„Der Moment der Dringlichkeit“: Tom Danielson erklärt den Unterschied zwischen Pogačar und Seixas bei Strade Bianche

Radsport
Montag, 09 März 2026 um 8:30
Pogacar setzte 78 km vor dem Ziel die entscheidende Attacke
Der ehemalige US-Profi Tom Danielson hat sich kürzlich in den sozialen Medien zur Strade Bianche 2026 geäußert. Während alle vom 80-Kilometer-Solosieg von Tadej Pogacar beeindruckt waren, konzentrierte sich Danielson auf die Technik des jungen Fahrers, der ihm zu folgen versuchte. Er stellte Pogacar dem 19-jährigen Paul Seixas gegenüber, um die feinen Unterschiede zu erklären, die einen guten Fahrer von einem großen Champion trennen.
Als Pogacar seinen massiven Angriff im Sektor Monte Sante Marie lancierte, konnte nur ein Fahrer für kurze Zeit mithalten. Danielson würdigte diesen Einsatz des jungen französischen Talents.
„Bei der heutigen Strade Bianche sahen wir erneut eine dominante Vorstellung von Tadej Pogacar, aber auch eine herausragende Fahrt des 19-jährigen Paul Seixas, der Tadej während dessen Attacke über die Monte Sante Marie am längsten folgen konnte.“
Danielson nennt diesen kritischen Punkt im Rennen den „Moment der Dringlichkeit“. Er erklärte, dass man genau an diesem Augenblick erkenne, warum Pogacar wegfahren konnte.
„Während Seixas in den kommenden Jahren versucht, die Lücke zu Tadej zu schließen, können wir die beiden Fahrer in diesem entscheidenden Moment (den ich den Moment der Dringlichkeit nenne) vergleichen, um Bereiche zu sehen, die möglicherweise zu der Lücke beigetragen haben, die Tadej herausfahren konnte.“

Wohin der Blick geht

Der erste wesentliche Unterschied, den Danielson bemerkte, betraf die Blickführung. Während Pogacar weit voraus schaute, richtete Seixas den Blick direkt vor sein Vorderrad.
„Das Erste, was mir auffiel, war, dass Tadej den Anstieg voraus im Blick hatte, während Seixas stärker auf die Straße unmittelbar vor seinem Vorderrad schaute.“
Danielson erklärte, warum dieses scheinbar kleine Detail auf den heiklen Schotterstraßen der Toskana so viel ausmacht. „Auch wenn das nach einem kleinen Unterschied klingt, ermöglicht der Blick nach vorne die bessere Gangwahl, die sauberere Linie, mehr Ruhe auf dem Rad und dadurch möglicherweise höhere Geschwindigkeit.“

Trittfrequenz und Rumpfkraft

Als Nächstes hob Danielson die Kadenz hervor, also wie schnell die Fahrer die Pedale drehen. Beide traten hochfrequent, doch Pogacar wirkte noch schneller. „Während beide Fahrer mit hoher Trittfrequenz unterwegs waren, schien Tadej sogar etwa 10 U/min über Seixas zu liegen, was zu noch höherer Leistungsabgabe bei vermutlich geringerem Drehmoment führte.“
So schnell zu kurbeln ist auf losem Untergrund allerdings schwierig. Laut Danielson braucht es dafür viel Körperkontrolle. „So simpel es klingt: Dafür braucht es eine stärkere Verankerung auf dem Rad über die Rumpfmuskulatur sowie eine höhere aerobe Leistung. Zudem verlangt es mehr Traktion auf dem Schotter, weshalb die beste Linie entscheidend ist.“

Atmung und Körperhaltung

Zum Schluss betrachtete Danielson die Oberkörperhaltung bei maximaler Belastung. Pogacar wirkte deutlich offener und entspannter, was die Atmung verbessert.
„Es ist interessant, beide Oberkörper zu vergleichen. Tadej hat sichtbar einen offeneren Brustkorb im Vergleich zu Seixas’ scheinbar geschlossenerer Brust. Zudem scheint Tadej tiefere Zwerchfellatmung zu nutzen als Seixas.“
Nach Ansicht des Ex-Profis hängt Pogacars Atmung damit zusammen, wie er seine Rückenmuskeln zur Stabilisierung auf dem Rad einsetzt. „Ich glaube, beide Schlüsselbereiche rund um die Atmung resultieren daraus, wie Tadej seine Latissimus-Muskulatur nutzt, um sich auf dem Rad zu verankern und den Pedaltritt zu stützen.“
Auch wenn Seixas enorm stark ist, ist Danielson überzeugt, dass die Korrektur dieser kleinen technischen Details dem Teenager helfen könnte, künftig den besten Fahrer der Welt herauszufordern. „Alle drei Punkte können einen kleinen Unterschied machen, aber ich glaube, es sind einfache Dinge, an denen Seixas arbeiten kann, um im Schlüsselmoment, im Moment der Dringlichkeit, näher bei Tadej zu bleiben.“
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