DISKUSSION | Tour de Romandie, Prolog – Pogačars neues Rad, Regen erwischt die Spätstarter, Godon im Blick vor der Tour

Radsport
Dienstag, 28 April 2026 um 21:30
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Die Tour de Romandie startete am Dienstag mit einem Paukenschlag, als Dorian Godon den Auftaktprolog in Villars-sur-Glâne für sich entschied. Der Franzose lieferte über den kurzen Einzeltest eine souveräne Vorstellung ab und verwies Ivo Oliveira und Jakob Soderqvist auf die Plätze.

Godon triumphiert im Prolog -  Pogacar bester GC-Fahrer auf Rang sechs

Einer der großen Namen vor dem Start war Tadej Pogacar, weithin als Topfavorit für den Gesamtsieg dieser Woche gehandelt. Der Slowene kam an die Zeiten der Spezialisten nicht ganz heran, doch sein sechster Platz machte ihn zum bestplatzierten Anwärter für das Gesamtklassement.

Kurzer Kurs, großer Aufwand

Eröffnet wurde das Rennen mit einem 3,2-Kilometer-Prolog, kurz, aber fordernd gegen die Uhr. Die Fahrer starteten auf einem größtenteils abfallenden Abschnitt, bevor ein 1,1 Kilometer langer Schlussanstieg mit rund fünf Prozent im Schnitt wartete. Zwar war der Kurs nicht hochgradig technisch, doch mehrere Kreisverkehre verlangten sauberes Handling und druckvolle Beschleunigungen.
Ein solcher Parcours belohnte Explosivkraft, kluges Pacing und die Fähigkeit, im Schlussanstieg noch einmal zu zünden.

Früher Druck von Roglic

Primoz Roglic gehörte zu den frühen Startern und setzte sofort eine ernsthafte Marke. Der erfahrene Zeitfahrspezialist lag nach einem scharfen Auftaktlauf kurzzeitig vorn und signalisierte, dass es Außergewöhnliches brauchen würde, um ihn zu schlagen.
Diese Antwort gab Ivo Oliveira prompt. Der Portugiese fuhr runder und schneller, stoppte die Uhr über zwei Sekunden flotter als Roglic. Seine Zeit von 3 Minuten und 41 Sekunden schien stark genug, um bis tief in den Nachmittag konkurrenzfähig zu bleiben.

Godon setzt die Messlatte höher

Oliveiras Führung währte jedoch nicht lange. Godon pflügte mit enormem Tempo durch den Kurs und trug die Geschwindigkeit perfekt in den ansteigenden Schlussabschnitt. Der INEOS-Profi war im Ziel sechs Sekunden schneller als Oliveira, ein beachtlicher Vorsprung auf so kurzer Distanz.
Von da an wurde die Messlatte extrem hoch. Mehrere starke Namen kamen nahe heran, doch keiner konnte die Dominanz des Franzosen ernsthaft gefährden. Florian Lipowitz legte eine solide Fahrt hin und rückte in die Spitzenplätze, lag zu diesem Zeitpunkt aber noch über eine Sekunde hinter Roglic.

Pogacar stark, aber nicht der Schnellste

Dann richtete sich der Blick auf den letzten Starter, Tadej Pogacar. Der Slowene reiste mit dem Ziel an, seiner glanzvollen Palmarès einen weiteren Etappensieg und den Gesamterfolg hinzuzufügen, und viele erwarteten ein frühes Ausrufezeichen.
Er fuhr stark, vor allem am Schlussanstieg, doch Godons Vorsprung war nicht mehr einzuholen. Pogacar wurde Sechster, sieben Sekunden hinter dem Tagessieger.
Gleichwohl ist die Ausgangslage für den Leader von UAE Team Emirates - XRG sehr gut. In den Bergankünften dieser Woche dürften größere Abstände entstehen, da kann ein begrenzter Rückstand aus dem Prolog Gold wert sein.

Frühe Konturen des Rennens

Godon übernimmt das erste Leadertrikot und holt sich Rückenwind für die kommenden Tage, während Pogacar auf mehrere Gesamtrivalen bereits Boden gutgemacht hat. Auch Roglic präsentierte sich von Beginn an scharf, ein Hinweis darauf, dass der Kampf ums Gesamtklassement schon ab den ersten Kilometern intensiv ist.
Vorerst gehört das Rampenlicht jedoch Godon, dessen Mischung aus roher Power und Präzision ihm den ersten Sieg der diesjährigen Romandie-Woche einbrachte.

Carlos Silva (CiclismoAtual)

INEOS Grenadiers setzen den Schwung fort, den sie seit Beginn 2026 zeigen, und untermauern erneut ihre Stärke gegen die Uhr. Bei Einzelzeitfahren läuft es in dieser Saison meist auf ein Duell zweier Teams hinaus: Lidl-Trek und INEOS. Heute kam es nicht zum direkten Aufeinandertreffen, doch Dorian Godon sorgte abermals für einen Sieg der britischen Equipe.
Ich hatte Godon als sehr stark erwartet, aber nicht als meinen ersten Tipp für den Sieg. Mein Favorit war Ivo Oliveira. Er ist wie gemacht für diesen Effort und zeigte das erneut mit Rang zwei, nur sechs Sekunden hinter Godon.
Tadej Pogacar gab zudem sein Debüt auf seinem neuen Zeitfahrrad, dürfte es heute aber nicht voll ausgespielt haben. Leichter Regen setzte ein, weshalb einige der späten Starter auf das normale Straßenrad wechselten. Das dürfte den Slowenen beeinträchtigt haben, aber schlaflose Nächte bereitet es ihm nicht.
Nun stellt sich die Frage, ob Roglic, Lipowitz, Lenny Martinez und die übrigen Anwärter ab morgen einen Plan in der Tasche haben.

Ruben Silva (CyclingUpToDate)

Ein interessant gezeichneter Prolog: zunächst bergab, mit einem Anstieg ins Ziel. Damit nicht exklusiv für einen Fahrertyp, sondern für jene mit rohen Wattwerten, die 1:30-Minuten-Steigungen explosiv fahren können.
Ohne große Steigungsprozente konnte Tadej Pogacar den Unterschied nicht machen, zumal er auf Zeitfahrrädern bergauf selten überragte. Kein ideales Schaufenster an dem Tag, an dem er ein neues Zeitfahrrad debütierte, das angeblich über 500 Gramm einspart.
Dorian Godons Sieg überrascht leicht, da ich ihn nicht als Prolog-Spezialisten gesehen habe. Er zeigt jedoch, wie stark er in diesem Frühjahr ist: nicht nur ein sehr schneller Sprinter, sondern inzwischen ein legitimer Weltklasse-Puncheur.
Für die Tour de France wird er äußerst interessant, da er weiter WorldTour-Siege sammelt. Pogacar hingegen wird sich davon kaum beunruhigen lassen. Er war dennoch der stärkste GC-Fahrer und sollte morgen unter normalen Bedingungen bereits ins Gelbe springen.

Jorge Borreguero (CiclismoAlDia)

Der Prolog der Tour de Romandie 2026 sendet über Dorian Godons Zeit hinaus eine klare Botschaft. Sein Sieg ist kein Zufall. Auf so kurzem Kurs mit einem Zielanstieg von 7 % gewinnt nicht nur der Stärkste, sondern derjenige, der seine Kräfte am besten einteilt.
Godon fuhr ein perfektes Zeitfahren, insbesondere am Schlussanstieg, wo er den Unterschied machte. Es ist der typische Prolog, der explosive Fahrer mit sauberer Technik belohnt – und darin war er allen einen Schritt voraus.
Für das Gesamtklassement ist der große Name Tadej Pogacar. Er hat nicht gewonnen, kommt aber gestärkt heraus. Mauro Schmid zu egalisieren und über nur 3 km auf fast alle direkten Rivalen Zeit gutzumachen, ist eine deutliche Ansage. In diesem Rennformat wiegen solche kleinen Abstände später in den Bergen schwer.
Auch Primoz Roglic lieferte, aber ohne das letzte Quäntchen. Er ist da, dominiert aber nicht. Und das bringt ihn angesichts von Pogacars Niveau schon zum Auftakt in eine etwas unbequeme Lage.
Dahinter fuhren Akteure wie Florian Lipowitz, Carlos Rodríguez und Antonio Tiberi solide genug, um nicht bestraft zu werden – was in einem Prolog wie diesem bereits viel bedeutet. Sie haben das Rennen nicht verloren, aber hier auch nicht gewonnen.
Am meisten Sorgen bereitet der Fall Oscar Onley. So viel Zeit in einem so kurzen Einsatz zu verlieren, ist nicht nur ein schwaches Zeitfahren, sondern ein Zeichen, dass etwas nicht gepasst hat. In einer so kurzen Rundfahrt zwingt ein solcher Start dazu, permanent hinterherzufahren.
Das Fazit ist klar. Entscheiden tut es noch nichts, aber es setzt den Ton. Pogacar ist die Messlatte, Roglic muss einen Gang höher schalten, und der Rest ist nun zum Angreifen gezwungen, wenn sie den Rennverlauf drehen wollen.
Und Sie? Wie bewerten Sie den Prolog der Tour de Romandie? Sagen Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit.
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