Tudor Pro Cycling erlebt in diesem Frühjahr eine Aneinanderreihung von Rückschlägen. Mit Neuzugang Stefan Küng, der seine Ambitionen neben dem erfahrenen Matteo Trentin ausrichtete, wollte das Schweizer ProTeam die Klassiker prägen. Doch nun neigt sich die Pflasterkampagne dem Ende zu, und Teammanager Bart Leysen wartet nur noch darauf, dass Paris–Roubaix 2026 endlich vorbei ist.
Alles begann bereits beim Omloop Het Nieuwsblad, wo Stefan Küngs Frühjahr mit einem Sturz abrupt endete und der große Zeitfahrspezialist zu einer erzwungenen Rennpause mit Oberschenkelhalsbruch gezwungen wurde. So schwer dieser Schlag für jedes Team wäre, hatte Tudor mit Matteo Trentin eine weitere starke Karte in der Hand.
Diese Option ist nun weg, denn der 36-jährige Italiener war ein Hauptleidtragender eines Sturzes in der Gruppe um Platz sechs bei der Flandern-Rundfahrt und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu.
„Schon wieder ein Rückschlag“, seufzte Leysen gegenüber
WielerFlits über das Pech, das Trentin ereilte. „Er konnte nichts dafür, aber wir tragen die Konsequenzen. So ist das Leben, oder? Das macht einen fast mutlos.“
Der Angriff auf die Hölle des Nordens ist vertagt
2026 ist Tudor Pro Cycling eines von zwei Schweizer ProTeams mit einer automatischen Einladung zu jedem WorldTour-Rennen. Mit diesem Privileg wollte das Team von Fabian Cancellara frühzeitig als stärkster Anwärter auf einen WorldTour-Aufstieg punkten – entweder 2029 oder bereits Ende dieses Jahres, falls Team Picnic PostNL die Lizenzverlängerung über 2026 hinaus nicht sichern sollte.
Und mit dem dreifachen Sieger der „Hölle des Nordens“ am Steuer ist klar, dass Klassiker-Erfolg zentral für die Identität des Teams ist. Doch was ist ohne Küng und Trentin überhaupt möglich?
„Wir haben derzeit mehr Ersatzfahrer als tatsächliche Starter für die anstehenden Rennen“, gibt Leysen die besondere Lage vor dem Sonntagsklassiker zu. „Ziemlich beispiellos. Für Paris–Roubaix bekommen wir immerhin sieben Fahrer zusammen. Aber das war schon ein ziemliches Puzzlespiel.“
Tudors Haupttrümpfe für das Rennen sind der Fünfte der Ronde van Brugge, Luca Mozzato, sowie der erfahrene Österreicher Marco Haller, der im Vorjahr Zwölfter bei Paris–Roubaix wurde.
Leysen betont jedoch, dass nicht nur die Kapitäne in den letzten Wochen betroffen waren: „Arthur Kluckers fuhr ebenfalls stark, ist aber kürzlich gestürzt und kämpft noch mit einem Schleudertrauma. Vielleicht können wir mit Marco Haller trotzdem etwas bewegen.“
Marco Haller auf dem Vélodrome von Roubaix 2025
Die Rückschläge kommen von allen Seiten
Anschließend gilt es, den Schaden zu bilanzieren und den Blick auf den Sommer zu richten. „Leider läuft es nicht nur hier schlecht. Bei der Baskenland-Rundfahrt sind bereits vier unserer Fahrer raus. Einer nach einem Sturz, drei weitere wegen eines Magen-Darm-Virus. Im Moment ist es für unser Team nur Misere, aber so etwas hält natürlich nicht ewig an. Daran muss man fest glauben“, schloss Leysen.