„Der Star der Zukunft“ – Tadej Pogačars Superagent peilt den ersten 1‐Millionen‐Euro‐Vertrag im Frauenradsport an, während Paula Blasis Durchbruch die Spielregeln verändert

Radsport
Dienstag, 19 Mai 2026 um 20:00
Paula Blasi
Der Frauenradsport arbeitet seit Jahren auf das erste Millionengehalt hin. Alex Carera glaubt nun, dass Paula Blasi die Fahrerin sein könnte, die diese Marke endlich knackt.
Das ist keine kleine Aussage. Carera ist nicht einfach ein weiterer Agent, der eine Klientin hochjubelt. Der Italiener vertritt unter anderem Tadej Pogacar, Jasper Philipsen und Isaac Del Toro und verfügt damit über Einfluss, den nur wenige im Radsport erreichen. Jetzt rückt er Blasi in den Mittelpunkt dessen, was der nächste große finanzielle Sprung im Frauenpeloton werden könnte.

Agent Carera: Blasi soll erste Millionärin im Frauenradsport werden

Auffällig ist das Timing. Blasi wird nicht als Zukunftsprojekt mit ferner Perspektive positioniert. Nach ihren Siegen beim Amstel Gold Race und bei der La Vuelta Femenina im selben Frühjahr ist die 23-jährige Spanierin plötzlich einer der wertvollsten Namen im Frauenradsport. Gegenüber The Athletic machte Carera klar, wohin dieser Aufstieg führen sollte. Gefragt nach seinem Ziel, Blasi als erste Fahrerin bei €1 Mio. pro Jahr zu sehen, antwortete er: „Das ist mein Ziel.“
Für Carera ist die Begründung simpel. „Weil sie der Star der Zukunft im Radsport ist“, sagte er.

Blasi zwingt den Frauenradsport, seine Obergrenze neu zu denken

Die Bedeutung von Careras Worten geht über eine einzelne Vertragsverhandlung hinaus. Blasi ist bereits bis Ende 2027 an UAE Team ADQ gebunden, der Vertrag wurde zur Saisonmitte im Vorjahr geschlossen. Seither hat sich ihr Marktwert dramatisch verändert.
Ihr Sieg beim Amstel Gold Race hat ihren Status in den Klassikern transformiert. Der Gesamterfolg bei der La Vuelta Femenina hob sie in eine noch größere Kategorie. Innerhalb eines Frühlings bewies Blasi, dass sie ein großes Eintagesrennen gewinnen, die Anforderungen einer Grand Tour meistern und unter jenem Druck bestehen kann, der sonst den etabliertesten Namen im Sport vorbehalten ist.
Das zählt, weil die Spitze des Frauenradsports sich rasant wandelt. Der Wechsel von Demi Vollering zu FDJ-SUEZ hat gezeigt, wie offensiv sich der Markt entwickelt, während Lotte Kopecky bei SD Worx-Protime eine der wertvollsten und bekanntesten Fahrerinnen bleibt. Beide sollen nahe an der Millionengrenze liegen, auch wenn die exakte Gehaltsobergrenze im Frauenpeloton schwer zu verifizieren ist.

Kein Eintagswunder

Blasi gehört nun fest zu dieser größeren Debatte. Der Unterschied ist die Geschwindigkeit, mit der sie dort angekommen ist. Genau das verleiht der Geschichte Schärfe: Carera argumentiert nicht nur, dass Blasi gut bezahlt werden sollte. Er setzt öffentlich einen Maßstab dafür, was die nächste Generation weiblicher Stars wert sein sollte.
Blasis Ergebnisse 2025 machen das greifbar. Neben ihren Siegen bei Amstel und der La Vuelta Femenina wurde sie Dritte beim Flèche Wallonne und Fünfte bei Lüttich–Bastogne–Lüttich. Das verlieh ihrer Frühjahrskampagne Substanz. Es war kein Ausreißer mit anschließendem Schweigen. Es war eine nachhaltige Ankunft auf höchstem Niveau.
Für UAE Team ADQ ist Blasi damit zugleich Prunkstück und Langzeitaufgabe. Der Rennstall hat eine der aufregendsten Fahrerinnen des Pelotons unter Vertrag, doch wenn ihr Wert weiter so schnell steigt, könnte ihre Zukunft über 2027 hinaus zu einer der prägenden Vertragsgeschichten im Frauenradsport werden.

Careras €1-Million-Ziel ist ein Marktsignal

Das Etikett „Superagent“ passt zu Carera, weil sein Einfluss weit über Routinetätigkeiten bei Verträgen hinausgeht. In einem Sport, der traditionell anders funktioniert als der Fußball, ist er einer der wenigen echten Marktakteure.
Seine Klientenliste verschafft ihm Zugriff auf die größten Themen im Männerpeloton, mit Pogacar als prägendem Fahrer seiner Generation und Philipsen als einem der erfolgreichsten Sprinter der Welt. Blasi gibt ihm nun Anteil an einer der größten Entwicklungen auf der Frauenseite des Sports.
Deshalb hat sein €1-Millionen-Ziel Gewicht. Es ist keine Außenprognose. Es ist ein Marker von jemandem, der versteht, wie Spitzenfahrerinnen bewertet werden, wie Teams um künftige Leader konkurrieren und wie schnell sich der kommerzielle Wert verschieben kann, wenn Ergebnisse, Profil und Potenzial gleichzeitig zünden.
Superagent Alex Carera spricht mit den Medien
Superagent Alex Carera spricht mit den Medien

Die nächste Hürde für den Frauenradsport

Blasis Reiz liegt auf der Hand. Sie ist jung, Spanierin, gewinnt bereits auf WorldTour-Niveau und wirkt, als sei ihre Decke noch nicht erreicht. Für ein Frauenpeloton auf der Suche nach neuen globalen Galionsfiguren ist das eine starke Kombination.
Das aktuelle Gehaltsbild bleibt unscharf. Von Vollering heißt es, sie verdiene bei FDJ-SUEZ etwas unter €1 Mio. pro Jahr, während Kopecky bei SD Worx-Protime auf einem ähnlichen Niveau liegen soll. Careras Ambition für Blasi geht daher über eine einzelne Fahrerin hinaus. Es geht darum, eine symbolische Marke zu durchbrechen, auf die der Sport seit einiger Zeit zusteuert.
Der Frauenradsport hat sich in Sichtbarkeit, Teaminvestitionen und Leistungsdichte bereits drastisch verändert. Die nächste Frage lautet, ob das Geld an der Spitze nun der gleichen Kurve folgen kann.
Blasis Durchbruch kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, um das zu testen. Carera hat klar gemacht, wohin sich der Markt aus seiner Sicht bewegen sollte. Jetzt muss der Sport entscheiden, ob sein neuester Superstar auch die Fahrerin ist, die den Preis seiner Zukunft endgültig verändert.
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