Das Ausmaß von Wout van Aerts
Paris-Roubaix-Sieg reichte weit über das Velodrom von Roubaix hinaus. In den folgenden Tagen schwappte die Euphorie durch ganz Belgien, von voll besetzten Dorfplätzen bis zu viralen Videos, die zeigten, wie stark dieser Erfolg nachhallte.
Sie erreichte sogar die höchste Ebene. „Ich war überrascht, als ich nachts eine Nachricht las, dass der König mich anrufen wolle“,
berichtete Van Aert bei Sporza und blickte auf die Tage nach seinem Triumph zurück. Der Anruf kam von König Philippe von Belgien – ein seltenes Zeichen dafür, wie direkt sportlicher Erfolg ins nationale Bewusstsein vordringt.
Ein Anruf, der den Moment einfing
Es wurde kein langes, kein großes Gespräch, doch die Botschaft war eindeutig. „Der König hat mir im Namen aller Belgier für diese Leistung gedankt. Er sagte, er sei stolz.“
Für einen Fahrer, der die ganz großen Bühnen des Radsports kennt, ragte dieser Moment dennoch heraus. „Ich habe vor allem zugehört. Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Es passiert nicht oft, aber manchmal bin auch ich beeindruckt.“
Die Reaktionen unterstreichen die Tragweite dieses Sieges.
Paris-Roubaix ist ein prägendes Rennen des Sports, doch Van Aerts Erfolg wog umso schwerer vor dem Hintergrund seiner Laufbahn und der Erwartungen der vergangenen Jahre.
Die Reaktion einer Nation
Dieses Gewicht spiegelte sich in der öffentlichen Resonanz. Van Aert gab zu, von der Wucht der Feiern überrascht worden zu sein, die weit über das übliche Nachrennen-Echo hinausgingen. „Dass ich so viele Menschen glücklich gemacht habe, macht auch mich glücklich.“
Unter vielen ihm zugesandten Momenten blieb einer besonders hängen. „Es gibt ein Video, das ich gespeichert habe. In einem Dorf bei uns hatten Fans seit Jahren gewettet: Wenn ich je Roubaix gewinne, fahren sie nackt um die Kirche.“
Van Aert konnte nur über die Folgen seines Triumphs schmunzeln. „Ich habe es auf dem Handy. Das Video zeigen? Das tue ich ihnen nicht an. Die sind schon schockiert genug, wenn sie das hier sehen.“
Der Blick nach vorn
Trotz aller Feierlichkeiten richtet sich der Fokus längst wieder auf den Rennalltag. Van Aert macht sich nichts vor: Ein Sieg, so bedeutend Roubaix auch ist, definiert nicht die restliche Saison. „Ich hoffe, dass es weiterläuft und der Roubaix-Erfolg nicht alles auf einmal war. Ich bin immer noch Radprofi und habe weiterhin große Motivation.“
Diese Motivation gilt nun den nächsten Monaten, die Ziele sind klar. „Ab den Belgischen Meisterschaften hoffe ich, wieder in Form zu sein. Vor allem das erste Tour-Wochenende ist ein sehr großes Ziel für uns als Team. Wenn es dort gut läuft, könnte ich dem Gelben Trikot nahekommen. Diese beiden Dinge habe ich klar im Kopf.“
Auch der weitere Plan steht. „Ich werde die Vuelta als Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften fahren. Wir starten dort ohne klaren Kapitän, aber Matthew Brennan und ich wollen Etappen gewinnen.“
Kurze Atempause vor dem nächsten Anlauf
Vor der nächsten Phase hat sich Van Aert eine kurze Auszeit gegönnt.
Eine jüngste Bikepacking-Tour bot Abstand vom strukturierten Training – mit kleinem Vorbehalt. „Es war nicht das seriöseste Training, aber ich habe es sehr genossen.“
Die Rückkehr zur vollen Vorbereitung ist bereits terminiert. „Nächste Woche geht es ins Höhentrainingslager, dann beginnt meine Tour-Vorbereitung wirklich.“
Ein Moment über den Radsport hinaus
Der Anruf des Königs, die Szenen im ganzen Land und die Erzählungen der Tage nach dem Rennen deuten auf etwas Größeres als ein einzelnes Resultat hin.
Paris-Roubaix mag zu den prestigeträchtigsten Trophäen des Radsports gehören, doch für Van Aert hat dieser Sieg eine andere Dimension angenommen. Nicht nur als Monument-Erfolg, sondern als Moment, der ein Land berührte.
Und wie die Reaktion aus höchstem Amt Belgiens zeigte, blieb diese Leistung nicht unbemerkt.