Der Giro d’Italia 2026 rückt schneller näher als man denkt, und
Elia Viviani kann es kaum erwarten, ihn aus einer völlig neuen Perspektive zu erleben. Nach 15 Profijahren, darunter fünf Etappensiege beim Giro d’Italia, wechselt der italienische Sprinter ins Teamauto und nimmt den Kurs als Sportdirektor von INEOS Grenadiers in Angriff. Natürlich hat er das Streckenprofil 2026 schon akribisch analysiert. Was erwartet er vom Rennen?
Viviani über Giro 2026, Chancen der Sprinter und Italiens Basis
„Entschieden wird er im 42-Kilometer-Zeitfahren, der zehnten Etappe von Viareggio nach Massa: Dort können die Abstände groß werden, manchmal 2–3 Minuten“, sagt Viviani unverblümt im Gespräch mit
La Gazzetta dello Sport.
Das Duell gegen die Uhr wirkt wie der Schlüsselmoment der ersten Rennhälfte. Zugleich stimmt er zu, dass die Gesamtwertung bis dahin bereits Konturen annehmen könnte. „Es gibt viele Anstiege – wie den Blockhaus (Etappe 7) und Corno alle Scale (Etappe 9) – vor diesem Zeitfahren, aber dieser Test wird ausschlaggebend sein.“
Auch für die Sprinter sieht der Ex-Europameister reichlich Chancen, insbesondere bei der Grande Partenza in Bulgarien. „Stark starten, vielleicht das Maglia Rosa auf der Auftaktetappe holen, in Mailand oder Rom gewinnen. Das passiert nicht oft.“
Das Rad fehlt schon jetzt
Obwohl Viviani eine lange Karriere genoss und sein Rücktritt nach dem süßen Abschluss mit dem Weltmeistertitel in der Mannschaftsverfolgung auf der Bahn fast folgerichtig kam, kribbelt es in den Beinen, sobald er zum Giro d’Italia zurückkehrt.
„Für einen Italiener ist der Giro das Rennen des Jahres. Noch mehr als die Tour, wegen seiner Bedeutung. Es ist Zuhause, die Straßen, auf denen du aufgewachsen bist, die Tifosi. Ich hätte ihn immer gewählt.“
Elia Viviani verabschiedete sich mit dem Bahn-Regenbogentrikot auf dem Höhepunkt aus dem Profi-Peloton
Die harte Realität des italienischen Radsports
Der italienische Radsport erlebt jedoch derzeit keine Glanzzeit. Sicher halten Vivanis frühere Bahnkollegen Jonathan Milan und Filippo Ganna mit herausragenden Zeitfahr- und Sprintleistungen die Tricolore hoch, doch in den Bergen liegt Vincenzo Nibalis Giro-Sieg 2016 spürbar lange zurück.
„Ich bin optimistisch. Ich sehe das Glas immer halb voll, so war es in meiner ganzen Karriere – nicht zurück, denn das bringt nichts“, sagt Viviani zuversichtlich. „Wir haben exzellente Fahrer: Ganna und Milan gehören zu den Besten der Welt. Der Schlüssel zur Verbesserung liegt an der Basis, in den Nachwuchskategorien.“
Gleichzeitig erkennt Viviani einen positiven Trend bei den Jungen: „Sie sind in den vergangenen Jahren extrem fragil geworden. Heutzutage sucht man sofort nach dem reinen Talent, aber das birgt das Risiko, Spätentwickler zu übersehen.“
Für den Moment bleibt es für Italien eine harte Wahrheit. „Wir sind in einem globalen Sport, der von Champions dominiert wird, und das ist nicht einfach. Die Wahrheit ist: Mit Pippo und Jonathan haben wir uns sehr gut behauptet. Und wir haben in vielen Bereichen konkurrenzfähige Fahrer. Denkt an letztes Jahr: Ciccone wurde Sechster bei den Weltmeisterschaften und Scaroni Vierter bei der EM.“
Für die Zukunft steht zudem vielversprechender Nachwuchs bereit. Der 22-jährige Giulio Pellizzari gilt plötzlich als Podiumskandidat für den kommenden Giro. „[Lorenzo] Finn macht die richtigen Schritte – er überstürzt nichts, seine Zeit wird kommen. Ich wiederhole: Wir müssen geduldig sein und an der Basis hart arbeiten, damit sich die Champions von morgen entwickeln können“, schließt Viviani.
Filippo Ganna düpierte das Sprinterfeld bei Dwars door Vlaanderen 2026 mit einem späten Angriff