Pauline Ferrand-Prevot war als Titelverteidigerin in die
Tour de France Femmes 2026 gestartet. Doch der Traum vom zweiten Gesamtsieg in Folge platzte, nachdem die Französin in entscheidenden Rennsituationen das Tempo ihrer Konkurrentinnen nicht mehr mitgehen konnte. Nachdem auch der Mont Ventoux nicht die erhoffte Wende gebracht hatte, trat Ferrand-Prevot schließlich nicht mehr zur achten Etappe an.
Dass die Französin die Rundfahrt vorzeitig beenden würde, kam dabei nicht völlig überraschend. Schon zuvor hatte sich abgezeichnet, dass die Vorjahressiegerin nicht über jene Form verfügte, die sie im Kampf um den Gesamtsieg benötigt hätte.
Visma - Lease a Bike bestätigt Ferrand-Prevots Ausstieg
Am Morgen vor dem Start bestätigte
Visma - Lease a Bike schließlich, dass Ferrand-Prevot nicht mehr antreten würde. In einem Statement erklärte das Team: „Leider ging es Pauline heute Morgen nicht gut. In Absprache mit dem medizinischen Staff wurde entschieden, dass sie heute nicht startet. Wir wünschen Pauline eine schnelle Genesung!“
Während der ersten Woche der Rundfahrt hatte Ferrand-Prevot wiederholt betont, ihre Form sei nicht so schlecht, wie es von außen den Anschein mache. Spätestens am Mont Ventoux wurden jedoch die Defizite in ihrer Vorbereitung deutlich sichtbar. Dort verlor sie mehr als zehn Minuten auf Kasia Niewiadoma – ausgerechnet auf jene Fahrerin, die Ferrand-Prevot ein Jahr zuvor am Hochgebirgsgiganten Col de la Madeleine noch um drei Minuten distanziert hatte.
Als Gast bei RMCs „Integrale Tour“ ordnete Paul Brousse, Nationaltrainer der französischen Frauen-Straßenmannschaft, den Zustand der Mountainbike-Olympiasiegerin ein. Seiner Einschätzung nach wirkte Ferrand-Prevot „ein wenig müde“ und verfügte schlicht nicht über die notwendigen Mittel, um auf Augenhöhe mit ihren stärksten Konkurrentinnen zu kämpfen.
Ferrand-Prevot fehlte die nötige Frische
Brousse stellt sich deshalb die Frage, was hinter den verschlossenen Türen des Top-Teams schiefgelaufen sein könnte, damit eine Fahrerin von Ferrand-Prevots Klasse in einem derart wenig konkurrenzfähigen Zustand beim Saisonhöhepunkt antrat.
„Ich kenne die internen Abläufe des Teams, das Coaching oder die Trainingsinhalte überhaupt nicht, aber körperlich wirkte sie ein bisschen wie im Vorjahr. Man sah, dass sie hervorragend vorbereitet war, in Topform – aber das waren die anderen auch. Allerdings sah man sofort, dass sie etwas müde wirkte, dass die Regeneration nicht gereicht hatte.“
Insbesondere vermutet Brousse, dass Visma - Lease a Bike in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Tour möglicherweise einen Schritt zu weit gegangen sein könnte. Der Versuch, gegenüber der Konkurrenz noch zusätzliche Leistungsreserven herauszuholen, könnte sich demnach letztlich als kontraproduktiv erwiesen haben.
„Haben wir in diesem letzten Trainingsblock vor der Tour de France nicht versucht, die Grenzen noch höher zu setzen als in den Jahren zuvor? Nach dem Motto: ‚Unsere Rivalinnen haben hart gearbeitet, wir legen noch härter nach.‘“
Für Brousse liegt deshalb der Verdacht nahe, dass Ferrand-Prevot nach der intensiven Vorbereitung schlicht nicht genügend Zeit blieb, um ihre maximale Leistungsfähigkeit rechtzeitig zum Start der Tour wiederherzustellen.
„Und am Ende reichten Planung, Tapering und Ruhe nicht, um bei 100 Prozent zur Tour anzutreten. Mein Eindruck war, dass sie etwas müde war“, lautete seine abschließende Einschätzung.