DISCUSSION Lombardei-Rundfahrt 2025 | War die Saison 2025 von Tadej Pogacar besser als 2024?
Radsport
Die Radsportsaison 2025 neigt sich dem Ende zu – und heute stand mit der Lombardei-Rundfahrt das letzte Monument des Jahres auf dem Programm. Der „Klassiker der fallenden Blätter“ gilt als das bergigste aller Monumente – ein Terrain, das perfekt zu Tadej Pogacar passt, wie er einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Wenige Kilometer nach dem Start formierte sich eine starke Ausreißergruppe mit Quinn Simmons, Michael Matthews, Filippo Ganna, Victor Langellotti, Lucas Hamilton, Gal Glivar, Mattia Bais, Pello Bilbao, Louis Vervaeke, Bart Lemmen, Walter Calzoni, Björn Koerdt, Thibault Guernalec und Asbjørn Hellemose. Das Spitzenquartett erarbeitete sich rasch einen Vorsprung von rund drei Minuten – mehr ließ das Feld jedoch nie zu.
UAE Team Emirates übernahm früh die Kontrolle des Rennens – überraschenderweise unterstützt von Bora-hansgrohe –, während die ersten 200 Kilometer weitgehend ereignislos verliefen. Kleinere Stürze von Tom Pidcock und Jai Hindley blieben glücklicherweise ohne größere Folgen.
An der Spitze griff Quinn Simmons am Passo della Crocetta an, setzte sich ab und distanzierte seine Verfolger Matthews, Ganna, Vervaeke und Bilbao, die schließlich vom Peloton gestellt wurden.
Im Hauptfeld blieb die Initiative weiter bei UAE. Weder Soudal–Quick-Step noch Ineos Grenadiers zeigten Interesse, das Tempo zu forcieren. Die Taktik der Emirate war klar und effektiv: Zuerst Sivakov, dann Majka und schließlich Vine erhöhten am Passo di Ganda (9,3 km à 7,1 %) sukzessive das Tempo – die Bühne war bereitet für die unvermeidliche Pogacar-Attacke.
Diesmal griff der Slowene bereits 36 Kilometer vor dem Ziel an – doch das Ergebnis blieb dasselbe: Niemand konnte folgen. Pogacar flog dem Ziel in Como entgegen, gewann seine fünfte Lombardei in Serie und zog damit mit der Legende Fausto Coppi gleich.
Hinter ihm entbrannte der Kampf um das Podium. Eine kleine Gruppe mit Remco Evenepoel, Isaac Del Toro, Michael Storer und Paul Seixas bildete sich, während eine zweite Verfolgergruppe um Primoz Roglic und Tom Pidcock den Anschluss verlor.
Seixas musste als Erster reißen lassen, Del Toro kämpfte am vorletzten Anstieg mit Problemen und fiel kurz vor der Abfahrt zurück. Schließlich blieb Storer als einziger Rivale von Evenepoel übrig – den er im Flachstück abschütteln konnte. Evenepoel wurde erneut Zweiter, während Storer sich verdient Bronze sicherte.
Nach dem Rennen baten wir einige unserer Autor:innen, ihre Gedanken und wichtigsten Erkenntnisse zum letzten Monument des Jahres zu teilen.
Rúben Silva (CyclingUpToDate)
Einfach, vorhersehbar, fast schon langweilig – so lässt sich Il Lombardia 2025 wohl am treffendsten zusammenfassen. Das Rennen folgte exakt dem Drehbuch, das alle kannten: UAE Team Emirates kontrollierte das Geschehen von Beginn an, Tadej Pogacar attackierte am Passo di Ganda – und niemand konnte folgen.
Es war eine Lehrbuch-Taktik, die längst jeder versteht und doch niemand zu durchbrechen vermag. Die Emirate bestimmten das Tempo mit Leichtigkeit, während Red Bull–BORA anstatt offensiv zu fahren und ihre starken Kletterer in Szene zu setzen, lieber mithalf, die Ausreißer zu kontrollieren – obwohl sie selbst keinen echten Favoriten für den Sieg hatten.
So kam es, wie es kommen musste: UAE machte das Rennen nach Plan, Pogacar setzte seinen gewohnten Antritt, und Evenepoel wurde – wieder einmal – Zweiter. Der Sieg war makellos, aber das Spektakel blieb aus.
So viele Glückwünsche an Pogacar, gewiss verdient – doch die Rennen beginnen, ihren Reiz zu verlieren. In einer Saison, in der alles auf denselben Fahrer und dieselbe Taktik hinausläuft, droht selbst ein Monument wie Il Lombardia seine Spannung zu verlieren. Noch nie war Dominanz so makellos – und zugleich so vorhersehbar.

Richard Carapaz stürzte beim Abstieg und musste aufgeben
Pascal Michiels (RadsportAktuell)
Welche Superlative bleiben noch, um Tadej Pogacar zu beschreiben?
Zu sagen, der Mann komme aus Slowenien, ist eigentlich falsch. Er hat im Radsport sein eigenes Land erschaffen – SOLO-venia.
Die Hauptstadt dieses Landes heißt Pogacar, und sie hat leider nur einen einzigen Einwohner: Pogacar selbst.
So oft, wie dieser Mann in dieser Saison bergauf attackiert hat, so oft hat er auch gewonnen. Doch was viele übersehen: Pogacar fährt nicht nur stark – er fährt brillant klug. Selbst mit einem Weltklasseteam an seiner Seite gelingt es nur wenigen, Rennen so präzise zu lesen und zu kontrollieren wie er.
Er scheint immun gegen all das, was andere Fahrer Woche für Woche aus dem Konzept bringt:
keine Defekte, keine Stürze, keine Nervosität – nichts. Pogacar stürzt einfach nie.
Er gleitet durch die Saison wie durch ein Drehbuch, das er selbst geschrieben hat.
Der Rest des Pelotons, angeführt von Remco Evenepoel, kann meist nur zuschauen – und anschließend im Siegerinterview wieder hören, wie Pogacar lächelnd sagt:
„Jedes Jahr sage ich, das war meine beste Saison überhaupt – und dieses Jahr kann ich es wieder sagen.“
Und man glaubt es ihm.
Vielleicht werden wir alle im Oktober 2026, nach der Lombardei-Rundfahrt, genau denselben Satz wieder hören –
vom einzigen Bürger eines außergewöhnlichen Landes namens SOLO-venia.
Jorge P. Borreguero (CiclismoAlDía)
Tadej Pogacar beendet die Saison 2025, indem er seine bereits als unschlagbar geltende Leistung aus dem Vorjahr noch einmal übertrifft. Damit erleben wir gerade den Fahrer, der seine Karriere wohl als bester Radrennfahrer der Geschichte abschließen wird.
Mit seinem fünften Sieg in Folge bei der Lombardei-Rundfahrt – und seinem zehnten Monument insgesamt – hat der Star des UAE Team Emirates endgültig historische Dimensionen erreicht. In der ewigen Bestenliste liegt er nun auf Rang drei, nur noch Eddy Merckx und Roger De Vlaeminck haben mehr Monumente gewonnen.
Warum ich glaube, dass Pogacar der Größte aller Zeiten wird?
Weil er erst 27 Jahre alt ist – und wir sein volles Potenzial vermutlich noch gar nicht gesehen haben. Nach seinem Sieg sagte er selbst:
„Jedes Jahr sage ich, das war meine beste Saison überhaupt – und dieses Jahr kann ich es wieder sagen.“
Solange ihn keine unvorhersehbaren Rückschläge bremsen, scheint dieser Satz auch in Zukunft zu gelten. Pogacar ist auf dem besten Weg, alle Rekorde zu brechen – und trotzdem gelingt es ihm, uns jedes Mal aufs Neue zu verblüffen.
Viele nennen seine Rennen vorhersehbar. Doch in Wahrheit liegt darin ihre Magie:
Selbst wenn man genau weiß, was passieren wird, bleibt man fassungslos, wie er es wieder schafft.
Langweilig? Ganz und gar nicht.
Tadej Pogacar ist ein Ausnahmeathlet, ein Jahrhundertfahrer – und wir dürfen uns glücklich schätzen, diese Ära live mitzuerleben.
Félix Serna (CyclingUpToDate)
Die einzige Überraschung war, dass Tadej Pogacar „nur“ 36 Kilometer vor dem Ziel attackierte.
Nach den extrem langen Solos, die er in letzter Zeit bei Eintagesrennen gefahren ist, wirkt ein Angriff über weniger als 40 Kilometer fast schon unspektakulär.
UAE Team Emirates kontrollierte das Rennen von Anfang bis Ende – wie immer, wenn Pogacar am Start steht. BORA–hansgrohe traf dabei eine fragwürdige Entscheidung: Statt früh zu attackieren oder einen ihrer starken Kletterer in eine Spitzengruppe zu schicken, halfen sie UAE bei der Kontrolle der Ausreißer in der ersten Rennhälfte.
Warum?
Glaubten BORA oder Primoz Roglic, dadurch ihre Chancen auf ein Podium zu erhöhen? Schwer zu sagen – doch der Plan ging nicht auf: Roglic beendete das Rennen nur auf Rang 22.
Ob Pogacars Saison 2025 tatsächlich besser war als jene von 2024, ist schwer zu beurteilen.
Im vergangenen Jahr schien es fast unmöglich, diese Bilanz zu übertreffen: 25 Siege, zwei Grand-Tour-Titel (Giro und Tour de France) mit jeweils sechs Etappensiegen, dazu zwei Monumente und der Weltmeistertitel.
2025 war „nur“ eine Grand Tour dabei, dafür aber drei Monumente statt zwei – und Podiumsplätze bei Paris–Roubaix und Mailand–San Remo. Dazu kamen die Titel bei den Welt- und Europameisterschaften. Insgesamt 20 Siege – und wieder einmal totale Dominanz.
In Summe war Pogacar in beiden Jahren überragend.
Vielleicht hat 2024 leicht die Nase vorn – zwei Grand Tours mit je sechs Etappensiegen sind schwer zu toppen, selbst wenn die Monumente „nur“ die bergigeren Klassiker waren, die seinem Fahrstil ohnehin liegen.
Und doch: Der Eindruck bleibt, dass Pogacar immer noch Luft nach oben hat.
Ich stimme Jorge zu – wir haben das Beste von ihm noch nicht gesehen.
2026 könnte noch einmal eine neue Dimension erreichen.
Pogacar ist auf dem direkten Weg, der beste Radfahrer aller Zeiten zu werden.
Und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis er diesen Status endgültig erreicht.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









