„Zwischen Lipowitz und mir ist alles geklärt“ - Remco Evenepoel sagt, Red Bull-Spannungen seien beigelegt, Team reagiert auf Aussagen

Radsport
Freitag, 10 Juli 2026 um 14:45
Remco Evenepoel and Florian Lipowitz
Remco Evenepoel trägt sein Herz oft auf der Zunge und ist für deutliche Worte bekannt. Nach der 6. Etappe der Tour de France fielen seine Aussagen über Teamkollege Florian Lipowitz wenig schmeichelhaft, weil er sich im Finale nach Gavarnie mehr Unterstützung erhofft hatte. Der Olympiasieger versichert jedoch, dass das Thema über Nacht intern besprochen und ausgeräumt wurde.
Die Messlatte bei der Tour liegt höher denn je, und der Belgier zeigte einen starken Tag auf dem Rad. Am Col du Tourmalet setzte sich Tadej Pogacar ab, Jonas Vingegaard nahm die Verfolgung auf. Dahinter fuhr Florian Lipowitz, gemeinsam mit Paul Seixas und Isaac del Toro. Das Trio wurde in der Abfahrt von Evenepoels Gruppe gestellt.
Die Zusammenarbeit in der neu formierten Gruppe verlief jedoch alles andere als ideal. Trotz Fahrern von Red Bull und Lidl-Trek sowie den Franzosen Seixas und Lenny Martínez arbeitete das Paket auf dem langen, flachen Anstieg ins Ziel nicht geschlossen zusammen, wodurch man die Lücken nach vorn hätte verkleinern können. Stattdessen gewann Pogacar am Berg weiter Zeit.
Evenepoel sprintete stark zur Linie und übernahm häufig das Tempo, in der Hoffnung, damit auch die anderen zu mehr Führungsarbeit zu bewegen. Das fruchtete nicht, und als Lipowitz seiner Aufforderung nicht nachkam, traf das einen Nerv.

Evenepoel hatte die Beine, aber nicht die gewünschte Unterstützung

„Ich habe um einen Anfahrer gebeten und ihn nicht bekommen. Ich glaube, ich war zu Recht wütend“, sagte er im Ziel. „Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich dreißig Kilometer [für ihn] von vorn gefahren, jetzt bitte ich ihn, einen Kilometer zu fahren, und es passiert nicht. Das hat mich schon geärgert, ja. Das müssen wir heute Abend sauber besprechen.“
Laut Evenepoel war das zum Start der 7. Etappe geklärt: „Zwischen Lipowitz und mir ist alles ausgeräumt“, sagte Evenepoel bei VTM NIEUWS vor dem Start der 7. Etappe. „Wir haben es gemeinsam aufgearbeitet, und jetzt müssen wir weitermachen. Was gestern passiert ist, liegt hinter uns. Es war ein Momentaufnahme im Rennen.“
Remco Evenepoel auf Etappe 6 der Tour de France 2026
Remco Evenepoel on stage 6 of the 2026 Tour de France

Dempster erläutert die interne Spannung und die Lösung

„Remco war frustriert, weil er Dritter werden wollte. Dass Lipo nicht übernommen hat? Er hatte vorher geführt, aber als Remco einen Anfahrer wollte, kam er nicht mehr hin“, erklärte Sportchef Zak Dempster zur Situation. „Da geht es um Sekundenbruchteile. Das kann passieren. Wir haben das debrieft, und alles ist wieder in Ordnung.“
Spannungen, gerade so früh bei der Tour de France, können die Teamdynamik stören. Aktuell scheinen sowohl Evenepoel als auch Lipowitz die Form zu haben, um ums Podium zu kämpfen, ein Resultat, das beide schon erreicht haben. Ihre zahlenmäßige Überlegenheit gegenüber vielen Rivalen ist dabei ein Plus.
Die ehrliche Einordnung eigener Ambitionen ist nun entscheidend. „Remco trägt sein Herz auf der Zunge. In der Hitze des Gefechts. Alle sind Menschen. Für mich zählt, wie sie jetzt miteinander sind“, versichert Dempster. „Und wie sie das intern lösen. Das ist ein ständiger Verbesserungsprozess. Wer um Top-Ergebnisse mitfahren will, muss das auf diesem Niveau aushalten.“
Dempster bestätigt zudem, dass das Team keinen Anlass sieht, einen Fahrer für den anderen zu opfern, was den Pariser Podiumsambitionen widerspräche.
„Das war immer der Plan. Das ist eine starke Ausgangsposition. Lieber zwei vorne als einer, der abgehängt wird. Natürlich wäre es taktisch ideal, am Hinterrad von Pogacar zu bleiben, aber das klappt nicht immer. Zwei sind besser als einer“, schloss er.
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