Thymen Arensman fährt beim Giro d'Italia eine herausragende Rundfahrt,
liegt aktuell auf Rang vier der Gesamtwertung, doch sein zurückhaltendes Auftreten abseits des Rads entfacht hinter den Kulissen einen Sturm. Der Niederländer von Netcompany INEOS schirmt sich seit Rennbeginn komplett von der Presse ab, um den Fokus zu wahren. Das sorgt für ein Kräftemessen zwischen der strikt schützenden Medienstrategie seines Teams und Organisator RCS, der findet, ein Podiumsanwärter erfülle so seine Berufspflichten nicht.
Im Tunnel oder Pflichtenverweigerung?
Es ist bekannt, dass Arensman Medienauftritte meidet, insbesondere um die Konzentration bei einer Grand Tour zu halten. Laut
Eurosport France hat sein nahezu völliges Schweigen die Giro-Organisatoren jedoch an den Rand der Geduld gebracht. Offizielle werten sein Ausweichen als mangelnde Unterstützung für das Rennen.
Netcompany INEOS, bekannt für eng geführte Pressearbeit, stellt sich voll hinter die Entscheidung seines Fahrers. Teamkapitän Geraint Thomas erklärte gegenüber Journalist Daniel Benson, man habe vor dem Start eine klare Strategie entworfen, um Arensman vor zusätzlichem Druck zu schützen.
„Wir haben im Vorfeld mit Thymen und unserem Pressechef einen Plan gemacht“, sagte Thomas. „Ich habe ihm gesagt: ‚Wir tun, was dir hilft, fokussiert zu bleiben, und ziehen dich nicht in alles hinein.‘ Wenn es Tage mit weniger Druck gibt oder er das Bedürfnis verspürt zu sprechen, ist das in Ordnung. Aber von unserer Seite gibt es absolut keinen Druck, wenn er es nicht möchte. Das scheint für ihn zu funktionieren. Jeder ist anders, im Rennen kommst du in eine bestimmte Zone.“
Hinterzimmerduell zwischen Team und Organisator
Während dieser Schutzschirm Arensmans Leistung auf der Straße offenbar beflügelt, sind die Stakeholder des Giro alles andere als zufrieden. Hinter verschlossenen Türen tobt aktuell ein offener Konflikt zwischen Team und Rennorganisation.
„Das Problem ist, dass der Fahrer, der nie gern mit den Medien spricht, die Giro-Organisation inzwischen zutiefst verärgert“, berichtete Eurosport. „Bei RCS ist man der Meinung, dass Arensman durch das Meiden der Medien seinen Job nicht voll erfüllt. Hinter den Kulissen gibt es ein echtes Tauziehen zwischen dem Team und der Organisation.“
Thymen Arensman im Einzelzeitfahren beim Giro d'Italia 2026
Dumoulin über die Pflicht der Profis
Die Debatte befeuert auch Diskussionen unter Ex-Profis. Der niederländische Ex-Star
Tom Dumoulin, der mit seinem Landsmann gut auskommt, zeigt Verständnis für Arensmans introvertierte Art, betont jedoch, dass Mediengespräche eine ungeschriebene Pflicht für Profis sind.
„Ich finde, es gehört einfach zum Beruf, ab und zu mit den Medien zu sprechen“, kommentierte Dumoulin. „Ich verstehe seine Argumente vollkommen und habe sogar Sympathie dafür, sehe es am Ende aber als Pflicht. Es muss nicht jeden Tag sein oder sehr lang, aber ein Interview nach der Etappe wäre vollkommen in Ordnung gewesen. Indirekt ist das das Geschäftsmodell des Sports. Die mediale Aufmerksamkeit ist es, die die Gehälter der Fahrer bezahlt.“