„Er hat im Winter nicht hart genug gearbeitet“ – Belgische Experten sehen hinter Arnaud De Lies Katastrophensaison kaum ‚Pech‘

Radsport
Mittwoch, 08 Juli 2026 um 9:00
Arnaud De Lie
Zwei Grand Tours, zwei DNFs in der ersten Woche. So trist liest sich Arnaud De Lies Bilanz 2026, nachdem er die Tour de France bereits nach drei Renntagen aufgegeben hat. Der Belgier musste zunächst bei der Besichtigung des Mannschaftszeitfahrens abbrechen und hatte anschließend große Mühe, das Tempo des Pelotons zu halten. Auf der 3. Etappe war das Zeitlimit schließlich außer Reichweite.
Eine Erkrankung beendete De Lies Giro d'Italia, und bei der Frankreich-Rundfahrt wiederholte sich das Szenario. De Lie war bereits Tage vor dem Start sichtlich angeschlagen, doch sein Team Lotto hoffte, er könne sich bis zu den Sprintchancen ab Etappe 5 durchbeißen. Die erhoffte Besserung blieb jedoch aus.
„Es war bereits ein Fehler, dass De Lie zur Tour de France angereist ist“, sagt Ex-Profi Tom Boonen in der Vive le Vélo-Sendung. „Er hätte niemals am Start stehen dürfen. Ich weiß nicht, was die Überlegung des Teams war. ‚Mal sehen, ob es besser wird‘ vielleicht? Ich habe selten erlebt, dass jemand in der Tour plötzlich besser wird.“
Hinzu kamen die extreme Hitze in Spanien und im Süden Frankreichs in der vergangenen Woche – das half De Lies Genesung gewiss nicht. „Wenn du schon in den Tagen davor krank bist, das Wetter derart heiß ist und der Start so schwer, dann sag einfach: Ich fahre nach Hause. Oder besser noch: Als Team lässt du ihn gar nicht starten.“
Boonen hofft schließlich, dass der Ausstieg als Chance dient, die Ursache von De Lies wiederkehrenden Gesundheitsproblemen grundlegend zu analysieren.
„Es ist klüger, nach der Ursache zu suchen, als hier weiterzufahren. Denn auch das bleibt in Erinnerung. Ob es ein körperliches oder ein mentales Problem ist, spielt keine Rolle. An einem mentalen Problem kann man ebenfalls arbeiten. Das lässt sich mitunter sogar schneller lösen als ein physisches, wenn man dessen Ursache nicht findet.“

Fehlende Grundfitness

Anders als Boonen fielen seine Sporza-Kollegen in ihrer Beurteilung von De Lies Tour-Start 2026 deutlich schärfer aus.
„Lässt du ihn fünf Minuten voll fahren, steht er danach still. Dann macht es bei ihm zu. Ihm fehlt die Grundfitness, das muss man ehrlich sagen. Er hat im Dezember und Januar nicht hart genug gearbeitet“, so Dirk De Wolf.
„Von diesem Ausstieg muss er sich nicht erholen“, ergänzt José De Cauwer, der offenbar genug von De Lies „Tiefs“ gesehen hat. „Er muss sich von einem viel größeren Problem erholen. Das wirkt wie ein Einzelfall, ist es aber nicht.“
Arnaud De Lie
Arnaud de Lie
Der Analyst rät De Lie, rasch zu klären, ob er den Weg eines Profi-Radrennfahrers wirklich gehen will. „Das Problem liegt vor allem im Kopf. Ich frage mich: Will er überhaupt Rennen fahren? Ist er bereit, alles dafür zu opfern? Kann er dem Druck standhalten?“
Die Erzählung ähnelt der des Vorjahres: De Lie strauchelte im Frühjahr, drehte die Saison jedoch nach einer mutmaßlichen Überbelastung im Winter und einer Auszeit zu Hause bei seinen Kühen noch stark.
Doch De Cauwer hält von dieser Geschichte wenig: „Man kann sagen: Er findet bei seinen Kühen Ruhe. Aber das ist keine Erklärung. Dann sollte er Landwirt werden. Ich halte ihn für einen großartigen Kerl und einen sehr guten Fahrer. Aber auf diesem Niveau ist das inakzeptabel. Häufig krank zu werden, hat auch mit Stress und anderen Faktoren zu tun. Denn was ist der wahre Grund für die Unterperformance? Er muss Klarheit im Kopf finden.“
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