„Er bleibt unser kleiner Paul“ – Seixas' Großeltern sprechen über Stolz, Sorgen und den Tour-de-France-Traum

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 07 Juni 2026 um 20:00
Paul Seixas
Bis zu seinem voraussichtlichen Debüt bei der Tour de France sind es noch einige Wochen, doch für Paul Seixas und sein Umfeld hat die besondere Zeit bereits begonnen.
Der erst 19 Jahre alte Profi des Decathlon CMA CGM Team steht kurz davor, am 4. Juli in Barcelona ein Stück Radsportgeschichte zu schreiben. Sollte er wie erwartet an den Start gehen, wird Seixas der jüngste Fahrer sein, der seit 89 Jahren an der Tour de France teilnimmt. Für den französischen Radsport ist er damit schon jetzt eine der spannendsten Geschichten dieses Sommers. Für seine Familie bedeutet dieser Aufstieg vor allem Stolz, aber auch Sorgen und die Erkenntnis, dass aus „ihrem kleinen Paul“ längst eine nationale Hoffnung geworden ist.

Der Tour-Druck ist längst spürbar

Wie groß die Aufmerksamkeit inzwischen ist, zeigte sich bereits bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes. Seixas gehörte zu den meistbeachteten Fahrern des Rennens, das viele Jahre als Critérium du Dauphiné bekannt war. Die erste Etappe brachte ihn sofort in den Fokus der Gesamtwertung. Nachdem Decathlon CMA CGM Matthew Riccitello krankheitsbedingt verloren hatte, erreichte Seixas das Ziel 44 Sekunden hinter Oscar Onley, Kevin Vauquelin und weiteren Fahrern, die sich in einer späten Windkante absetzen konnten.
Paul Seixas steht vor seinem historischen Tour-de-France-Debüt und zählt bereits jetzt zu den größten Hoffnungen des französischen Radsports
Paul Seixas steht vor seinem historischen Tour-de-France-Debüt und zählt bereits jetzt zu den größten Hoffnungen des französischen Radsports
Es war lediglich der Auftakt seines letzten öffentlichen Formaufbaus vor der Tour de France. Dennoch verdeutlichte die Etappe, wie sehr sich die Wahrnehmung rund um den jungen Franzosen verändert hat. Jeder Zeitverlust, jede Rennsituation und jede taktische Entscheidung wird inzwischen mit Blick auf den Juli bewertet.
Besonders deutlich wird das bei seinen Großeltern mütterlicherseits. Annie und Claude verfolgen die Karriere ihres Enkels von Fenestin bei Vannes im Département Morbihan aus. Im Gespräch mit Le Télégramme schilderten sie die Gefühle, die sie auf seinem Weg an die Weltspitze begleiten.
„Wir sind stolz auf ihn, bewegt, fassungslos und beeindruckt zugleich“, sagten sie.
Mit dem Stolz wächst jedoch auch die Sorge. Die Tour de France ist nicht nur für die Fahrer eine enorme Belastung, sondern auch für ihre Familien. Drei Wochen voller Stürze, Druck, Erwartungen und permanenter Aufmerksamkeit warten auf einen Teenager, dessen Bekanntheit in den vergangenen Monaten rasant gewachsen ist.
Für Annie gehört die Angst bereits zum Alltag eines Rennens ihres Enkels.
„Ich werde drei Wochen lang krank sein“, sagte sie. „Er ruiniert mir den Juli. Wenn Paul fährt, kann ich nicht vor dem Fernseher bleiben. Ich habe immer Angst, dass er stürzt. Dann gehe ich im Wald spazieren oder sage der Nachbarin Hallo … komme aber schnell zurück, um zu sehen, wo er ist.“
Auch Claude verfolgt die Rennen seines Enkels aufmerksam, doch von Gelassenheit kann keine Rede sein.
Er sei „sehr gestresst“, sagte er und ergänzte: „Manchmal bekomme ich Gänsehaut.“

Zwischen Familienglück und öffentlicher Aufmerksamkeit

Schon allein sein Debüt bei der Tour de France würde großes Interesse hervorrufen. Sein junges Alter macht die Geschichte noch außergewöhnlicher, seine französische Herkunft verstärkt die Aufmerksamkeit zusätzlich. Seit Jahren hat Frankreich keinen Teenager mehr erlebt, der mit einer vergleichbaren Erwartungshaltung zur Tour de France reist. Noch bevor Seixas überhaupt auf die Startrampe gerollt ist, steht er bereits im Zentrum zahlreicher Diskussionen.
Für seine Großeltern ist dieser plötzliche Ruhm nicht nur erfreulich.
„All die Aufregung um ihn macht uns ebenfalls Angst, aber wir können nichts dagegen tun“, sagte Claude.
Neben dem Stolz schwingt dabei auch ein Gefühl von Wehmut mit. Mit jedem weiteren Schritt in Richtung Weltspitze wird Paul Seixas mehr und mehr zu einer öffentlichen Figur – und ein Stück weit weniger ausschließlich Teil der Familie.
„Es ist ein bisschen zu viel. Irgendwo haben wir das Gefühl, er entgleitet uns ein wenig, aber er bleibt unser Paul, unser kleiner Paul“, sagte Annie.
Wenn Seixas in wenigen Wochen zur Tour de France anreist, wird er als einer der meistbeachteten französischen Nachwuchsfahrer der vergangenen Jahre gelten. Für seine Familie werden die kommenden drei Wochen jedoch nicht allein anhand von Ergebnissen bewertet werden. Für sie wird es vor allem darum gehen, einen Teenager dabei zu begleiten, wie er ins Rampenlicht des größten Radrennens der Welt tritt.
Klatscht 2Besucher 2
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading