In der langen Tradition von Radsportfamilien ragt der Name Vinokourov unweigerlich heraus. Alexander Vinokourov, einst Ikone des Pelotons, ist heute langjähriger General Manager des XDS Astana Team. Innerhalb derselben Struktur schlagen seine beiden Söhne, Alexandre und Nicolas Vinokurov, ihre eigenen Wege ein. Einer fährt noch aktiv (Nicolas), während Alexandre Ende 2025 seine Karriere beendete und nun vom Mannschaftswagen aus arbeitet.
Vermächtnis und Druck in der Astana-Familie
Für Nicolas Vinokurov fühlt sich das Leben und Fahren unter der Leitung seines Vaters beinahe selbstverständlich an. „Ehrlich gesagt spüre ich nicht viel“, erklärte er in einem Interview mit
Cyclism Actu.
„Seit ich 8, 9, 10 Jahre alt war, war ich immer beim Team dabei. Ich habe gesehen, wie alles läuft: die Rennen, die Trainingslager. Am Ende ist es egal, ob es mein Vater ist oder nicht – das gesamte Team fühlt sich wie eine Familie an. Ich fühle mich wirklich zu Hause und sehr wohl, und das ermöglicht mir, mich in einem hochwertigen Umfeld weiterzuentwickeln.“
Sein Bruder Alexandr Vinokurov räumt hingegen ein, dass es nie leicht ist, einen so berühmten Namen zu tragen. „Als Fahrer erzeugt das zwangsläufig mehr Stress, es gibt immer diesen Druck“, gab er zu.
„Ich denke, das ist bei allen Söhnen großer Champions ähnlich: Die Leute warten darauf, was sie leisten werden, obwohl es unmöglich ist, es noch besser zu machen. Schon die Hälfte dessen zu erreichen, was sie geschafft haben, ist unglaublich. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und versucht, das alles auszublenden.“
Nicolas Vinokourov untermauerte seinen Fortschritt 2025 mit mehreren auffälligen Fluchtversuchen bei der Vuelta a España und seinem ersten Top-Fünf-Gesamtergebnis bei einer ProSeries-Rundfahrt: Bei der Tour de Langkawi in Malaysia wurde er Vierter der Gesamtwertung.
Sein älterer Bruder, Alexandr Vinokurov Jr., hat bereits in eine andere Rolle gewechselt. Nach einem schweren Sturz in Griechenland musste er seine Karriere mit nur 23 Jahren beenden und ist inzwischen als Sportdirektor tätig.
Nach einer äußerst erfolgreichen Karriere ist Vinokourov heute General Manager von Astana
Auf dem Weg in eine neue Ära datengetriebener Performance
Jenseits der sportlichen Linie entwickelt sich XDS Astana – wie alle Teams – auch im Hintergrund weiter. Morgan Saussine, Data Scientist des Teams, gab Einblick in eine Funktion, die im Profiradsport noch selten ist, aber in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürfte.
„Ich denke, wir stehen noch ganz am Anfang“, sagte Saussine. „Daten gibt es im Radsport schon lange, aber die Reife der Datenabteilungen ist gering, vor allem, weil sie oft auf eine Person beschränkt sind. Vergleicht man das mit anderen Sektoren wie der Finanzbranche, ist die Rollenspezialisierung dort viel weiter.“
Mit Blick nach vorn erwartet er große Veränderungen. „Diese Rollen sollten sich weiterentwickeln und strukturierter werden: Data Engineers, Data Analysts, Data Scientists, jeweils mit klarerem Fokus. Die großen Teams investieren hier bereits massiv, intern oder über externe Partner. Persönlich gefällt mir diese sehr transversale, fast ‚Full-Stack‘-Rolle, die die gesamte Datenkette abdeckt. Aber klar ist: Dieser Beruf wird sich weiterentwickeln und in den kommenden Jahren noch professioneller werden.“