Tadej Pogacars brutale 6. Etappe bei der Tour de France 2026 hat nun auch eine beeindruckende statistische Dimension erhalten: Der Slowene stellte am Col du Tourmalet auf dem Weg nach Gavarnie-Gèdre eine neue Kletter-Bestzeit auf.
Pogacar griff nach einem massiven UAE Team Emirates – XRG-Anfahrtszug am Tourmalet an, distanzierte Jonas Vingegaard, holte sich auf dem Gipfel den Souvenir Jacques Goddet und fuhr solo zu seinem 23. Tour-de-France-Etappensieg. Am Ende des Tages trug er wieder Gelb, führte Vingegaard im Gesamtklassement mit 2:42 und lag auch in der Bergwertung vorn.
Pogacar setzt neue Tourmalet-Bestmarke
Laut Kletterdaten der 6. Etappe bewältigte Pogacar den Col du Tourmalet in 43:12 Minuten und fuhr die 17,00 km lange Steigung mit einem Schnitt von 23,61 km/h.
Der Anstieg, mit 7,46 % Durchschnittssteigung und 1.268 Höhenmetern gelistet, ergab berichtete 1.761 VAM und geschätzte 6,39 w/kg. Das reichte für einen neuen Kletterrekord an einem der berühmtesten Berge der Tour-Geschichte.
Der Rekord fiel in dem Moment, als UAE das Rennen endgültig aufsprengte. Tim Wellens, Felix Grossschartner, Brandon McNulty und Adam Yates hatten die Spitze bereits ausgedünnt, bevor Isaac del Toro fünf Kilometer vor dem Gipfel beschleunigte und Pogacar mitnahm.
Nachdem Del Toro seine Arbeit beendet hatte, zog Pogacar alleine durch. Vingegaard fand dahinter in seinen Rhythmus, doch der Abstand wuchs von rund einer halben Minute auf dem Gipfel bis zum deutlichen Rückstand im Ziel in Gavarnie-Gèdre.
Die gemeldeten 6,39 w/kg entstanden auf der ersten echten Hochgebirgsetappe nach einem heißen, zermürbenden Tag in den Pyrenäen. Pogacars Vorstoß war kein kurzer Schlusskick oder kontrolliertes Markieren, sondern ein voller Tourmalet-Angriff, der über die Abfahrt bis auf den Schlussanstieg trug.
Vingegaard fuhr dennoch stark genug, um auf Platz zwei der Gesamtwertung und der Bergwertung vorzurücken, doch Pogacars Tourmalet-Rekord erzeugte die entscheidende Selektion der Etappe. Dahinter kämpften Isaac del Toro, Remco Evenepoel, Juan Ayuso, Paul Seixas, Florian Lipowitz und Lenny Martinez in einem separaten GC-Duell.
Das Ergebnis beschert Pogacar das Gelbe Trikot, die Führung im Bergtrikot, den 23. Tour-Etappensieg und fast drei Minuten Vorsprung auf seinen größten Rivalen. An einem Tag, der bereits als Schlüsselmoment der Tour 2026 gelten dürfte, verleiht der Tourmalet-Rekord Pogacars Leistung auf der 6. Etappe einen weiteren historischen Stempel.
Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.