour de France üblich sind.
„Unsere Aufgabe ist es genau, Menschen mit unterschiedlichem Charakter dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. Mehr ist nicht passiert“, stellte er unmissverständlich klar.
Der Performance-Verantwortliche der deutschen Mannschaft deutete zudem an, dass der Vorfall aufgrund der medialen Strahlkraft der Protagonisten überhöht worden sei. „Oft wird den Dingen mehr Bedeutung beigemessen, als sie verdienen“, fügte er an.
Tatsächlich ordnete Vila das Zerwürfnis als vollkommen normalen Vorgang zwischen zwei jungen Fahrern ein, die ähnliche Ziele und einen ausgeprägten Wettbewerbsgeist teilen.
„Es sind schlicht zwei junge Menschen mit unterschiedlichem Charakter, die zusammenarbeiten müssen, und damit hat es sich. Es ist nichts weiter passiert“, schloss er.
Die Lage unterstreicht dennoch das fragile Gleichgewicht, das Red Bull-BORA-hansgrohe in den kommenden Wochen managen muss. Evenepoel bleibt die große Referenz des Teams im Kampf ums Podium, doch der Auftritt von Lipowitz, der eine bemerkenswerte Tour de France fährt, macht ihn ebenfalls zu einer wertvollen Option fürs Gesamtklassement.
Vorerst will die deutsche Struktur das Thema rasch abhaken und alle Kräfte auf die Straße bündeln. In einer Tour mit noch viel Gebirge weiß das Team, dass jede Podiumschance an interner Geschlossenheit hängt – und daran, einen kurzen Disput am Tourmalet nicht zu einem größeren Problem werden zu lassen.
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