DISKUSSION | Tour de Romandie, 4. Etappe – Haben die Regie-Motorräder Pogačar geholfen? Sieht Florian Lipowitz gut aus? Und Roglič?
Radsport
Tadej Pogacar lieferte bei der Tour de Romandie erneut eine Machtdemonstration ab und holte mit einem entschlossenen Soloschlag am Schlussanstieg zum Jaunpass seinen dritten Etappensieg.
Der slowenische Weltmeister unterstrich einmal mehr seine Dominanz in den Bergen und festigte seine Führung im Gesamtklassement. Florian Lipowitz erwies sich als nächster Verfolger des Tages, begrenzte seine Verluste stark und wurde vierzehn Sekunden dahinter Zweiter.
Schon die ersten Tage hatten das Feld mit viel Höhenmetern gefordert, doch diese Etappe markierte eine klare Steigerung. Das Profil führte dreimal über den Jaunpass, jeweils von einer anderen Seite.
Der finale Anstieg ab Garstatt zog sich über 8,1 Kilometer bei durchschnittlich 8,3 Prozent, die Kuppe lag nur sechzehn Kilometer vor dem Ziel in Charmey – ein ideales Sprungbrett für späte Attacken.
Wie erwartet geriet die Etappe in Brand. Eine erste Ausreißergruppe mit acht Fahrern formierte sich, darunter Bauke Mollema und Louis Vervaeke, zerfiel jedoch bereits bei der ersten Passage des Jaunpass. Mollema gehörte zu den frühen Opfern. Dahinter erhöhte Red Bull - BORA - hansgrohe das Tempo im Hauptfeld und bereitete eine aggressivere Phase des Rennens vor.
Diese Beschleunigung löste einen Angriff von Primoz Roglic aus, der nach über fünf Minuten Rückstand auf Pogacar wenig zu verlieren hatte. Zusammen mit Valentin Paret-Peintre und Marco Brenner schloss er nach vorn auf. Schließlich formierte sich eine neue Spitzengruppe mit acht Fahrern, zu der auch Michael Leonard, Maxime Decomble, Roland Thalmann und Florian Samuel Kajamini gehörten.
Über die zweite Auffahrt zum Jaunpass blieb das Rennen in Bewegung, Kajamini und Brenner fielen zurück. Die verbliebenen sechs Fahrer bauten maximal rund drei Minuten Vorsprung auf, doch UAE Team Emirates - XRG behielt alles unter Kontrolle und reduzierte den Abstand vor der Schlussphase auf etwa neunzig Sekunden.
Am Saanenmöser, dem vorletzten Anstieg, zog das Tempo erneut an. Decomble und Thalmann mussten reißen lassen, vier Spitzenreiter nahmen den entscheidenden Berg in Angriff. Ihr Vorsprung war zum Beginn der letzten Auffahrt auf den Jaunpass auf etwa eine Minute geschmolzen.
Roglic und Paret-Peintre zeigten sich an den unteren Rampen als stärkste der Flucht, während Leonard um den Anschluss kämpfte. Doch das Peloton, unnachgiebig von UAE Team Emirates - XRG angetrieben, rückte rasch näher. Bei rund zwanzig Sekunden Abstand und etwas mehr als drei Kilometern bis zur Kuppe setzte Tadej Pogacar seinen Angriff.
Die Reaktion war unmittelbar und vernichtend. Pogacar schloss in einer fließenden Beschleunigung zur Spitze auf. Florian Lipowitz, Lenny Martinez und Jorgen Nordhagen versuchten zu folgen, doch nur Lipowitz konnte nach der Vereinigung kurzzeitig am Hinterrad des Slowenen bleiben.
Hoffnungen auf ein Duell währten nicht lange. Gut einen Kilometer vor der Passhöhe zog Pogacar erneut – diesmal endgültig. Lipowitz musste abreißen lassen, und binnen Momenten wuchs die Lücke auf über zwanzig Sekunden.
Von da an war es eine Demonstration von Kontrolle und Präzision. Tadej Pogacar hielt seinen Vorsprung in der Abfahrt und pilotierte die letzten zehn Kilometer souverän, sicherte sich seinen dritten Etappensieg der Woche in überlegener Manier. Florian Lipowitz rollte vierzehn Sekunden dahinter als Zweiter ins Ziel und bestätigte seine starke Form.
Dahinter sprintete eine größere Gruppe um den verbleibenden Podestplatz. Auffällig fehlte Carlos Rodríguez, der auf der Abfahrt stürzte. Glücklicherweise konnte der Spanier trotz der hohen Geschwindigkeit rasch wieder aufsitzen und weiterfahren – ein glimpflicher Ausgang.
Mit einem weiteren Etappensieg und einer ausgebauten Gesamtführung diktiert Pogacar weiterhin das Geschehen in der Romandie, während seine Rivalen auf Antworten suchen, je näher das Finale rückt.
Roglic wird für Red Bull zur Belastung, während Lipowitz gegen Pogačar überzeugt
Carlos Silva (CiclismoAtual)
Schon wieder spreche ich über Red Bull - BORA - hansgrohe und Primoz Roglic. Ich verstehe ehrlich nicht, was heute im Kopf des sportlichen Leiters vorging. Sobald Roglic am Start steht, wirkt Red Bull wie ein verlorener Fall.
Eine Mannschaft, sieben Fahrer, zwei völlig verschiedene Pläne. Ein Plan für Roglic, ein anderer für den Rest. Der Slowene gibt für seine Teamkollegen einfach keinen Tropfen Schweiß her. Heute ging er in die Gruppe. Schön und gut. Aber wozu? Jeder wusste, dass UAE so etwas nicht laufen lassen würde. Sie hatten einen klaren Plan: Pogacar zur dritten Auffahrt des Jaunpass bringen, wo er attackiert.
Roglic wird zur Belastung, von der Red Bull sich eher früher als später trennen muss. Wie schon gesagt: Sie sollten seinen Kalender neu aufsetzen und ihn in kleinere Rennen schicken.
Zum Rest: Pogacar sagte nach der Etappe sinngemäß „Ich trage Extragewicht.“ Aber das weiß er längst. Um in den Klassikern zu konkurrieren, muss er zulegen, Muskeln aufbauen.
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Jetzt geht es darum, das wieder umzudrehen, denn für die Tour de France gelten andere Gesetze. Doch er und UAE wissen genau, was sie tun. Eine Baguette weniger im Training – und das Thema erledigt sich schnell.
Was die anderen betrifft: Florian Lipowitz reagierte auf dem Schlussanstieg äußerst solide auf Pogacar und nutzte anschließend über die Kuppe hinweg seine Zeitfahrqualitäten voll aus, um die Abstände zum Weltmeister zu begrenzen.
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Martinez und Nordhagen versuchten ebenfalls, auf die Beschleunigung des Slowenen zu reagieren, doch über gute Absichten kam es nicht hinaus. An harten Tagen, wenn die Müdigkeit wächst, wird klar: Sie können mit dem Leader von UAE Team Emirates - XRG schlicht nicht mithalten.
Ich werfe das einfach mal in den Raum. Hat noch jemand bemerkt, wie die Rennmotos scheinbar erneut Pogacar schützten? Vielleicht ist es kleinlich, aber ich habe ein starkes Gefühl, dass es heute wieder passiert ist.
UAE kontrolliert die Romandie souverän, während Lipowitz seine Tour-Ambitionen bestätigt
Ruben Silva (CyclingUpToDate)
Business as usual, würde ich sagen. Nichts Unerwartetes, aber die Dominanz der UAE über die Romandie ist komplett. Die Aufstellung wirkte nicht übermäßig stark, und Tadej Pogacar sagte, er trage ein paar Extra-Kilo, was seine fehlende totale Bergdominanz erklärt.
Doch in der Pogacar-Ära kann man in einem Bergrennen ohne Tadej Pogacar (oder vielleicht inzwischen auch Paul Seixas) kaum ein anderes Resultat erwarten. UAE machte den ganzen Tag Tempo, Pogacar diktierte den Anstieg, griff an und fuhr solo ins Ziel.
Keine Spielchen, nichts Großes zu analysieren, einfach ein Team, das weiß, was funktioniert, und seinen stärksten Mann perfekt abliefert. Die ausbleibenden großen Zeitunterschiede sind kein Problem, er ist nicht in Topform und hat im Frühjahr an seiner Explosivität gearbeitet.
Im Mai und Juni ist die Phase, in der Fahrer wie er und Remco Evenepoel Gewicht verlieren, um in den Bergen mit Blick auf die Tour de France besser zu performen. Umgekehrt wirkte Florian Lipowitz sehr stark, blieb dem Weltmeister fast bis zum Gipfel am Hinterrad, in dem Rennen, in dem er vor zwei Jahren durchbrach.
Ein eher „traditioneller“ Aufbau: Die Form des Deutschen ist den ganzen Frühling über gewachsen, und hier würde er das Gesamtklassement dominieren, wäre Pogacar nicht am Start. Eine wirklich starke Leistung, die ihn als sehr vielversprechende Rückkehrerfigur fürs Tour-de-France-Podium untermauert.
Lenny Martínez erwischte heute keinen Sahnetag und war in der entscheidenden Phase weit weg von der Spitze. Dennoch bleibt er auf dem Podium, also wird die Enttäuschung überschaubar sein – mehr ist in diesem Rennen für ihn kaum drin. Das restliche Feld ist eher bescheiden. Das Bergankunft-Finale morgen kann noch Aktion bringen, erwartet aber keine großen Unterschiede gegenüber heute.
Pogačar regiert die Romandie mit eiserner Hand – kann ihn am Schlusstag noch jemand stoppen?
Javier Rampe (CiclismoAlDia)
Tadej Pogacar tat am Schlussanstieg zum Jaunpass, was nötig war. Als Primoz Roglic und Valentin Paret-Peintre die letzten Ausreißer waren, lancierte der moderne Champion seine erste Attacke aus der Favoritengruppe, und nur Florian Lipowitz konnte folgen. Dann, nahe der Kuppe, trat der zweifache Weltmeister erneut an, ließ den Deutschen stehen und fuhr seinem dritten Etappensieg entgegen.
Ein herausragender Pablo Castrillo vom Movistar Team wurde Dritter, also der Beste der „Normalsterblichen“. Auf der Schattenseite: Landsmann Carlos Rodriguez stürzte schwer. Selbst wenn er morgen wieder aufs Rad steigt, wird ein Top-10-Platz eine große Aufgabe.
Nach der Königsetappe, mit weiteren Höhenmetern am Schlusstag, regiert Tadej Pogacar mit eiserner Hand. Er lässt auf ausdauerlastigen Etappen, wo er neben Jonas Vingegaard der Maßstab ist, niemandem Raum. Und auch an offeneren Tagen, an denen in dieser Tour de Romandie Dorian Godon kurzzeitig zum Mathieu van der Poel wurde, um es spannend zu machen, nicht.
Wird der Slowene die Schweizer Rundfahrt ohne einen Moment der Entlastung für seine Rivalen abschließen?

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









