„Dieser Junge kann so tief gehen“ – Visma macht aus einem Klassikerspezialisten einen Kletterer, der an den Alpenanstiegen brilliert

Radsport
Sonntag, 24 Mai 2026 um 13:00
TimRex
Team Visma | Lease a Bike hatte für die erste echte Bergetappe des Giro d’Italia einen klaren Plan – und setzte ihn perfekt um. Jonas Vingegaard holte den Etappensieg, maßgeblich dank der Arbeit seiner Teamkollegen. Besonders die frühe Schufterei von Tim Rex blieb nicht unbemerkt: sein schmerzverzerrtes Gesicht an der Spitze des Feldes bergauf war eines der Bilder des Tages.
„Ich bin ziemlich zerstört, ja. Ich war eigentlich schon durch, aber dann hieß es plötzlich, ich müsse weiterfahren“, berichtete Rex gegenüber Sporza. Der Belgier, in seiner ersten Profisaison, entstammt der belgischen Kontinentalszene und fuhr 2025 im Visma-Development-Team. Er entwickelte sich als Klassikerfahrer, wurde nun aber als Helfer und potenzieller Straßenkapitän aufgebaut. Seine Arbeit für Wout Van Aert und Matteo Jorgenson bei Tirreno–Adriatico fiel auf, seine Stärke liegt auf flachen und explosiven Rennen.
Beim Giro jedoch trägt Visma die Verantwortung, in den Bergen zu attackieren. Entsprechend mussten sowohl Timo Kielich als auch Tim Rex auf ungewohntem Terrain liefern. Rex’ Leidensmiene am Anstieg nach Lin Noir stach heraus. „Ich habe Sterne und anderes gesehen als die Straße. Ich bin sehr froh, dass es aufgegangen ist.“
Das war kein Zufall. Obwohl er kein Kletterer ist, fuhr Rex satte 31 Minuten mit 400 Watt und drückte für sein Team das Tempo. Für einen Fahrer, der angeblich 70 kg wiegt und 1,90 Meter groß ist, ist das eine beeindruckende Leistung. „Es ist eine meiner Stärken, dass ich weitermachen kann, bis wirklich das Licht ausgeht. Ich habe mir vor allem selbst wehgetan. Als ich sah, wie klein die Gruppe noch war, war ich selbst überrascht“, gab er zu.

Victor Campenaerts rückt Rex ins Rampenlicht 

Mit nur sieben Fahrern übrig und der Aufgabe, eine ganze Etappe gegen Ausreißer wie Giulio Ciccone, Einer Rubio und andere zu kontrollieren, war Vismas Leistung alles andere als klein. Victor Campenaerts leistete seinen Teil am Anstieg nach Pila, lobte aber gleichermaßen Rex für dessen frühere Arbeit am Tag.
„Wir mussten uns auch erst daran gewöhnen. Der Junge kann so tief gehen. Man sitzt manchmal hinter einem Teamkollegen und denkt, das hält noch 30 Sekunden. Bei Tim weiß man an der Körpersprache, dass er noch eine halbe Stunde weitermachen kann“, staunte er.
„Wir hatten einen sehr klaren Plan und blieben die ganze Zeit ruhig. Alle haben sich voll reingehängt. Niemand hatte einen schlechten Tag.“ Wie einst Team Sky in den 2010ern und wie es UAE Team Emirates – XRG für Tadej Pogacar oft praktiziert: Die Mannschaft setzte ihre Fahrer nacheinander ein, um Vingegaard in eine Siegposition – und ins Rosa Trikot – zu bringen.
Das ist die Frucht der Arbeit reiner Kletterer wie Sepp Kuss und Davide Piganzoli, aber auch der Klassikerspezialisten, die abseits ihres bevorzugten Terrains abliefern. „Die Hintertür stand hinter dem Peloton offen, als Timo [Kielich] von vorn fuhr. Und man würde ihn nun wirklich nicht als Kletterer bezeichnen. Es war den ganzen Tag über spannend.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading