Nur noch wenige Tage bis zum Start der
Tour de France 2026, und das große Duell zwischen
Tadej Pogacar und
Jonas Vingegaard hat faktisch schon begonnen. Doch jenseits des erwarteten Schlagabtauschs der dominanten Fahrer des vergangenen Jahrzehnts dürfte der eigentliche Krieg durch die Teams um sie herum entschieden werden.
Der CiclismoAlDia-Podcast nahm die acht Fahrer von UAE Team Emirates – XRG sowie
Team Visma | Lease a Bike einzeln unter die Lupe und kam fast einhellig zum Schluss: UAE stellt die stärkste, vielseitigste und am besten vorbereitete Mannschaft für den Triumph in Paris.
Im direkten Vergleich ergab sich am Ende ein klares 14:10 zugunsten des Emiratenteams.
Pogacar, der unangefochtene Favorit gegen Vingegaard
Das erste Duell ließ wenig Raum für Zweifel. Alle drei Teilnehmer der Sendung sahen Tadej Pogacar vor Jonas Vingegaard. Ausschlaggebend war nicht nur die herausragende Form des Slowenen über die gesamte Saison, sondern auch die Streckencharakteristik.
Wie im Podcast erklärt, spielen die Auftaktetappen mit explosiven Finals und klassikerähnlichen Profilen klar dem UAE-Kapitän in die Karten. „Er ist ein deutlich kompletterer Fahrer und kommt zudem zum besten Zeitpunkt seiner Karriere“, sagte Juan Larra in der Diskussion des Video-Podcasts.
Ein weiterer Punkt war die Rennsteuerung über den Kalender. Während Pogacar mit weniger Renntagen und einem gegenüber dem Giro d’Italia komplett erneuerten Aufgebot anreist, setzt Visma auf mehrere Fahrer, die bereits die Corsa Rosa bestritten haben, darunter Sepp Kuss und Victor Campenaerts. Aus Sicht der Analysten könnte sich diese angesammelte Belastung im Rennverlauf rächen.
Isaac del Toro, der große Unterschiedmacher
Eine der klarsten Übereinstimmungen ergab sich im Vergleich zwischen
Matteo Jorgenson und
Isaac del Toro. Das CiclismoAlDia-Podium hält den Mexikaner aktuell für den besten Edelhelfer im Peloton.
Del Toros jüngste Auftritte beim Criterium du Dauphiné und der Tour Auvergne-Rhône-Alpes überzeugten die Runde. Man ging sogar so weit zu sagen, dass der junge UAE-Fahrer um das Tour-Gesamtpodium mitkämpfen könnte. „Del Toro ist derzeit deutlich über Jorgenson einzuordnen“, hieß es unisono in der Diskussion, mit Verweis auf die schwache Form des US-Amerikaners in einer bislang zähen Saison.
Sogar ein hypothetisches historisches Resultat für UAE stand im Raum, mit Pogacar und Del Toro auf zwei der drei Pariser Podiumsplätze.
Für die Sendung ist der Mexikaner sowohl als Helfer als auch im Hochgebirge eine absolute Bank, wo er entscheidende Unterschiede herausfahren könnte.
Sepp Kuss, einer der wenigen Visma-Siege
Es gab nicht nur Lob für UAE. Eines der wenigen Duelle, das an die niederländische Mannschaft ging, war jenes zwischen Sepp Kuss und Adam Yates.
Zweifel an der physischen Verfassung des Briten nach seinem schweren Sturz beim Giro d’Italia ließen die Waage klar in Richtung des Amerikaners kippen. Die Diskutanten hoben hervor, dass Kuss nach einem soliden Giro sowie einem ordentlichen Auftritt bei der Andorra Classic anreist.
Zudem gelte der Mann aus Colorado weiterhin als einer der verlässlichsten Grand-Tour-Helfer und als Schlüsselfigur für Vingegaards Ambitionen. „Adam Yates ist eine Unbekannte, und Kuss zeigt dieses Jahr ein klar überlegenes Niveau“, merkte Javier Rampe an.
Wenn zwei Namen im Verlauf der
Analyse besonders gelobt wurden, dann Tim Wellens und Nils Politt. Beim Belgier hoben die Teilnehmer seine enorme Vielseitigkeit hervor. Wellens gilt aktuell als einer der verlässlichsten Männer Pogacars, fähig, auf der Ebene zu arbeiten, in den Mittelgebirgen zu agieren und selbst bei fordernden Anstiegen lange dranzubleiben.
Sein Duell mit Victor Campenaerts spaltete die Meinungen, doch am Ende wogen für einige die Erfahrung und Variabilität des UAE-Fahrers schwerer.
Der Konsens um Nils Politt war noch deutlicher. Der Deutsche wurde als UAE-Pendant zu Campenaerts beschrieben: ein Allround-Helfer, der Ausreißer über Kilometer kontrollieren und in jeder Rennlage das Feldtempo hochhalten kann. „Wenn eine Flucht durchkommt, dann weil Politt es zulässt“, sagte Jorge Borreguero und erinnerte an die Teamarbeit des Deutschen bei der letztjährigen Tour.
Vingegaard (l.) und Pogacar (r.) dominieren die Tour de France in den 2020ern
Ein kompletteres und frischeres UAE
Über die Einzelpaarungen hinaus lautete das zentrale Fazit des Podcasts: UAE tritt ausgewogener und vielseitiger an.
Während Visma stärker auf Rouleure und Zeitfahrspezialisten wie Edoardo Affini und Campenaerts setzt, bietet das Emiratenteam laut den Analysten auf jedem Terrain mehr Lösungen. „UAE hat gemischtere, besser austarierte Fahrertypen, während Visma klarere Profile mitbringt“, betonte Rampe im Podcast.
Zudem verschaffen Namen wie Del Toro, Wellens, Politt, McNulty und Florian Vermeersch Pogacar taktische Optionen für nahezu jedes Rennszenario.
Das große Fragezeichen bleibt Adam Yates. Doch trotz der Ungewissheit um den Briten ist der Konsens bei CiclismoAlDia eindeutig: Pogacar reist nicht nur als überragender Favorit auf Gelb an, sondern auch mit der stärksten Mannschaft der
Tour de France.
Und in einer Ausgabe, die durch kleinste Details entschieden werden dürfte, könnte das beste Team den Ausschlag geben.