„Er hat ein ähnliches Profil wie Evenepoel“ – Spaniens größte Radsport-Talente wecken Hoffnungen auf eine goldene Generation

Radsport
durch Nic Gayer
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Im spanischen Radsport wächst eine neue Generation vielversprechender Talente heran, die bereits mit beeindruckenden Leistungen auf sich aufmerksam macht und große Hoffnungen für die kommenden Jahre weckt. Namen wie Benjamin Noval, Hector Alvarez, Alejandra Neira, Paula Blasi und Paula Ostiz stehen für einen bemerkenswerten Aufschwung. Mit Erfolgen in den Nachwuchskategorien und ersten Siegen im Profibereich haben sich die jungen Fahrerinnen und Fahrer längst ins Rampenlicht gefahren.
Doch wie groß ist ihr tatsächliches Potenzial, und welche Entwicklung können sie in den kommenden Jahren nehmen? Um diese Fragen zu beantworten, haben Felix Garcia Casas, technischer Direktor des spanischen Radsportverbands RFEC, und Gema Pascual, Nationaltrainerin der Frauen, fünf der vielversprechendsten Nachwuchshoffnungen genauer unter die Lupe genommen.

Spaniens neue Radsport-Generation erinnert an Evenepoel und Van Aert

Die Einschätzungen der beiden Experten zeichnen das Bild einer außergewöhnlich vielseitigen Generation. Während einige Talente durch ihre Fähigkeiten in unterschiedlichen Disziplinen überzeugen, bringen andere herausragende Kletterqualitäten oder besondere körperliche Voraussetzungen mit. Dabei scheuen die Verantwortlichen auch Vergleiche mit etablierten Weltstars wie Remco Evenepoel und Wout Van Aert nicht. Gleichzeitig würdigen sie die bemerkenswerten Erfolge jener Nachwuchsfahrerinnen, die bereits auf internationaler Ebene für Aufsehen gesorgt haben.
Benjamín Noval bei der Junioren-WM 2026.
Benjamin Noval gilt als eine der größten Zukunftshoffnungen des spanischen Radsports. Der zweifache Junioren-Weltmeister beeindruckt mit seiner Vielseitigkeit und außergewöhnlichen Rennintelligenz – RFEC-Direktor Felix Garcia Casas zieht sogar Parallelen zu Remco Evenepoel.
Besonders große Erwartungen ruhen auf Benjamin Noval. Der zweifache Junioren-Weltmeister beeindruckt nicht nur durch seine körperlichen Fähigkeiten, sondern vor allem durch eine für sein junges Alter außergewöhnliche Rennintelligenz. Seine Ruhe in entscheidenden Situationen, sein taktisches Verständnis und seine Fähigkeit, Rennen präzise zu lesen, lassen ihn bereits erstaunlich abgeklärt wirken.
Felix Garcia Casas erkennt in Noval deshalb deutliche Parallelen zu Remco Evenepoel. Insbesondere die Vielseitigkeit und das ausgeprägte Rennverständnis des jungen Spaniers erinnern ihn an den belgischen Ausnahmekönner. „Seine Reife ist ebenso überraschend wie seine Fähigkeit, ein Rennen zu analysieren, und die Ruhe, die er in so jungen Jahren ausstrahlt. Man könnte meinen, er fährt schon seit Jahren als Profi. Gemessen an seinen Leistungen würde ich ihn mit Evenepoel vergleichen; er hat ein ähnliches Profil. Außerdem ist er sehr vielseitig und verkörpert den modernen Radsport: Er kann auf der Straße, im Cyclocross und im Mountainbike überzeugen“, erklärt der technische Direktor des RFEC.
Gerade diese Vielseitigkeit macht Noval für Garcia Casas zu einem besonders interessanten Fahrer. Dass er sich in mehreren Disziplinen behaupten kann, spricht für seine Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Streckenprofile und Rennsituationen. Eigenschaften, die nach Einschätzung des Verbandsexperten eine hervorragende Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft bilden.

Hector Alvarez: Spaniens Antwort auf Wout Van Aert?

Auch Hector Alvarez gehört zu den Talenten, deren größte Stärke in ihrer Vielseitigkeit liegt. Der zweifache Europameister verfügt über die körperlichen Voraussetzungen, um auf ganz unterschiedlichen Strecken erfolgreich zu sein. Garcia Casas sieht seine Zukunft allerdings besonders bei den großen Klassikern, wo der junge Spanier seine Qualitäten optimal ausspielen könnte.
Obwohl der technische Direktor des RFEC grundsätzlich davor warnt, junge Fahrer vorschnell mit den größten Stars des Pelotons zu vergleichen, fällt ihm bei Alvarez ein prominenter Name ein. „Es ist sehr schwierig, einen Fahrer mit anderen Spitzenfahrern im Peloton zu vergleichen. Wout Van Aert kommt Hector Alvarez aber vielleicht am nächsten. Ich sehe ihn vor allem als Fahrer für die Klassiker; dieses Profil hat er. Vor allem ist er jedoch vielseitig und stark, kommt mit unterschiedlichem Terrain gut zurecht und ist auch auf der Bahn hervorragend“, erklärt Garcia Casas.
Entscheidend ist für den Verbandsexperten dabei nicht allein die Ähnlichkeit mit dem belgischen Klassiker-Spezialisten. Vielmehr überzeugt Alvarez durch die Kombination aus körperlicher Stärke, Anpassungsfähigkeit und herausragenden Leistungen auf der Bahn. Diese Vielseitigkeit eröffnet ihm verschiedene Möglichkeiten, seine Karriere in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln.

Alejandra Neira: „Bei ihr ist noch die größte Entwicklung möglich“

Auch im spanischen Frauenradsport wächst eine neue Generation heran, die bereits auf höchstem Nachwuchsniveau für Erfolge sorgt. Eine der größten Hoffnungen ist Alejandra Neira, die sich zur Junioren-Weltmeisterin krönte. Nationaltrainerin Gema Pascual beeindruckte dabei besonders die Art und Weise, wie Neira ihren Titel gewann. Obwohl sie im entscheidenden Sprint nicht zu den explosivsten Fahrerinnen gehörte, setzte sie sich dank ihrer überlegenen körperlichen Stärke gegen die Konkurrenz durch.
„Sie war im Feld, das um WM-Gold sprintete, die am wenigsten explosive und zugleich schnellste Fahrerin. Trotzdem gewann sie den Sprint, weil sie die Stärkste war“, erklärt Pascual. Für die Nationaltrainerin ist dieser Erfolg ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Neiras Fähigkeiten weit über ihre reine Endgeschwindigkeit hinausgehen. Gleichzeitig sieht sie bei der jungen Spanierin noch enormes Entwicklungspotenzial.
„Sie ist die Fahrerin, bei der noch die größte Entwicklung und der größte Fortschritt möglich sind. Sie muss noch viel an sich feilen. Ihr Profil ähnelt dem von Paula Ostiz. Sie selbst sieht sich als Kletterin, aber ich sage ihr, dass sie auf der Ebene genauso gut ist“, ergänzt Pascual. Ihre Einschätzung verdeutlicht, dass Neira keineswegs auf ein bestimmtes Streckenprofil festgelegt ist. Vielmehr könnte sie sich sowohl in den Bergen als auch auf flacheren Strecken zu einer starken Fahrerin entwickeln, zumal ihre Möglichkeiten nach Ansicht der Trainerin noch längst nicht ausgeschöpft sind.

Paula Blasi: Geborene Kletterin mit beeindruckenden Erfolgen

Nicht weniger vielversprechend erscheint die Zukunft von Paula Blasi. Die junge Spanierin hat sich bereits als außergewöhnlich talentierte Kletterin einen Namen gemacht und ihre Fähigkeiten mit bemerkenswerten Ergebnissen unter Beweis gestellt. Gema Pascual sieht in ihr eine Fahrerin, deren natürliche Begabung für anspruchsvolle Anstiege schon jetzt auf höchstem Niveau Früchte trägt. Nach ihrem Titel bei der U23-Europameisterschaft 2025 konnte Blasi auch im Profibereich mit starken Leistungen überzeugen.
„Blasi ist pures Talent und eine geborene Kletterin. Sie hat die Vuelta und das Amstel gewonnen, wurde bei der Tour Fünfte, und wir erwarten noch mehr von ihr“, schwärmt Pascual. Die Nationaltrainerin erinnert sich zudem daran, wie sie erstmals auf die junge Fahrerin aufmerksam wurde. Den entscheidenden Hinweis erhielt sie von ihrer ehemaligen Teamkollegin Marta Vilajosana, die Blasis außergewöhnliche Fähigkeiten früh erkannt hatte.
„Marta Vilajosana, mit der ich gemeinsam gefahren bin, erzählte mir einmal von einer sehr guten Radsportlerin, die aus dem Duathlon kommt. Wir haben sie unterstützt, und jetzt sehen wir, wo sie steht. Sie ist unglaublich und hat noch mehr zu geben“, erklärt Pascual. Für die spanische Nationaltrainerin steht damit fest, dass Blasi trotz ihrer bereits beachtlichen Erfolge noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist. Gerade ihre ausgeprägten Kletterqualitäten könnten ihr in Zukunft weitere große Erfolge ermöglichen.

Paula Ostiz: Ehrgeiz, Vielseitigkeit und herausragende Zeitfahrqualitäten

Mit Paula Ostiz komplettiert eine weitere hochveranlagte Nachwuchsfahrerin die Gruppe der fünf spanischen Talente, denen die Verantwortlichen des RFEC eine besonders vielversprechende Zukunft zutrauen. Ostiz zeichnet sich durch ihre körperliche Stärke, ihre Fähigkeiten im Kampf gegen die Uhr und einen außergewöhnlichen Ehrgeiz aus. Besonders beeindruckt zeigt sich Gema Pascual davon, wie schnell die junge Spanierin im Profibereich Fuß gefasst hat. Selbst eine zweimonatige Verletzungspause konnte ihre erfolgreiche Eingewöhnung im ersten Jahr nicht entscheidend beeinträchtigen.
„Talent und harte Arbeit. Diese beiden Begriffe beschreiben Paula Ostiz. Sie ist sehr komplett und äußerst ehrgeizig. Sie ist keine Kletterin, aber kräftig und im Zeitfahren besonders stark“, erklärt Pascual. Gerade die Verbindung aus natürlicher Begabung und ausgeprägtem Leistungswillen macht Ostiz für die Nationaltrainerin zu einer Fahrerin, der sie in den kommenden Jahren noch erhebliche Fortschritte zutraut.
„Sie hat noch viel Entwicklungspotenzial. Nach zwei Monaten Verletzungspause hat sie sich in ihrem ersten Jahr gut im Profilager zurechtgefunden. Sie kann uns noch viel geben“, betont Pascual abschließend.
Die Einschätzungen von Garcia Casas und Pascual verdeutlichen, wie breit der spanische Radsport in seiner jüngsten Generation aufgestellt ist. Während Benjamin Noval und Hector Alvarez vor allem durch ihre Vielseitigkeit und ihre Fähigkeiten in unterschiedlichen Disziplinen hervorstechen, bringen Alejandra Neira, Paula Blasi und Paula Ostiz jeweils ganz eigene Stärken mit. Gemeinsam ist allen fünf Talenten, dass sie bereits beachtliche Erfolge gefeiert haben und nach Überzeugung der Verantwortlichen noch erhebliches Entwicklungspotenzial besitzen. Entsprechend groß sind die Hoffnungen des spanischen Radsportverbands, dass diese Generation den internationalen Radsport in den kommenden Jahren entscheidend mitprägen kann.
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